FREMDLINGE: Ungewöhnliche Bewohner im Bettenauer Weiher

Mehrere Schildkröten leben im Bettenauer Weiher, bisher ohne Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Ausgesetzte Exoten könnten aber das bestehende Ökosystem stören.

Gianni Amstutz
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Schildkröten werden von ihren Besitzern oft irgendwo in der Natur ausgesetzt. (Symbolbild: Archiv)

Schildkröten werden von ihren Besitzern oft irgendwo in der Natur ausgesetzt. (Symbolbild: Archiv)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Eine aufmerksame Spaziergängerin staunte nicht schlecht, als sie kürzlich auf einer kleinen Insel im Bettenauer Weiher eine für die hiesige Fauna ungewöhnliche Spezies entdeckte: eine Schildkröte. Tatsächlich leben neben Fröschen, einigen Fischarten und Enten auch mehrere Schildkröten im Gebiet des Bettenauer Weihers, der im Volksmund auch «Betti» genannt wird.

Schildkröten bereits seit mehreren Jahren im «Betti»

Eduard Huber, Präsident des Vereins Pro Bettenauer Weiher, weiss um die Anwesenheit der gepanzerten Tiere. «Bereits seit über zehn Jahren leben mehrere Schildkröten im Weiher.» Um wie viele es sich handelt, weiss Huber nicht genau. Er gehe aber von drei bis vier Exemplaren aus. «Wahrscheinlich wurden sie von jemandem ausgesetzt», vermutet er. Die Schildkröten wären jedoch ein Einzelfall, sagt Huber. Ihm seien keine weiteren Vorfälle bekannt, bei denen Tiere im Gebiet des Bettenauer Weihers ausgesetzt worden seien.

Vandalen anstatt ausgesetzte Haustiere

Auch in den Flawiler Naturschutzreservaten habe es in den vergangenen Jahren mit Ausnahme eines Goldfisches keine ausgesetzten Tiere gegeben, sagt Ruedi Steurer, Präsident der Stiftung Naturschutzreservate Flawil. Der ausgesetzte Goldfisch sei jedoch nicht zu einem Problem geworden. «Ein Graureiher mit guten Augen hat den Goldfisch im Weiher für uns beseitigt», erzählt Steurer lachend. Generell würden ihm eher Neophyten sowie Jugendliche, die im Bootsberger Riet regelmässig randalierten, Sorgen bereiten als ausgesetzte Haustiere.

Es gebe jedoch immer wieder Fälle, bei denen Tiere in der Natur ausgesetzt würden, sagt Antonia Zurbuchen, stellvertretende Geschäftsführerin von Pro Natura St. Gallen-Appenzell. Gerade Schildkröten oder Goldfische, die sehr alt werden könnten, würden von ihren Besitzern häufig in einer Nacht-und-Nebel-Aktion irgendwo in der Natur ausgesetzt werden, sagt sie. «Für das ökologische Gleichgewicht können solche ausgesetzten Tiere zu einer ernsthaften Bedrohung werden.» Speziell gefährdet seien Amphibien sowie Insekten, denn Goldfische ernährten sich von Froschlaich und Insektenlarven.

Da Goldfische ursprünglich aus Asien stammen, haben sie in unseren Breitengraden keine natürlichen Feinde, weshalb sie sich ungehindert vermehren und so zu einem Problem für die Artenvielfalt werden können.

Die Schildkröten im Betten­auer Weiher hingegen stellen keine Gefahr für die anderen Bewohner dar, wie Eduard Huber versichert. Bislang hätten sie sich auch nicht vermehrt, so dass sie der einheimischen Fauna im Bettenauer Weiher keine Probleme bereiteten.

Überleben im Winter kein Problem

Zu sehen sind die Schildkröten im «Betti» vor allem bei warmen Temperaturen, wenn sie es sich auf im Wasser liegenden Baumstämmen oder kleinen Inselchen an der Sonne gemütlich machen, sagt er. Aber auch die Kälte im Winter überstehen die Schildkröten mühelos, da sie dann in eine Winterstarre verfallen und so ihren Bedarf an Nahrung und Wärme drastisch senken können. Somit dürften die ungewöhnlichen Besucher wohl auch in Zukunft noch für das eine oder andere ungläubige Staunen bei den Spaziergängern am Bettenauer Weiher sorgen.