«Freude ist wie Wasser»

Am Frauenkafi referierte Lydia Bond zum Thema «Freude ist lernbar». Die Referentin betonte dabei, dass Freude nicht in erster Linie von den äusseren Umständen abhängt.

Monique Stäger
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Lydia Bond referierte über die Lernbarkeit der Freude. (Bild: mst.)

Lydia Bond referierte über die Lernbarkeit der Freude. (Bild: mst.)

«Man lernt nie aus», sagt der Volksmund, und genau ums Lernen ging es beim Frauenkafi gestern Morgen im evangelischen Kirchgemeindehaus. Lernen ist an sich nichts Aussergewöhnliches, doch was die Referentin Lydia Bond den zahlreich anwesenden Frauen vermitteln wollte, klang nach einer echten Herausforderung. «Freude ist lernbar», so der Appell der Wädenswilerin, die sowohl als Lehrerin, Seelsorgerin, Diakonin und in der Beratung tätig war und teilweise immer noch ist.

Eine Frage der Melodie

«Wir halten unseren Körper fit, die einen mit Sport, andere auch ganz einfach durch Spaziergänge. Doch wie trainieren wir unsere Seele?» Wichtig sei es zu wissen, so Lydia Bond, dass das persönliche Gefühl der Freude von drei verschiedenen Faktoren abhänge. Zum einen sei es wissenschaftlich erhärtet, dass es einen biologischen Glücksfaktor gebe.

«Nicht alle Menschen spielen ihre innere Lebensmelodie auf der Violine, es gibt auch solche, die auf einem Cello spielen», so das bildliche Beispiel der Referentin. Doch die Stimmlage allein entscheide nicht, denn «auch auf einem Cello kann man schöne Melodien spielen». Ein weiterer Faktor seien die Umstände, in denen wir leben. Doch der wichtigste Faktor seien die willentlich kontrollierbaren Einflüsse.

Für Lydia Bond dreht sich beim Thema «Freude» alles um zwei Kernfragen: Darf ich mich freuen, und will ich mich freuen? «Darf ich mich freuen, wenn es in der Welt so viel Schlechtes gibt, oder bin ich dann ein oberflächlicher Mensch?» Die Frage beantwortete die Referentin klar und deutlich. «Ja, ich darf mich freuen, denn ein freudiger Mensch tut mehr Gutes für seine Mitmenschen und für die Umwelt.» Die zweite Kernfrage zielt auf das Wollen: Will ich mich freuen? «Menschen, die jammern, erfahren mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung», betonte Lydia Bond.

Mit Jammern könne man die Mitmenschen und auch sich selber manipulieren. «Der Entschluss zur Freude geht der Freude voraus», zitierte die 68-Jährige die Psychologin Verena Kast. Wer sich vornehme, das Positive – welches immer und jederzeit vorhanden sei – wahrzunehmen, der öffne der Freude die Tür. «Freude ist wie Wasser, sie strömt durch die feinsten Ritzen.» Es sei klar, dass man sich nicht vornehmen könne, ab sofort für immer glücklich zu sein. «Aber man kann sich vornehmen, heute Freude zu haben.»

Selbstkontrolle

Zu den grössten «Killern» für die Freude zählte die Referentin das Selbstmitleid, die Unversöhnlichkeit, Sorgen und Wut. Einigen dieser «schwarzen Löcher» für die Freude könne man begegnen, indem man seine inneren Selbstgespräche besser kontrolliere.

Der Weg zur Freude und Zufriedenheit müsse im eigenen Ich gesucht werden. Man müsse sich immer wieder fragen: «Gehe ich mit mir um wie mit einer lieben Freundin?» Veränderung sei gefragt. Natürlich gebe es auch Situationen und Dinge, die man nicht verändern könne.

Doch was nicht gut tue, solle man versuchen zu verändern.

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