FRAUENSCHWARM: Der Stern in Kirchberg

Der Aargauer Liedermacher Adrian Stern spielte am Samstagabend in Kirchberg. Er stellte die Songs seines neuesten Werks «Chum mir singed die Songs wo mir liebed und tanzed mit ihne dur d’Nacht» vor. Die «Eintracht» war voll, zum Tanzen kein Platz.

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Adrian Stern spielte in der «Eintracht» in Kirchberg vor vollem Haus. (Bild: Michael Hug)

Adrian Stern spielte in der «Eintracht» in Kirchberg vor vollem Haus. (Bild: Michael Hug)

Wo immer Adrian Stern auftritt, steigt der Anteil der Frauen im Publikum signifikant. Dabei ist der Aargauer Liedermacher doch gar nicht mehr so jung, keine explizite Schönheit und erst noch schon längst vergeben. «Rund 80 Prozent Frauen heute Abend», sagte Eintracht-Wirt Bruno Metzger, «das ist schon erstaunlich!» In seiner «Eintracht» treten sie alle auf, die Schweizer Pop-Stars und die, die auf dem Weg dahin sind. Der «Stern aus dem Aargau» war nicht zum ersten Mal hier, alle kommen sie gerne und gerne wieder, weil die Stimmung in Metzgers Lokal einfach einmalig sei. Doch wenn Künstlerinnen auftreten in der «Eintracht» – Sina, Stefanie Heinzmann, Anna Rossinelli, Nicole Bernegger – ist der Männeranteil nicht etwa ähnlich hoch.

Es mag Sterns Geheimnis sein, warum er als Künstler auf Frauen derart anziehend wirkt. Vielleicht, oder ganz bestimmt, sind es seine Songs, und dabei die Inhalte und Texte. Stern singt in Mundart, deshalb für alle verständlich, und er singt nicht nur Oberflächliches und Wiederholtes. Liebe und Trennung und solche Sachen. Er singt aus seinem Gedankenreichtum, aus seinem Herzen, und er bringt es ungekünstelt an seine Zuhörer(innen). «Chum mir singed die Songs wo mir liebed und tanzed mit ihne dur d’Nacht». Wer sonst käme auf eine solche Textzeile und würde sie auch noch aussprechen? Direkt und unbekümmert, ehrlich eben und emotional, das ist Adrian Stern, sympathisch und authentisch. Vielleicht sind es auch seine Vorbilder, die ihn beeinflusst haben: David Gilmour, Carlos Santana, Eric Clapton und Stevie Ray Vaughan. Männer, die ausgesprochen haben, was sie beschäftigt.

Gradlinige, lehrbuchmässige Künstlerkarriere

Seit immer schon singt und spielt Adrian Stern. Eine gradlinige, ja lehrbuchmässige Karriere zeichnet den 42-Jährigen aus. Instrumentenunterricht, Schulbands, Jazzschule, Berufsmusiker. Keine Umwege, keine Abstürze, keine Skandale, jede neue CD im ­Radio. Nur ein Umstand trübte seine Karriere und wohl auch ­seinen Stolz: Auf Radio Basel 1 wurden seine Songs eine Zeit lang nicht gespielt. «Unsere Hörerschaft hat Probleme mit Liedern, die im Zürcher oder Aargauer Dialekt gesungen sind», zitierte die Boulevardzeitung «Blick» 2008 den Musikchef ­Busche Frei.

Keine Akzeptanzprobleme in der Ostschweiz

In der Ostschweiz hatten Dialekte aus der Restschweiz noch nie Akzeptanzprobleme. Die Stars der Szene – von denen ja die meisten nicht aus dem östlichen Landesteil kommen– werden hier mit unbefangeneren Armen aufgenommen. Vor allem, wie es scheint, vom weiblichen Publikum. Einem begeisterten Publikum – siehe vergangenen Samstagabend in der «Eintracht».

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch