«Freches Berufsbildungskonzept»

Die Micarna-Gruppe startete im Sommer eine neue Berufsbildungskampagne. Entstanden ist eine crossmediale Welt, «Mazubi Island», die Mittel wie Sammelkarten und App verbindet.

Urs M. Hemm
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Auf diesen Sammelkarten werden Berufe und ihre spezifischen Anforderungen vorgestellt. (Bild: Urs M. Hemm)

Auf diesen Sammelkarten werden Berufe und ihre spezifischen Anforderungen vorgestellt. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Jugendlichen dort abholen, wo sie sich bewegen – das ist eines der Ziele der neuen Berufsbildungskampagne der Micarna-Gruppe mit den beiden Standorten Bazenheid und dem freiburgischen Courtepin. Roland Pfister, Leiter Kommunikation, erläutert die Hintergründe von «Mazubi Island».

Warum wurde die Berufsbildungskampagne «Mazubi Island» ins Leben gerufen?

Die Micarna biete heute 18 verschiedene Berufe an – 16 davon in Bazenheid. Neben dieser Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten bietet die Micarna-Gruppe mit der Lernendenfirma «Mazubi» den Jugendlichen zudem ein Projekt, welches über die klassische Berufsbildung hinausgeht. Unsere Lernenden führen während ihrer Ausbildung ihr eigenes Unternehmen: Sie entwickeln Produkte, stellen diese her und vermarkten diese auch selbständig. Dieses innovative Ausbildungskonzept mit der Berufsvielfalt innerhalb der Micarna-Gruppe zu verbinden und diese eigene Lehrlingswelt grafisch umzusetzen, war ein Ziel von «Mazubi Island».

Heute gibt es beispielsweise in Wattwil das Lehrstellenforum und an Schulen wird über berufliche Möglichkeiten informiert – reicht das nicht aus?

Ein umfassendes Ausbildungsprogramm darf sich grundsätzlich nicht auf die reine Suche von potenziellen Lernenden beschränken. Genauso wenig darf eine solche Suche auf einzelne Messen bezogen bleiben. Das Berufsbildungskonzept «Mazubi Island» greift weiter: Es beginnt bei einem frühzeitigen Kontakt mit Schülern, Lehrern und Eltern, geht über die Berufsfindungs- und Rekrutierungszeit und zieht sich durch die gesamte Ausbildung der Lernenden hindurch. Die Lernendenfirma «Mazubi» ist nicht nur Namensgeber für die Insel, sie ist auch Kern des Projektes. Es geht darum, die Selbständigkeit und die Eigeninitiative der Lernenden zu stärken und sie auf mehr als ihrem eigentlichen Beruf auszubilden.

Sie, zusammen mit der Agentur Zense GmbH aus Zürich, haben sich für eine Visualisierung der Kampagneninhalte im Comicstil entschieden. Denken Sie nicht, Ihre Zielgruppe der 13- und 14-Jährigen sei zu alt für eine derartige Umsetzung?

Wir denken nicht, dass die visuelle Umsetzung unseres Berufsbildungskonzepts eine Frage des Alters ist. Die Micarna hat sich bewusst für eine humoristische und freche Darstellung der Berufe entschieden. Das bedeutet nicht, dass man diese Verspieltheit mit Verniedlichung gleichsetzen kann. Im Gegenteil: Mit einer frechen Umsetzung haben wir die Möglichkeit, unser Ausbildungskonzept mit der nötigen Seriosität und gleichzeitig einer Prise Ironie darzustellen. Erste Rückmeldungen – gerade von der Hauptzielgruppe, den Jugendlichen – zeigen, dass der Micarna dieses Ziel sehr gut gelungen ist. «Mazubi Island» ist ein freches und frisches Berufsbildungskonzept, dass gerade darum auffällt und gefällt, weil es anders ist.

Sie stellen mit «Mazubi Island» 18 verschiedene Berufe vor. Neben Print-Informationsmaterial haben Sie auch eine App kreiert, mit der die Jugendlichen in einem 2-D-Jump-and-Run-Spiel «Mazubi Island» von einem Fluch erlösen sollen. Erfahren dort die Jugendlichen auch etwas über die einzelnen Berufsbilder?

Das Ziel des «Mazubi»-Spiels besteht darin, die Schweine zum Inselgott in den Himmel zu bringen. Wenn das gelingt, wird man mit einer Sammelkarte, auf der ein Beruf vorgestellt wird, belohnt. Das Spiel hat also neben einem unterhaltenden Wert durchaus auch ein pädagogisch-wirtschaftliches Ziel: Das Spiel bringt den Jugendlichen frech und auf eine spielerische Art und Weise die Micarna als Ausbildungsbetrieb und alle ihre 18 Berufe näher.

Wie Sie in einer Mitteilung schreiben, beschäftigt die Micarna an den Standorten Bazenheid und Courtepin insgesamt 122 Auszubildende. Welchen Zuwachs erwarten Sie von der neuen Berufsbildungskampagne?

Seit diesem Sommer absolvieren bereits 130 Lernende eine Grundausbildung innerhalb der Micarna-Gruppe. Dem Berufsbildungskonzept «Mazubi Island» wird keine direkte Zahl zugeschrieben. Uns geht es nicht nur darum, alle Lehrstellen jeweils zu besetzen, sondern auch darum, gute und motivierte Lernende zu haben, was nicht immer einfach ist. Die Qualität geniesst demnach auch in der Berufsbildung Priorität. Aus diesem Grund verzichten wir bewusst auf eine quantitative Messung des Erfolgs unserer Berufsbildung.

Wie lange wird die Kampagne laufen?

Die Berufsbildung der Micarna-Gruppe ist langfristig ausgelegt. Unsere Vision ist es, unsere Fach- und Führungskräfte zukünftig aus dem eigenen Nachwuchs zu rekrutieren. Aus diesem Grund ist auch «Mazubi Island» nicht nur auf einen bestimmten Zeitraum ausgerichtet. «Mazubi Island» bietet die Basis für zukünftige Berufsbildungskampagnen oder Events. Unsere Idee der «Insel der Berufsbildung», die eigene kleine Insel unserer «Mazubi», soll unbegrenzt Bestand haben.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt. www.micarna.ch