Frauenstreik
«Hejo, leistet Widerstand...»: Im Lila-Look streikend zum Wiler Bahnhof

Dass in Wil keine lokalen Aktivitäten geplant waren, bedeutet nicht, dass der Frauenstreiktag sang- und klanglos am städtischen Leben vorbeiging. Am späten Nachmittag zog eine überwiegend weibliche Gruppe in Violett über die Bahnhofstrasse in Richtung Bahnhof. Das Ziel: St.Gallen.

Andrea Häusler
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Unterwegs zum Bahnhof – acht Frauen und auch ein Mann. Ihre konkrete Forderung: Ein rascher Ausbau der Tagesstrukturen.

Unterwegs zum Bahnhof – acht Frauen und auch ein Mann. Ihre konkrete Forderung: Ein rascher Ausbau der Tagesstrukturen.

Bild: Andrea Häusler

Der Stadtweier schimmert grünlich, das Wasser des Böckebrunnens sprudelt klar. Eingefärbte Gewässer wie in anderen Schweizer Städten sind in Wil nicht auszumachen. Lila ist allein die Farbe der Shirts, der Fahnen und Banner, die am späten gestrigen Nachmittag kurzzeitig für Farbtupfer auf der Obere Bahnhofstrasse sorgen. «Für spezielle Aktionen ist unsere Gruppe schlicht zu klein», sagt Renata Ruggli.

Tatsächlich sind es kaum zehn Frauen, die sich am Rosenplatz für den Marsch zum Bahnhof eingefunden haben, um in St. Gallen auf die Anliegen der Frauen aufmerksam zu machen.

Schlechterstellung bei den Altersrenten

Dafür hat sich selbstbewusst ein Mann dazugesellt. «Ich bin privilegiert», sagt Erwin Sulzer, und ergänzt: «Es stimmt halt nach wie vor nicht mit der Gleichberechtigung.» Insbesondere bei den Pensionskassenrenten seien Frauen benachteiligt, sagt er, der sich unter anderem auch als Vorstandsmitglied des Vereins «Wiler Tag der Frau» für feministische Anliegen einsetzt.

Chorgesang ab Textblatt: «Mein Hut, der hat drei Ecken» oder eben für einmal «Wir wollen gleiche Rechte». Renata Ruggli (rechts) gab zum gleich einmal den Takt vor.

Chorgesang ab Textblatt: «Mein Hut, der hat drei Ecken» oder eben für einmal «Wir wollen gleiche Rechte». Renata Ruggli (rechts) gab zum gleich einmal den Takt vor.

Bild: Andrea Häusler

Die Frühsommerhitze hat die obere Bahnhofstrasse nahezu leergefegt. Vereinzelt sind Passanten auszumachen, die dem singenden Tross mit erstaunten Blicken folgen. «Hejo, spann den Wagen an» – die Melodie weckt Schulreise-Erinnerungen. Der Text hingegen ernüchtert: «Hejo, leistet Widerstand, gegen Lohn- und Rentenklau im Land...». Die Rätschen knarren, die Spruchbänder wogen. «Black Lives Matter», steht auf dem Schild, das Mirta Sauer hochstemmt. Falsche Seite. Sie wendet es. Ein Zopfmädchen mit entblössten Zähnen, Steinschleuder und Totenkopfshirt offenbart sich. Und der Schriftzug «Frech bleiben».

Ein Foto fürs Schulprojekt: Dafür ging es vom Perron nochmals zurück auf den Bahnhofplatz.

Ein Foto fürs Schulprojekt: Dafür ging es vom Perron nochmals zurück auf den Bahnhofplatz.

Bild: Andrea Häusler

«Black Lives Matter» gilt eben immer, sagt sie. Nicht für den Mann am Bahnhof. Der fühlt sich provoziert, will diskutieren. Doch der Zug wartet nicht. Ein Teil der Gruppe hat sich bereits zum Perron aufgemacht, als ein Mädchen um die Erlaubnis für ein Foto bittet. «Für ein Schulprojekt», wie sie sagt. Natürlich, soviel Zeit muss sein – es geht ja letztlich zweifach um die Sache.

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