«Frauen wollen ein Genussbier»

Von den 200 Biersommeliers im Land sind 15 Prozent Frauen. Seit kurzem gehört Conny Widmer von Widmer Bierspezialitäten in Wil dazu. Ein Interview über Frauen und Bier und wieso sie bald hauptberuflich im Geschäft arbeitet.

Chris Gilb
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Conny Widmer in ihrem Geschäft in der Altstadt. In den Regalen stehen Biere von mehreren Kontinenten. (Bild: Chris Gilb)

Conny Widmer in ihrem Geschäft in der Altstadt. In den Regalen stehen Biere von mehreren Kontinenten. (Bild: Chris Gilb)

Frau Widmer, Ihr Mann Christof ist schon länger Biersommelier. Was hat Sie nun dazu bewogen, diese Ausbildung auch zu absolvieren?

Conny Widmer: Unter unseren Kunden gibt es durchaus richtige «Bierfreaks», also Kenner, denen man nichts vormachen kann. Natürlich habe ich durch die Arbeit viel über unser Angebot gelernt, doch wollte ich mein Wissen noch perfektionieren, auch, um mir keine Blösse geben zu müssen. Hätte mir vor einigen Jahren jemand gesagt, dass ich Biersommelière werde, hätte ich ihn ausgelacht. Aber seit ich mit Bier arbeite, kann ich gut und gerne sagen, dass ich es einfach liebe.

Wie wird man Biersommelier?

Conny Widmer: Durch eine dreimonatige Ausbildung. Es wird einem viel Hintergrundwissen vermittelt und man lernt die Sinne zu schärfen, indem regelmässig trainiert wird. Im Gegensatz zum Weinsommelier muss der Biersommelier das Produkt auch wirklich trinken, da der Nachgeschmack beim Bier eine grosse Rolle spielt. Zum Abschluss der Ausbildung habe ich dann eine Prüfung abgelegt und bestanden.

Wie degustiert ein Sommelier das Bier?

Widmer: Als erstes nehme ich einen Augenschein, prüfe die Farbe und die Konsistenz. Dann nehme ich eine Nase davon – ich rieche also daran. Danach trinke ich einen Schluck und bewerte den Geschmack und den Nachgeschmack, der beim Bier Nachtrunk heisst. Dieser kann bis zu einer Stunde lang nachwirken.

Wie viel Prozent Ihrer Kunden sind eigentlich Frauen?

Widmer: Bei den Kunden, die nur Bier für sich selbst suchen, ist das Verhältnis etwa 60 Prozent Männer zu 40 Prozent Frauen. Rechnet man aber die Frauen mit ein, die etwa Bier als Geschenk für einen Mann kaufen wollen, wäre das Verhältnis ausgeglichen. Aber diese bringen wir während des Beratungsgesprächs oft selbst auch auf den Geschmack.

Stimmt es, dass Frauen tendenziell eher süssliche Biere kaufen?

Widmer: Wenn sie das Geschäft betreten, mag dies oft ihre Absicht sein. Ich sage deshalb immer, die süssen Biere seien eine Art «Einstiegsdroge». Dann zeigen sich die Käuferinnen aber sofort offen für andere Geschmäcker und lassen sich gerne von weiteren Biersorten überzeugen. Nur Lagerbiere trinken die meisten Frauen nicht gerne.

Wieso nicht?

Widmer: Frauen suchen kein «Trinkbier», sondern ein «Genussbier». Lagerbier ist meistens eher das erstere. Auch trinken viele Frauen nicht gerne aus einem schweren Humpen, deshalb ist auch die Wahl des Glases sehr wichtig. Dieses spielt sowieso für die Entfaltung des Geschmacks eine wichtige Rolle. Aber auch Bier-Cocktails sind natürlich sehr beliebt.

Ist Bier der neue Wein?

Widmer: Das kann man vielleicht so sagen. Bier ist jedenfalls sehr beliebt und bietet eine immense Vielfalt. Die Menschen kommen oft zu uns ins Geschäft mit Erinnerungen an Erfahrungen in anderen Bierkulturen. Wir haben dann das passende Bier, um diese zu wiederholen.

Werden Sie sich jetzt als Biersommelière noch stärker ins Geschäft einbringen?

Widmer: Das werden wir beide. Wir beabsichtigen, unser Geschäft ab Herbst hauptberuflich zu führen. Es läuft so gut, wir sind zurzeit nicht nur gut gebucht, sondern fast ausgebucht. Deshalb wollen wir es wagen, ab dann auch an den Nachmittagen zu öffnen und unser Angebot noch weiter auszubauen. Gerade die Zusammenarbeit mit der Gastronomie wollen wir gerne noch intensivieren.

Und was ist Ihr Lieblingsbier?

Widmer: Das Schöne am Bier ist, dass es so viele Sorten gibt, die einem gut schmecken.