Freiwillig ins Gefängnis

Der EHC Uzwil ist kein «normaler» Eishockeyclub. Im Sommertraining werden immer neue Wege zur Weiterentwicklung von Spielern und Team gesucht. So weilte das Kader im Gefängnis Regensdorf und bestritt dort einen Fussballmatch.

Urs Nobel
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EISHOCKEY. Es ist bekannt, dass der EHC-Uzwil-Trainer Roger Bader harte Sommertrainings durchführt. Bader ist überzeugt davon, dass nur mit einer guten körperlichen Grundbasis möglichst vermieden werden kann, im Winter unnötige Verletzungen einzuhandeln. Roger Bader ist aber auch bekannt dafür, dass er immer wieder Spezial-Events in die Trainings einzubauen vermag, welche die Spieler für ihren Einsatz entschädigen. So geschehen am vergangenen Samstag, als er mit seiner Mannschaft in Regensdorf zu einem Fussballspiel gegen die Häftlinge in der Pöschwies antrat.

Ein Kader von «500 Spielern»

In der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf sitzen die schweren Jungs mit mindestens fünf Jahre Freiheitsentzug bis lebenslänglicher Strafe. Zurzeit sind dort über 500 Häftlinge verwahrt. Ein kleiner Teil von diesen stellt eine Insassen-Fussballmannschaft. Diese trainiert regelmässig und spielt etwa alle drei bis vier Wochen eine Partie. Am Samstag gegen den EHC Uzwil wie richtig zwei Halbzeiten à 45 Minuten.

Das Spiel kam aufgrund der Beziehungen von Roger Bader zum Personalchef der Strafanstalt zustande. Schon während Baders Engagement bei den Kloten Flyers (2001 bis 2005) bestritt er mit der NLA-Mannschaft der Flyers ein solches Spiel.

Das Spiel der Insassenmannschaft gegen den EHC Uzwil endete 3:1 (1:1) für die Gastgeber. Torschütze für den EHC Uzwil war Cédric Fehlmann. Er versenkte einen Freistoss zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung. Die Insassenmannschaft war fussballerisch überlegen, bestückt mit zwei herausragenden Einzelspielern. Sehr gut spielte auf Uzwiler Seite der Torhüter Renato Locher und das Innenverteidigerduo Sturzenegger/Klopfer. Das Spiel verlief jederzeit fair und erfüllte den Sinn und Zweck der Partie.

Nach dem Spiel gab es einen Rundgang durch die Werkstätten – eine Zelle durfte aus Datenschutzgründen nicht gezeigt werden. Der Trainer der Insassenmannschaft, der hauptberuflich als Werkleiter in der Strafanstalt arbeitet, übernahm die Führung und beantwortete zahlreiche Fragen. Für alle Beteiligten war das ein eindrückliches, zum Nachdenken anregendes und nicht alltägliches Erlebnis, welches noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Vierter von vier Teilen

Mit diesem Fussballspiel beendete der EHC Uzwil den dritten von vier Vorbereitungsteilen. In der nächsten Phase wird Trainer Bader die Schraube noch etwas anziehen, seinen Spielern aber auch drei Wochen Ferien gewähren. Zum Abschluss des vierten Teils, bevor es wieder aufs Eis geht, steht das Survival-Weekend auf dem Programm. Roger Bader weilte am gestrigen Tag auf Inspektion und liess sich am Telefon nicht entlocken, wohin es in diesem Jahr gehen wird. Auch der Versuch einer Handy-Ortung war erfolglos, so dass es bis zum Schluss das Geheimnis des Trainers bleiben wird. Eines steht aber fest, auch das Survival-Weekend dürfte zu einem einmaligen Erlebnis für alle Beteiligten werden.

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