FRAUENPOWER: Die Fastnacht im Blut

Sarah Stucki hat noch fast nie eine Wiler Fastnacht verpasst. Neu amtet die 34-Jährige als Aktuarin der Fastnachtsgesellschaft und ist damit Teil des Neunerrats, der bisher allein in Männerhand war.

Ursula Ammann
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Sarah Stucki trägt ab jetzt Hut und Fliege. (Bild: Philipp Haag)

Sarah Stucki trägt ab jetzt Hut und Fliege. (Bild: Philipp Haag)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Ein roter Frack, ein Hut in gleicher Farbe, ein weisses Hemd und eine schwarze Fliege: Dieser Dresscode gilt ab jetzt für Sarah Stucki bei allen offiziellen Fastnachtsanlässen. Sie ist neues Mitglied im Neunerrat und gleichzeitig die erste Frau in diesem Gremium der Fastnachtsgesellschaft Wil. Bisher galt der Rat als reine Männerdomäne.

Die 34-jährige Wilerin hat die Fastnacht wahrlich im Blut. «Als Kind ging ich jeweils als Teufel verkleidet auf die Strasse und habe die Sublotäre geschwungen», erzählt sie. Die Faszination an der fünften Jahreszeit riss nicht ab. So gibt es praktisch keinen Wiler Fastnachtsanlass, den Sarah Stucki in den letzten Jahren ausgelassen hat: Ob am Hofnarrenball, bei der Stürmung der Inauguration, am Umzug, am Kindermaskenball, am Schamauchenessen oder an der Beizenfastnacht – überall war sie dabei, und praktisch jeden Tag in einem anderen Kostüm.

Stille Helferin im Hintergrund

Nicht erst seit Sarah Stucki im Neunerrat ist, trägt sie zum Gelingen der Wiler Fastnacht bei. «Bisher war ich einfach mehr die stille Helferin im Hintergrund», sagt sie. Dann wurde sie vom Präsidenten der Fastnachtsgesellschaft Wil, den sie seit Sandkastenzeiten kennt, für das Amt der Aktuarin angeworben und sagte zu. Damit ist sie nun auch Mitglied im Neunerrat.

Beruflich ist Sarah Stucki Vollzeit als Fachspezialistin Markt bei der Swica tätig. Jeweils zur Fastnachtszeit nimmt sie Ferien. Das war schon immer so. «Meine Bürokollegen wissen mittlerweile, dass ich dann nicht anwesend bin», sagt sie. Die strengste Zeit im Geschäft hat sie dann aber bereits hinter sich, da die meiste Arbeit zwischen August und Dezember anfällt.

Bereits sieben Mal nach Kapstadt gereist

Auch auf die Zeit nach der Fastnacht freut sich Sarah Stucki. Dann verbringt sie zwei Wochen Ferien in Kapstadt. Ein Ort, an den sie bereits sieben Mal gereist ist. Zwei Mal hat sie dort sogar schon eine Fastnacht miterlebt. «Mit Umzug und Guggenmusiken», wie sie sagt. An der Südafrikanischen Fastnacht, die jeweils im Januar über die Bühne geht, kann sie wohl in Zukunft aber nicht mehr teilnehmen. Dann wird Sarah Stucki nämlich in Wil gebraucht. Denn für den Neunerrat fällt die meiste Arbeit vor der Fastnacht an.