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Auch die Kirche macht am Frauenstreik mit: In Flawil und Degersheim werden aus Solidarität die Glocken läuten

Noch immer kämpfen Frauen für Gleichberechtigung in der Kirche. Anlässlich des nationalen Frauenstreiks werden deshalb die Kirchenglocken in verschiedenen Gemeinden läuten.
Marco Enzler
Um die Kirche Feld in Flawil soll eine Menschenkette gebildet werden. (Archivbild: Andrea Häusler)

Um die Kirche Feld in Flawil soll eine Menschenkette gebildet werden. (Archivbild: Andrea Häusler)

Vor über 100 Jahren predigte die erste Schweizer Pfarrerin für die reformierte Kirche. Heute sei offene Diskriminierung zwar kein Problem mehr, so Melanie Muhmenthaler, Pfarrerin der Kirchgemeinde Flawil.

«Dennoch müssen Frauen auch heute noch härter um Anerkennung kämpfen, als Männer.»

Bei der katholischen Kirche stellt sich diese Situation nochmals etwas anders dar: Den katholischen Frauen ist es nämlich nach wie vor gar nicht möglich, ein priesterliches Amt zu bekleiden, weil die Kirchenführung den Frauen die Priesterweihe versagt.

Dennoch: Ohne Frauen fehlte der Kirche ein wichtiger Pfeiler. Gemäss Bundesamt für Statistik engagieren sich 3,6 Prozent der Schweizer Frauen in kirchlichen Institutionen. Bei den Männern hingegen sind es nur 2,1 Prozent.

Gleiches Recht für Frauen gefordert

An diesen Problemen stört sich der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF). In einem kürzlich veröffentlichten Widerstandstext ruft die Vereinigung zu einem Streik auf – am 14. Juni, am selben Tag wie dem nationalen Frauenstreik. Im Manifest heisst es, Frauen könnten zwar als Herzchirurginnen oder als Konzernchefinnen arbeiten, katholische Seelsorgerinnen dagegen dürften «immer noch nicht den Menschen, die sie bis an die Grenze des Todes begleiten, die Krankensalbung spenden.» Frauen seien aufgrund ihres Geschlechts immer noch abgewertet und ausgeschlossen, zudem werde die Kirche von Frauen getragen und von Männern geführt.

Auch in der Region beteiligt man sich am kirchlichen Frauenstreik. Die Flawiler Pfarrerin Melanie Muhmenthaler und Bettina Flick, Pastoralassistentin der Seelsorgeeinheit Magdenau, haben für kommenden Freitag eine entsprechende Aktion geplant: Um 15.30 Uhr läuten während 15 Minuten die Glocken der reformierten und katholischen Kirche Flawil sowie diejenigen der katholischen Kirchen in Degersheim, Niederglatt und Wolfertswil. Gleichzeitig soll um die katholische Kirche Degersheim und die reformierte Kirche Feld in Flawil eine Menschenkette gebildet werden. Pastoralassistentin Flick erklärt:

«Sie zeigt den Zusammenhalt innerhalb der Kirchgemeinde und des Dorfes.»

Für betroffene Frauen einstehen

Ziel der Aktion ist, sich mit den Frauen, die an diesem Tag auf die Strasse gehen, zu solidarisieren und so gemeinsam für mehr Gleichberechtigung zu kämpfen. «Es geht darum, auf die Frauen hinzuweisen, die wichtige, unbezahlte Care-Arbeit leisten», nennt Muhmenthaler als Beispiel. Aber nicht nur das: Es gehe auch um die Opfer körperlicher und psychischer Gewalt oder um Frauen, die von Armut betroffen sind. Zudem setze man sich für mehr Lohngleichheit ein. Schliesslich soll aber auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass Frauen endlich Zugang zu katholischen Weiheämtern erhalten wollen.

Ganz so extrem wie im erwähnten Manifest des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes ist der Ton in der Region aber nicht. Mitinitiantin Bettina Flick sagt:

«Es ist wichtig, in einer kreativen Form auf die Schwachpunkte des Systems hinzuweisen und so zu zeigen, dass Frauen nicht alleine sind.»

Auch Muhmenthaler blickt zuversichtlich auf die kommende Aktion, nicht zuletzt, weil sowohl die reformierte als auch die katholische Kirchgemeinde mit von der Partie seien.

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