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Freiheit pur für die zwei Abenteurer

GÄHWIL. Marcel Egli und Alena Pesavento aus Gähwil durchqueren in zwei Jahren auf dem Velo die halbe Welt. Derzeit sind sie auf dem Peloponnes in Griechenland unterwegs. Danach geht es durch China nach Indien und bis in die Mongolei. Dabei geniessen sie vor allem eines: Spontaneität.
Urs Huwyler
Marcel Egli und Alena Pesavento sind nach drei Velo-Monaten derzeit in Griechenland unterwegs. (Bild: zVg)

Marcel Egli und Alena Pesavento sind nach drei Velo-Monaten derzeit in Griechenland unterwegs. (Bild: zVg)

Sportfreunde zitieren während der Sommerferien schon mal Asterix und Obelix. «Die spinnen, die Radprofis» heisst es jeweils in Anlehnung an die Gallier, wenn die «Gümmeler» drei Wochen lang auf ihren ultraleichten Hightech-Maschinen durch Frankreich touren. Die Wildschwein- und Römer-Jäger haben die seit wenigen Tagen vor dem Start verheirateten Alena Pesavento und Marcel Egli nicht zu sehen bekommen. «Dafür Hirtenhunde. Die spinnen wirklich. Zum Glück hat uns noch keiner erwischt», melden die Gähwiler nach dem Besuch in Delphi. Das Orakel hatte seine helle Freude an den Toggenburger Abenteurern und schickte als gutes Omen für die Weiterreise die Sonne raus.

Spontane Entscheidungen

Tönt ziemlich unspektakulär. Doch die Amateur-Pedaleure mit Profi-Ausdauer werden rund zwei Jahre lang mit ihren 60 Kilogramm schweren Velos unterwegs sein. Dürfte bei durchschnittlich 1000 Kilometern pro Monat eine Strecke von rund 25 000 Kilometern ergeben. Inzwischen radeln sie geniessend in Griechenland quer durchs Land. Weiter geht es durch die Türkei, den Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan bis China. Auch Tibet soll besucht werden. «Danach wollen wir weiter nach Südostasien», schreibt das seit dem 15. September rollende Duo. Bis Landquart wurden sie von (Schwieger-)Vater Hans Egli, dem Hüttenwart der Zwinglipass-Hütte (SAC Toggenburg) begleitet. Seither herrscht Zweisamkeit.

Mitte Februar wollen sie in Istanbul nach Asien wechseln. Vorgesehen sind auf der Tour durch die halbe Welt auch Besuche im Südosten. Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Burma, Indonesien, dann Indien, Nepal und die Mongolei reizen. «Das Schöne ist, dass wir eigentlich keinen genauen Plan haben. Deshalb ist bisher alles nach Plan verlaufen. Wir wollen uns immer nach Lust und Laune entscheiden, wo wir durchfahren. Das ist ja das Schöne, so unterwegs zu sein. Man kann einfach spontan entscheiden, was man machen will. Einfach Freiheit pur», schwärmen sie nach den ersten drei Velo-Monaten.

30 000 Höhenmeter gestrampelt

Was es heisst, frei zu entscheiden, illustrieren die Langzeit-Tourenfahrer an einem Beispiel: «Ursprünglich wollten wir von Mazedonien aus direkt nach Thessaloniki fahren und dort die Fähre nach Kreta nehmen. Aber ein Reisender schwärmte in Albanien von Meteora und so entschieden wir uns kurzfristig um. Jemand erzählt von einem Ort, wir finden es interessant und entscheiden uns, dorthin zu gehen.» Durch das Engadin, Südtirol, Österreich und die Berge Albaniens kamen bereits über 30 000 Höhenmeter zusammen. «Natürlich war es oft ziemlich anstrengend», fügen Alena Pesavento und Marcel Egli an.

Kurze Tage

Eine wichtige Rolle spielt das Wetter. «Wir hatten bisher Glück. Zwei Drittel der Zeit war es schön. In Slowenien und im Südtirol erwischten wir ein paar Regentage. Hier in Griechenland regnet es oft und es ist kalt. Beim Fahren ist es ziemlich schwierig, Hände und Füsse warm zu behalten. Wir hatten schon Minustemperaturen beim Zelten.» Und dann folgt der Fernblick in die Heimat: «Läuft der Skilift schon und trainieren die Mosnanger Kinder fleissig, damit es bald eine zweite Maria Walliser gibt?» Ja, schon, aber…

Mehr zu schaffen als das Wetter machen den Abenteurern die kurzen Tage. Mit Frühstück zubereiten, Zelt abbrechen, packen und Velos beladen vergehen bis zu zwei Stunden. «Am Abend», erzählen die temporären Griechen, «müssen wir genügend Zeit einberechnen, um einen geeigneten Platz zu finden. Er sollte eben, trocken, etwas versteckt und hundefrei sein. Um 16.15 Uhr ist es bereits dunkel. Die Zeit zum Velofahren wird dadurch sehr kurz.» Oft werden die topfiten Alena und Marcel gefragt, wie ein solches Projekt finanziert wird. «So ein Abenteuer», relativieren sie des Volkes Meinung, «ist nicht besonders teuer. Wir haben ein Budget von 20 Franken pro Tag und Person. Es ginge auch mit weniger. Aber wir gönnen uns ab und zu ein Hotel, ein leckeres Abendessen, eine Flasche Wein.» Auf dem Peloponnes möchten sie das alte Olympia besuchen. «Vielleicht finden wir noch einen Lorbeerkranz», witzeln die Gladiatoren. Zwischen 880 vor Christus und 393 nach Christus war Velofahren allerdings keine olympische Disziplin.

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