Frisch, jung vor dem «bösen Alter»

Nachdem Anna Rossinelli schon ein paar Jahre schweizweit bekannt ist, hat sie es nun endlich in die Ostschweizer Provinz geschafft. Am Samstag sang sie in der «Eintracht» und schloss damit einen erfolgreichen Konzertherbst ab.

Michael Hug
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Anna Rossinelli: Jung und frisch, unbeschwert und spontan gab sie sich am Samstagabend in der «Eintracht». (Bild: Michael Hug)

Anna Rossinelli: Jung und frisch, unbeschwert und spontan gab sie sich am Samstagabend in der «Eintracht». (Bild: Michael Hug)

KIRCHBERG. Kirchberg ist längst bekannt für Auftritte nationaler Top-Shots der Unterhaltungsbranche. Regelmässig treten Schweizer Berühmtheiten des volksmusikalischen Schlagers im «Toggenburgerhof» auf, ebenso häufig ihre Äquivalente des Pop (was ja nichts anderes bedeutet als populäre, also volksnahe Musik) in der «Eintracht». Auch zum Konzertjahresabschluss in letztgenannter Location war das nicht anders. Wirt Bruno Metzger lud die längst zur national beachteten Grösse aufgestiegene Anna Rossinelli mit Band in seinen Club ein. Es war wieder kein Fehlgriff – «die Hütte war voll», fast ausverkauft. Die Krönung eines ausgesprochen erfolgreichen Konzertherbstes mit Höhepunkten wie Caroline Chevin, Gustav und Marc Sway.

Keine falschen Schlüsse

Währenddem Schweizer Grössen die «Eintracht» «abrockten», wird wohl das einzige Konzert einer ausländischen Bekanntheit, der US-Sängerin Patricia Vonne, schnell vergessen sein. Doch aus dem misslungenen Auftritt eine Tendenz aufzuzeichnen oder gar einen Schluss zu ziehen, ist völlig abwegig. Vielmehr sollte man sich von den Bookern in der «Eintracht» wünschen, dass man im kommenden Jahr auch den einen oder anderen Act aus dem umliegenden Europa erleben darf, es muss ja nicht gerade die USA sein. Vorläufig geht es national hochkarätig weiter. Schon in einem Monat tritt an gleicher Stelle Stille Has auf. «Böses Alter» heisst dann sein Programm – ein Kontrast zum jugendlich frischen Auftritt der Baslerin Anna Rossinelli vom letzten Samstag.

Pünktlich kommen und gehen

Rossinelli und ihre Band zeigten sich pünktlich um 21 Uhr auf der Bühne. Pünktlich eineinhalb Stunden später war das Konzert dann leider auch schon zu Ende. Die erst 26jährige Stadtbaslerin und ihre Mannen scheinen sich die Energie fürs Alter zu sparen (die Altrocker von «Black Sabbath» spielten vor vier Wochen in Zürich fast drei Stunden!). Doch innerhalb ihrer Zeit bot die zierliche Eurovisions-Teilnehmerin von 2011 ein kompaktes, aber frisches, jugendliches, dennoch hochprofessionelles Konzert. Rossinelli verzauberte von Beginn weg mit spontanem Publikumsgeplauder, aber vor allem mit ihrer begnadeten Stimme. Ausgestattet mit ihrem von der Natur geschenkten Organ kann sie, was nicht zu beweisen war, getrost mal auf das Mikrophon verzichten - sie erreicht die Umstehenden trotzdem.

Nichts schuldig geblieben

Musikalisch blieben Sängerin und Band nichts schuldig. Leicht und flügge schien der Sound, manchmal dosiert rockig gespickt, manchmal zart melancholisch eingefärbt. Oft auch zum Mitsingen – Rossinellis Gassenhauer «In Love for a While», «Joker» und «No one» sind ihren Fans im Schlaf geläufig – und Mittanzen, was aber im letzteren Fall wegen der Enge und Hitze niemand tat.

Album vorgestellt

Die Sängerin hatte ihr neues Album «Marylou» vorzustellen, ihren zweiten Wurf nach dem Durchbruch mit «Bon Voyage» im Jahr 2011. Einen Durchbruch, den sie im selben Jahr durch ihre Teilnahme bzw. vom Schweizer Fernsehvolk bestimmter Auftritt beim ESC (Eurovision Song Contest) verdankt. Dies, obwohl eben dieser – wie üblich bei Schweizer Teilnahmen – von den internationalen Zuschauenden nicht adäquat honoriert und mit dem letzten Platz abgestraft wurde. Doch die noch junge Sängerin und Songschreiberin hat es dennoch geschafft und wird wohl auch noch weiterhin im nationalen Unterhaltungsgeschäft anzutreffen sein.

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