Frist für Hallenbadkauf verpasst - Jetzt will das Ökodorf Sennrüti eine zweite Chance

Erneut sind Lösungen für das Hallenbad Degersheim an der Phalanx der Genossenschafter des Ökodorfs Sennrüti gescheitert. Jetzt nimmt deren Präsident, René Duveen, Stellung.

Andrea Häusler
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Das Erscheinungsbild des ehemaligen Kurhauses Sennrüti hat sich seit 1976 verändert. Das zwischen den beiden Gebäudetrakten im Norden und Süden gelegene Hallenbad jedoch bestand schon damals. (Bild: ETH-Bildarchiv/Comet AG)

Das Erscheinungsbild des ehemaligen Kurhauses Sennrüti hat sich seit 1976 verändert. Das zwischen den beiden Gebäudetrakten im Norden und Süden gelegene Hallenbad jedoch bestand schon damals. (Bild: ETH-Bildarchiv/Comet AG)

Kein Verkauf, kein Erwerb und keine Möglichkeit zur Umnutzung. Seit der Schliessung des Hallenbads Degersheim im Frühsommer 2014 sitzt die Gemeinde als Eigentümerin auf der leer stehenden Liegenschaft. Jedes Bemühen, das Areal loszuwerden oder zu vermieten, scheitert am Veto der Genossenschaft Ökodorf Sennrüti. Die Allmacht über das Grundstück gibt ihr eine – laut Urteil des Kantonsgerichts – nicht löschbare Grunddienstbarkeit, die 1971 beim Verkauf des einstigen Kurbads Sennrüti an die Hallenbad AG erstellt worden war. Der Inhalt: Auf der Parzelle darf nur ein Hallenbad mit Sauna betrieben werden.

Die jüngsten Versuche der Gemeinde, die Wellness-Brache zu nutzen oder zu veräussern, sind Ende November gescheitert. Die Genossenschaft hatte den Termin zum Abschluss der Kaufverhandlungen platzen lassen. Dies nachdem sie Monate zuvor die baurechtliche Umnutzungsbewilligung für die Vermietung an die Tegerscher Bräu verweigert hatte. Dennoch sieht Genossenschaftspräsident René Duveen die alternative Lebensgemeinschaft nicht als notorische Verhinderin. Allerdings macht er auch keinen Hehl daraus, die Interessen des Ökodorfs zu priorisieren.

Konflikt Dienstbarkeit versus Nutzungsänderung

Beim Verkauf der Liegenschaft Hallenbad an die Hölzli GmbH waren die Beeinträchtigung von Aussicht, Privatsphäre sowie Bedenken hinsichtlich wahrscheinlicher Emissionen die massgeblichen Oppositionsgründe ge­wesen. Wobei René Duveen klarmacht, dass die Genossenschaft mit kooperativen Ansätzen wie Bauhöhenbegrenzung, Bauabstand etc. zu einer Lösung Hand geboten habe. Dies bevor die Gemeinde auf dem Rechtsweg versucht habe, die Löschung der Dienstbarkeit zu erstreiten.

Beim Veto gegen Nutzungsänderungen als Voraussetzung für Vermietungen habe hingegen das Risiko einer inhaltlichen Aufweichung und damit einer Schwächung der Dienstbarkeit die Hauptrolle ­gespielt. «Diese garantiert der Lebensgemeinschaft Herzfeld Sennrüti nämlich eine gewisse Lebensqualität», macht René Duveen klar.

Die Genossenschaft wehrt sich aus unterschiedlichen Gründen gegen jede Form von Fremdnutzung, signalisiert aber immer wieder Kaufinteresse. Zum Erwerb jedoch kam es bisher nicht. «Nach der Schliessung des Hallenbads sprachen finanzielle Gründe gegen einen Kauf», sagt Duveen. Und jetzt sei es nicht gelungen, die Finanzierung innerhalb der von der Gemeinde gesetzten Frist von zwei Monaten sicherzustellen. Trotz entsprechender Bemühungen.

Hoffnung auf Kaufpreisreduktion

Am 11. Oktober hatte das Degersheimer Grundbuchamt der Genossenschaft Ökodorf Sennrüti den Kaufvertragsentwurf zugestellt. Die Generalversammlung der Genossenschaft war aber erst auf den 14. November einberufen worden. Laut Duveen seien Ferienabwesenheiten dafür verantwortlich gewesen, aber auch offene Fragen. Und nicht zuletzt habe die Hoffnung bestanden, dass der Kaufpreis nach der Reduktion des amtlichen Werts der Liegenschaft reduziert würde. Heute sagt René Duveen allerdings: «Der Kaufpreis von 500000 Franken ist für uns in Ordnung.»

Die Sache mit den Garagen

Die «offenen Fragen» bezogen sich unter anderem auf die Dienstbarkeit, die auf den Garagen im Sockelbereich des Hallenbads lastet. Sie ermöglicht den Bewohnern des ehemaligen Personalhauses die kostenlose Benützung der Abstellplätze. Für diese müssten bei einen Abbruch oder Neubau Ersatz gestellt werden. «Kein unlösbares Problem», sagt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. Das Projekt der Hölzli GmbH habe beispielsweise eine Tiefgarage vorgesehen. Den Berechtigten wären dort Plätze zur Verfügung gestellt worden.

Ungeachtet sämtlicher Hindernisse und Stolpersteine bekräftigt René Duveen im Gespräch, dass die Genossenschaft weiterhin am Kauf der Liegenschaft interessiert sei. «Wir bedauern auch, dass die Gemeinde unserem Wunsch nach einer Fristverlängerung nicht entsprochen hatte. Umso mehr, als wir in Sachen Finanzierung auf gutem Weg waren.» Duveen hofft, dass noch nicht alle Türen zugeschlagen sind, und hat mit ­Monika Scherrer einen Termin vereinbart. Ob eine Chance­ ­besteht, dass die Gemeindepräsidentin von ihrem Entscheid, die «Akte Hallenbad» vorerst einmal ruhen zu lassen, abrücken wird, wollte sie vorab nicht sagen.

Bedarf an zusätzlichem Wohnraum

Bedarf an zusätzlichem Wohnraum Ideen, wie das Ökodorf das Hallenbad für sich nützen könnte, sind laut René Duveen vorhanden. Die Tendenz gehe klar in Richtung zusätzlicher Wohnraum. Anders als zum Zeitpunkt der Schliessung des Bads vor gut fünf Jahren seien alle 29 Wohnungen vermietet und es bestehe sogar eine Warteliste. Zwei zusätzliche Wohnungen befänden sich innerhalb des bestehenden ehemaligen Kurhauskomplexes derzeit im Bau.