«Freude fischen» in Fischingen

Die Förderschule Fischingen lebt ihre Leitsätze. Hier erhalten Schülerinnen und Schüler neue Möglichkeiten und eine besondere Betreuung, die ihnen hilft, ihre Zukunft zu gestalten. Die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton wird erfüllt, auch wenn es einiges an Engagement braucht.

Jan Hochreutener
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Die Schülerinnen und Schüler versammeln sich auf dem Pausenhof für ein Rundlaufspiel.

Die Schülerinnen und Schüler versammeln sich auf dem Pausenhof für ein Rundlaufspiel.

FISCHINGEN. Einen ganzen Katalog voller Leitsätze wie «Fuss fassen», «Farben fühlen» oder «Fairplay fordern» hat die Förderschule Fischingen zusammengestellt. Dass diese dort ernst genommen werden, merkt man. Die Kinder fühlen sich in ihrer Umgebung wohl. Das sah man beispielsweise vergangene Woche, als die Schule einen Themen-Nachmittag durchführte. Die Schüler waren fröhlich aufgelegt, denn die Sonne lachte mit ihnen. Im Rahmen dieses Projekts unternahmen sie dann auch noch einen Ausflug zur Kyburg.

Das Konzept geht auf

Die Schülerinnen und Schüler der Förderschule Fischingen haben besondere Bildungs- und Erziehungsbedürfnisse. Lernblockaden, Verhaltensauffälligkeiten oder leichte geistige Behinderung sind Gründe dafür, dass das Angebot der Volksschule nicht ausreicht. In der Förderschule Fischingen erhalten die Schülerinnen und Schüler im Alter von 5 bis 17 Jahren neben der schulischen Förderung individuelle Begleitung und Unterstützung in ihren Entwicklungsschwierigkeiten. Die Sonderbehandlung zeichnet sich vor allem durch kleinere Klassen aus maximal 10 Schülerinnen und Schülern, eine ganztägige sozial pädagogische Betreuung, das Angebot für Einzelförderprogramme wie Bewegungs- und Musiktherapien und auch dadurch aus, dass der Stundenplan und der Lernstoff auf jedes Kind individuell zugeschnitten sind. Die Schule verfolgte während der letzten zwei Jahre das Leitthema «Respekt und Autorität». Das Thema, welches als Credo der Bestrebungen des Lehrkörpers angesehen werden kann, wechselt alle zwei Jahre. Bald steht eine Sitzung an, bei der für die nächsten zwei Jahre ein anderer Grundsatz in den Fokus der pädagogischen Arbeit gestellt wird. «Wir schenken der beruflichen Aus- und Weiterbildung grosse Beachtung. So bleiben wir in Bewegung», sagt Josef Scherrer, der Gesamtleiter der Förderschule. Um stets neue Einflüsse und um auch für in Zukunft genügend Fachpersonal zu erhalten, werden Praktikums- und Ausbildungsplätze angeboten. Dabei ist viel zu lernen, denn die Herausforderungen sind anspruchsvoll. Die Anforderungen für eine Lehrperson sind beispielsweise nicht bloss eine gute Lehrtätigkeit. Josef Scherrer erklärt, dass die Aufgaben sich in vielen Bereichen von denen eines Volksschullehrers unterscheiden: «Ein Flair für anspruchsvolle Schülerinnen und Schüler, ein gutes Auge für das Machbare, Freude an kleinen Erfolgen und Motivation, sich in die alltäglichen Auseinandersetzungen mit jungen Menschen einzulassen, werden erwartet.» Es sei nicht immer einfach, passendes Personal zu finden, sagt er. Zurzeit sehe es aber gut aus mit der Besetzung. Auf den 1. August 2014 sind zwar noch zwei Teilzeitstellen für Lehrpersonen ausgeschrieben, Josef Scherrer ist aber zuversichtlich, dass diese bald besetzt sein werden.

In die Zukunft investieren

Die Aufenthaltskosten für die 25 Internats- und 52 Externats-Schülerinnen und -Schüler werden durch Beiträge der Kantone (268 Franken pro Schüler und Kalendertag) und der Eltern (monatlich 240 Franken für Internats- und 120 Franken für Externats-Schüler) finanziert. Dies ist eine Investition in die Zukunft der jungen Menschen. Laut Roland Dörig, dem Pädagogischen Leiter, ist es nicht immer ganz einfach, den richtigen Weg für die Heranwachsenden zu finden. «Wichtig ist, dass man realistisch bleibt. Eine Entscheidung soll langfristig tragbar sein», sagt er. Doch die Schule scheint der Herausforderung gewachsen zu sein. Dieses Jahr haben bereits 13 von 14 Abgängen eine Anschlusslösung gefunden. Zu diesem Zweck beginnen die Abklärungen mit der IV-Behörde bereits Anfang der achten Klasse. Manche finden eine Stelle in einer geschützten Arbeitsumgebung, andere machen den Schritt in die freie Wirtschaft. Dies bedeutet entweder, dass der weitere Bildungsweg wieder an öffentlichen Schulen fortgeführt oder eine Berufsausbildung begonnen wird. Dies kann in der Form eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses, einem eidgenössischen Berufsattest oder einem praktischen Berufsbildungsangebot geschehen. Letzteres existiert seit dem Jahr 2007 für Jugendliche, die der zweijährigen Attestausbildung wegen einer Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung nicht – oder noch nicht – gewachsen sind.

Gut eingelebt

Seit rund zwei Jahren ist ein Teil der Schüler im Schulgebäude beim Kloster Fischingen untergebracht. Diese «Lern-WG» besteht ausnahmslos aus Jungen. «Anfangs gab es etwas Eingewöhnungsschwierigkeiten. Der neue Aussenstandort bietet erheblich mehr Raum als der frühere in Sirnach. An die Möglichkeiten und Freiheiten, die das mit sich bringt, mussten sich die Kinder zuerst gewöhnen», sagt Josef Scherrer. Mittlerweile haben sich die Klassen aber gut eingelebt und es wurde auch ein Spiel- und Pausenplatz gebaut, der rege genutzt wird.

Der Projektnachmittag zum Thema Ritter findet, auch wegen der Kostüme, bei der Schülerschaft Anklang. (Bilder: pd)

Der Projektnachmittag zum Thema Ritter findet, auch wegen der Kostüme, bei der Schülerschaft Anklang. (Bilder: pd)

Josef Scherrer Gesamtleiter der Förderschule Fischingen

Josef Scherrer Gesamtleiter der Förderschule Fischingen

Roland Dörig Pädagogischer Leiter der Förderschule Fischingen

Roland Dörig Pädagogischer Leiter der Förderschule Fischingen

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