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Frauen sind in den Behörden deutlich untervertreten: So weiblich ist die Region

Von 23 Gemeinden in der Region Wil werden nur gerade vier von einer Frau präsidiert. Auch in den Gemeinderäten sind die Frauen mit 35 zu 103 deutlich untervertreten. Dabei gibt es herausragende Frauen.
Hans Suter
Wachgerüttelt: Der Frauenstreik von 1991 hat die Bedeutung der Frau in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Erinnerung gerufen. (Bild: Michael Kupferschmid/KEY, (Basel, 14. Juni 1991))

Wachgerüttelt: Der Frauenstreik von 1991 hat die Bedeutung der Frau in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Erinnerung gerufen. (Bild: Michael Kupferschmid/KEY, (Basel, 14. Juni 1991))

Die Karriere der Wilerin Karin Keller-Sutter überstrahlt alles: Die einstige Konferenzdolmetscherin hat sich durch harte Arbeit aus dem Wiler Stadtparlament in die St. Galler Regierung, dann in den Ständerat und im Dezember vergangenen Jahres in den Bundesrat hochgearbeitet. Neben ihr gibt es noch eine ganze Reihe herausragender Frauen, die in ihrem Bereich Grosses leisten und Karriere machen. Die nachstehenden fünf Kurzporträts mögen dies stellvertretend für die unzähligen weiteren erfolgreichen und hart arbeitenden Frauen in der Region illustrieren. Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass Frauen viel Arbeit im Verborgenen leisten.

Geht es um Werte und Taten, sind Frauen vorne

In der grossen Mehrheit der Fälle ist die Familie nach wie vor das Hoheitsgebiet der Frau: Sie umsorgt Kinder und Ehemann, bemüht sich um Sauberkeit und Ordnung im Haushalt, ist zuständig für die Hausaufgaben der Kinder, den gereinigten und gebügelten Anzug des «Ernährers» und frisches und gesundes Essen. Lohn gibt es dafür keinen, Anerkennung wenig.

Im Berufsleben ist es ähnlich. Viele Frauen arbeiten in Branchen wie Gesundheit und Pflege (Spital, Alters- und Pflegeheim, Spitex), Kinderbetreuung (Kita, Tagesmutter), Detailhandel, Verwaltung und Industrie (oft monotone Serienarbeit). Die Löhne sind vergleichsweise tief. Auch in der Schule, gerade auf der Primarstufe, gibt es sehr viele Frauen. Der Kindergarten wird von den Frauen dominiert; hier sind die Löhne am tiefsten. Sobald es aber um Geld, Ruhm und Ehre geht, sieht es anders aus.

Geht es um Geld und Ansehen, sind Männer vorne

Eine Untersuchung von 23 Gemeinde in der Region zeigt: Nur gerade vier Frauen stehen an der Spitze der Gemeinde (Wil, Lütisburg, Degersheim und bald auch Niederbüren). Auch die Gemeinderäte werden von Männern dominiert: auf die 103 Männer kommen gerade mal 35 Frauen. Die Mehrheit dieser Frauen ist politisch auf der bürgerlichen Seite zu Hause. Auch die Schulpräsidien sind zum grössten Teil in Männerhand. Im 40-köpfigen Parlament der Stadt Wil liegt der Frauenanteil bei 25 Prozent: CVP 3 von 10, FDP 1/8, Grüne 1/6, SP 3/6, SVP 1/9, GLP 1/1. Im Stadtrat sitzen zwei Frauen und drei Männer. Susanne Hartmann (CVP) präsidiert den Stadtrat und Jutta Röösli (parteilos) den Schulrat. Auf die beiden Frauen entfallen 200 der total 380 Stellenprozente. Die drei Männer haben ein Pensum von je 60 Stellenprozenten bis zum Ende der Amtsdauer.

Fünf Porträts herausragender Frauen:

Barbara Gysi, Nationalrätin

Barbara Gysi (Bild: PD)

Barbara Gysi (Bild: PD)

Die Niederlage von Barbara Gysi im Dezember ist wohl noch manchen präsent: Sie unterlag in der Wahl zur Schweizer Gewerkschaftspräsidentin ihrem Kontrahenten. In Bern ist die Nationalrätin und Vizepräsidentin der SP Schweiz dennoch eine einflussreiche linke Stimme in sozialpolitischen Fragen. Ihren Anfang nahm ihre politische Laufbahn in Wil. 1991 zog die damals 27-jährige Gysi von Zürich in die Stadt im Fürstenland. Sechs Jahre später wurde sie ins Wiler Stadtparlament gewählt. 2001 wurde sie Stadträtin und stand bis 2004 dem damaligen Departement Freizeit und Sport vor. (law)

Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin Wil

Susanne Hartmann (Bild: PD)

Susanne Hartmann (Bild: PD)

Susanne Hartmann war die Erste. Mit ihrer Wahl ins Wiler Stadtpräsidium 2012 schaffte sie als erste Frau den Sprung in dieses Amt – und das, obwohl ihre Partei sie nicht offiziell nominiert hatte. Doch nicht nur die erste Stadtpräsidentin in Wil wurde die damals 42-Jährige dadurch, sondern die erste Stadtpräsidentin im Kanton St. Gallen überhaupt. Die CVP-Politikerin trat in die Fussstapfen ihres Vaters Josef Hartmann, der ebenfalls Wiler Stadtpräsident war. Die Juristin und Lehrerin will politisch aber noch weiter: Derzeit kandidiert Hartmann für den St. Galler Kantonsrat. (law)

Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin Degersheim

Monika Scherrer (Bild: Daniel Ammann)

Monika Scherrer (Bild: Daniel Ammann)

Monika Scherrer setzte sich gegen zwei Männer durch, als sie im Jahr 2012 zur Gemeindepräsidentin von Degersheim gewählt wurde. Die heute 56-Jährige, die für die CVP politisiert, hat sich seither besonders mit einem Thema hervorgetan: Sie befreite Degersheim letztes Jahr aus der finanziellen Abhängigkeit des Kantons. Die Gemeinde war mehrere Jahre verschuldet. Durch eine restriktive Ausgabenpolitik und mehr Steuereinnahmen gelang es Scherrer, die einst eine Verwaltungslehre in der Gemeinde absolvierte, das Budget zu sanieren – und die Steuern zu senken. (law)

Myriam Ruesch, Musikerin

Myriam Ruesch (Bild: PD)

Myriam Ruesch (Bild: PD)

Das Klavier begleitet die Wilerin Myriam Ruesch schon fast ihr ganzes Leben lang. Bereits mit sechs Jahren nahm die heute 50-Jährige ihren ersten Unterricht. Später studierte sie an den Konservatorien Winterthur und Lausanne und erwarb an der Musikfachhochschule Winterthur das Konzertdiplom Kammermusik. Ruesch hat mehrere Musikwettbewerbe gewonnen. 2002 bekam sie den Anerkennungspreis der Stadt Wil. Mit ihrem Trio Artemis war sie schon Gast in Radio und Fernsehen und tourte durch Europa und Asien. Zudem unterrichtet sie an mehreren Musikschulen der Region. (law)

Bettina Zimmermann, Unternehmerin

Bettina Zimmermann (Bild: PD)

Bettina Zimmermann (Bild: PD)

Die Unternehmerin Bettina Zimmermann hat schon mehreren Firmen, Verbänden und Behörden aus der Krise geholfen. Denn das ist ihr Beruf. Die 50-Jährige ist Mitinhaberin und CEO der GU Sicherheit und Partner AG, die Firmen in schwierigen Zeiten berät und ihren Hauptsitz in Wil hat. Je nach Projekt ist sie Chefin von 18 bis 20 Angestellten. Zimmermann, die auch Präsidentin des Business and Professional Women Club Wil ist, einem Berufsnetzwerk für Frauen, setzt sich dafür ein, dass Frauen in der Wirtschaft vorankommen – allerdings ohne eine Frauenquote. (law)

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