Frauen an Tischgesprächen

Seit einem Jahr werden im Auftrag der Gemeinde Uzwil «Femmes Tische» für Migrantinnen durchgeführt. In Gesprächsrunden mit etwa sechs bis acht Frauen kommen verschiedene Themen unter der Leitung einer Moderatorin zur Sprache.

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Moderatorinnen an einem Weiterbildungswochenende zu den Themen «HIV und Schwangerschaft» und «Ernährung und Bewegung». (Bild: zVg)

Moderatorinnen an einem Weiterbildungswochenende zu den Themen «HIV und Schwangerschaft» und «Ernährung und Bewegung». (Bild: zVg)

UZWIL. Im ersten Jahr haben sich in Uzwil über 100 Frauen mit Migrationshintergrund an «Femmes Tischen» beteiligt. «Wir sind überzeugt, mit diesem Angebot einen wichtigen Schritt in der Elternbildung zu machen», sagte Schulratspräsident Werner Dintheer, der für das Programm «Femmes Tische» verantwortlich ist, bei Projektstart im Januar 2012. Die Bilanz nach einem Jahr mit 16 durchgeführten Femmes Tischen fällt positiv aus: «Wir konnten damit über 100 Migrantinnen erreichen und wichtige Themen bearbeiten.»

Frauen blühen auf

Die Kontakte zu den Migrantinnen knüpfte Ellen Glatzl, Projektleiterin bei der Caritas St. Gallen-Appenzell, die das Elternbildungsprogramm in Uzwil umsetzt. «Es gibt ganz viele Migrantinnen, die mit unserer Welt wenig vertraut sind. Wir wollen diese Frauen stärken und ermutigen, sich an unserem Leben zu beteiligen», sagt sie und erzählt eine Geschichte. Sie habe eine albanische Frau kennengelernt, die seit 25 Jahren in der Schweiz wohne, aber noch nie im Zug von Uzwil nach St. Gallen gefahren sei. Diese Migrantin habe nun an drei «Femmes-Tischen» teilgenommen. «Sie ist richtig aufgeblüht», freut sich Ellen Glatzl. Das sei sehr oft der Fall, wenn sich Migrantinnen etwas Neues getrauten.

Gastgeberin lädt Frauen ein

Wie aber funktioniert ein «Femmes-Tisch»? Eine Gastgeberin lädt sechs bis acht Frauen aus ihrer Kommune zu sich nach Hause ein. Eine Moderatorin leitet die Gesprächsrunde zu verschiedenen Themen in der Muttersprache der Gruppe. «Damit sich keine Sprachbarrieren auftun», begründet Ellen Glatzl. Die Moderatorin spreche aber gut Deutsch. An den 16 «Femmes-Tischen» in Uzwil wurden die Themen «Geld und Erziehung» von Caritas Schweiz, «Bewegung ist Leben» vom Bundesamt für Sport, «Gesund sein – gesund bleiben» des Zepra behandelt. In Uzwil sind zwei albanisch, eine bosnisch, eine serbisch und eine albanisch und serbisch sprechende Moderatorin im Einsatz. Es wird noch eine türkische Moderatorin gesucht. (Interessierte melden sich direkt bei Ellen Glatzl, Telefon 071 577 50 10.) Die Migrantinnen, welche die Rolle der Moderatorinnen übernehmen, erhalten Schulungen.

Weitere Tische geplant

Sie werden in die Methodik und in die Regeln der «Femmes Tische» eingeführt und lernen, wie Gesprächsrunden moderiert werden. «Für einige ist dies ein sehr mutiger Schritt», weiss Ellen Glatzl.

Die Gemeinde Uzwil und die Caritas St. Gallen-Appenzell haben eine Vereinbarung für drei Jahre. 2013 und 2014 sind je 20 «Femmes Tische» geplant. Die bereits behandelten Themen werden vertieft und neue wie beispielsweise «Brustkrebsfrüherkennung» kommen dazu. (pd)