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FROST: "Es ist nur ein bisschen frisch geworden": Diese Russin aus Rossrüti kann über unser Kälte-Gejammer nur lachen

Minus 11 Grad zeigt das Thermometer an. Während sich diese Temperaturen für viele frostig kalt anfühlen, kann Yana Koroleva nur müde lächeln. Die gebürtige Russin kennt sowohl minus 52 Grad als auch plus 52 Grad. Ihre Tipps gegen das Frieren.
Angelina Donati
Zwei, die auch bei Minusgraden gerne an die frische Luft gehen: Yana Koroleva und Tochter Milana. (Bild: Angelina Donati)

Zwei, die auch bei Minusgraden gerne an die frische Luft gehen: Yana Koroleva und Tochter Milana. (Bild: Angelina Donati)

"Kalt?! Aber nein, das finde ich überhaupt nicht», sagt Yana Koroleva und biegt sich vor Lachen. "Es ist nur ein bisschen frisch geworden.» Die 39-Jährige ist sich an extreme Temperaturen gewöhnt. In ihrer Heimatstadt Rostow am Don im Südkaukasus herrschen ganz andere klimatische Bedingungen als in Wil, wo Yana Koroleva heute lebt. Während es im Winter bis zu minus 52 Grad werden kann, klettert das Thermometer im Sommer auf über 52 Grad. "Bis minus 25 Grad lässt es sich gut aushalten.»

Noch gut mag sich die gebürtige Russin daran erinnern, als die Schule bei minus 35 Grad wegen der Kälte geschlossen blieb. Ein Schmunzeln kann sie sich auch nicht verkneifen, als sie in ihrem Journalistenstudium mit anderen Studenten in der Stube sass, während draussen das Thermometer auf kalte minus 31 Grad sank. "Wer das Spiel verloren hatte, musste nach draussen gehen und für alle Essen holen», sagt sie und lacht. Gut lachen hat sie tatsächlich: "Ich habe kein einziges Mal verloren.»

Warmes Essen, warme Getränke und warme Kleidung

Eine solche Kälte sei allerdings wirklich nicht mehr angenehm und könne dem Körper zusetzen. Am Wichtigsten sei, sich richtig zu ernähren. Will heissen, zweimal pro Tag warm essen. Und auch ein reichhaltiges Frühstück dürfe nicht fehlen. "Es spielt eine grosse Rolle, was man isst.» Damit der Magen aktiv bleibe, empfiehlt Yana Koroleva Kartoffeln, Weizen, Erbsen, Linsen und Goldhirsen. "Es sollte Nahrung sein, die einem für lange Zeit genug Energie gibt», sagt sie und zeigt auf den gedeckten Tisch, auf dem Gerichte bereitstehen, die sie an diesem Vormittag zubereitet hat. Auch Suppen seien optimal – zu jeder Jahreszeit. Zu ihrer eigenen Überraschung isst ihre 2,5-jährige Tochter Milana sehr gerne Suppen. "Normalerweise können sich Kinder ja nicht unbedingt für diese Art von Speisen begeistern.»

Um sich gegen die Kälte zu wappnen, sollte man zudem warme Getränke einnehmen und möglichst viel trinken. Grün-, Schwarz-, oder Chai-Tee würden sich hierfür wunderbar eignen. "Mit Tee sieht man ausserdem länger jung aus», sagt Yana Koroleva und fügt hinzu: "Zu viel Schwarz-Tee ist aber nicht gesund.» Selbst Wodka, das Russische Nationalgetränk kann sie empfehlen: "Drei Shots zum Essen wärmen zusätzlich.» Bei ihr wird ausserdem regelmässig Mors getrunken – ein Saft aus Preiselbeeren.

Natürlich aber helfe auch die entsprechende Kleidung, diesen frostigen Winter ohne Frieren zu überstehen. Warme Jacken, gefütterte Hosen und Schuhe sowie Wollschals. "Bloss nicht Synthetik. Diese raubt einem sogar die Wärme.» Und entsprechend den Standards der Russinnen müsse die Kleidung selbstverständlich auch schön aussehen.

Geistig und körperlich in Bewegung bleiben

Zur wintertauglichen Kleidung und gesunden Ernährung gehört für Yana Koroleva auch eine gesunde Lebenseinstellung. Sie habe schon viel erlebt und könne entsprechend Vergleiche ziehen. Geboren in Deutschland, wuchs sie später in der Ukraine und in Russland auf. Allerdings blieb die Familie dort nur ein paar Jahre lang. Aufgrund des Berufes ihres Vaters als Militär-Pilot musste sie ständig den Wohnort wechseln. Keine einfache Situation für die junge Russin. Immer wieder musste sie neue Schulkameraden finden. Jahre später, hier in Rossrüti, mit ihrem Lebenspartner, der gemeinsamen Tochter und der grossen Familie ihres Lebenspartners sei sie endlich angekommen und spüre wie in früheren Zeiten die Familienzugehörigkeit.

Damit die Integration überhaupt erst gelingen kann, müsse man gewillt sein, die Sprache zu lernen und zu arbeiten, wie Yana Koroleva betont. "Wenn man will, findet man immer Arbeit», ist sie überzeugt. "Ich bin für die Möglichkeiten hier in der Schweiz äusserst dankbar.» Doch aller Anfang ist schwer. 14 Jahre sind her, als sie in die Schweiz kam, zuerst in Basel lebte und dort in der Gastronomie arbeitete. "Damals sprach ich nur Englisch und war fürs Tellerwaschen zuständig.» Heute hilft sie im IT-Unternehmen ihres Lebenspartners mit. "Bis man versteht, wie die Schweiz tickt, braucht es zehn Jahre.» Ohnehin war es ein Prozess, die Lebensweise wie man sie in der einstigen Sowjetunion pflegte, jener der Schweiz anzupassen. "Schweizer schweben nicht in dieser Traumwelt wie wir früher. Schweizer sind Realisten und das ist gut so», sagt Yana Koroleva.

Genauso realistisch sieht die gebürtige Russin den Winter mit seinen grauen, nassen und kalten Tagen. "Es ist alles Kopfsache.» Nebst dem, dass man sich körperlich für die vierte Jahreszeit rüstet, solle man auch unbedingt den Geist einbeziehen. Eine Veränderung wagen, sich zum Beispiel ein neues Hobby zu tun, könne wahre Wunder bewirken. Hauptsache man bleibe in Bewegung. Denn: "Wer seine Seele nährt, bringt auch den Körper in Einklang.»

Kuschelig und warm: russische Kinder-Hausschuhe aus Schafwolle. (Bild: Angelina Donati)

Kuschelig und warm: russische Kinder-Hausschuhe aus Schafwolle. (Bild: Angelina Donati)

Wärmt von innen: russischer Salo (Speck) mit Zwiebeln und Wodka. (Bild: Angelina Donati)

Wärmt von innen: russischer Salo (Speck) mit Zwiebeln und Wodka. (Bild: Angelina Donati)

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