Freiluftatelier am Bettenauer Weiher

OBERUZWIL. Im sanften Rauschen des Windes beugt sich sachte das Schilf. Auf dem Bettenauer Weiher durchbricht der Ruf einer Haubentaucherente die Stille. Konzentriert sitzen Frauen und Männer rund um den Weiher, betrachten die Umgebung und übertragen das Gesehene auf Leinwand.

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Für einmal dem Künstler über die Schulter gucken und sehen, wie ein Bild entsteht. (Bild: kmg.)

Für einmal dem Künstler über die Schulter gucken und sehen, wie ein Bild entsteht. (Bild: kmg.)

OBERUZWIL. Im sanften Rauschen des Windes beugt sich sachte das Schilf. Auf dem Bettenauer Weiher durchbricht der Ruf einer Haubentaucherente die Stille. Konzentriert sitzen Frauen und Männer rund um den Weiher, betrachten die Umgebung und übertragen das Gesehene auf Leinwand. Spaziergänger, die den Kunstschaffenden über die Schulter schauen, verfolgen mit Erstaunen, wie auf dem weissen Papier die Landschaft des von Seerosen bewachsenen Flachmoors entsteht. Zuerst in Pastell, dann mit stärker werdenden Farben. Bis die ganze sommerliche Farbenpracht im Aquarellbild enthalten ist.

Pinsel laufen lassen

Monika und Konrad Wiggenhauser kennen den Bettenauer Weiher seit vielen Jahren. Allerdings nicht als Motiv für ihre Werke. Das Ehepaar, das in Flawil und am Bodensee bereits verschiedene Künstlerateliers organisiert hat, fand es an der Zeit, das Projekt «Betti» zu realisieren. Nach der Zusage der Eigentümerin, der Firma Bühler, schrieben sie das Freiluftatelier «Kunststriche – Malen am Bettenauer Weiher» aus. Das Echo war erfreulich. Nebst Wiggenhausers fanden sich am Samstag acht weitere Kunstschaffende ein. Silvia Winder aus Uzwil hatte sich spontan auf den Aufruf gemeldet. «Ich male gerne draussen. Sonne, Wind und Wetter ändern ständig, das setzt eine schnelle Technik voraus. Die Bise trocknet den Pinsel. Staub oder andere Partikel werden angeweht. Die Stimmung muss erfasst und das Gefühl eingefangen werden. Angesichts der vielen Eindrücke muss man sich aber auf etwas fokussieren und dann einfach den Pinsel laufen lassen», erklärt die Kunstschaffende.

Abenteuer auf der Leinwand

Begeistert vom schönen Naturschutzgebiet zeigen sich die aus der Region Winterthur angereisten Malerinnen Berti Spring und Anita Heeb. Gewöhnlich arbeite sie alleine in ihrem Atelier, bekennt Berti Spring. Die Kontakte mit den Spaziergängern seien toll. Während sie die Technik ihrer abstrakten Bilder erläutert, wechselt sie die Leinwand. Die Sonne trocknet nun die anderen Bilder, bis an ihnen weitergearbeitet wird. Für Anita Heeb ist das Freiluftmalen ein Abenteuer. «Ich weiss jeweils nicht, was herauskommt. Es ist spannend, so zu arbeiten», sagt die aufgeschlossenen Frau. Anfänglich habe sie Bedenken gehabt, vor Publikum zu arbeiten. Die Angst war unbegründet. «Es ist ein schönes Erlebnis.» Glücklich über die gute Stimmung und das prächtige Wetter zeigen sich auch Monika und Konrad Wiggenhauser. Am späteren Nachmittag gesellen sich Willi Hausig, René Kobler, Monika Städeli, Manfred Bollen und Heidi Rossi, die ennet dem Teich malten, zu den übrigen Teilnehmern. Alle sind sich einig, dass dieses Freiluftatelier eine gelungene Angelegenheit ist und es dabei bereichernde Kontakte mit Fremden und Künstlerkollegen gibt.

Kathrin Meier-Gross