Frankenstärke hinterlässt Spuren

Die Arbeitgebervereinigung Region Wil (AGV) blickt trotz der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses positiv in die Zukunft. Regierungsrat Benedikt Würth sieht die Lösung der Verkehrsprobleme als grosse Herausforderung.

Hans Suter
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Larag-Chef Bruno Jäger (links) übernimmt das AGV-Präsidium von Stihl–Chef Joachim Zappe. (Bilder: Hans Suter)

Larag-Chef Bruno Jäger (links) übernimmt das AGV-Präsidium von Stihl–Chef Joachim Zappe. (Bilder: Hans Suter)

WIL. Es war bezeichnend, dass das Referat des St. Galler Volkswirtschaftsdirektors Benedikt Würth zum Thema «Perspektiven und Herausforderungen für den Wirtschaftsraum Wil» mit zehn Minuten Verspätung begann. Grund: Er blieb im Verkehr stecken. Die Lösung der Verkehrsprobleme in der Region Wil sieht er denn auch als eine der grössten Herausforderungen. «Das ist ein dornenvolles Dossier, deshalb sollte der grosse Wurf gewagt werden», sagte er.

Mehr als nur Durchschnitt

In seinem Referat bezeichnete Würth die Region Wil in mehrfacher Hinsicht als wirtschaftlich gut aufgestellt. Im regionalen Vergleich sei Wil top, während das Toggenburg umgekehrt und in mehrfacher Hinsicht Anlass zur Sorge gebe. Beim Export liege die Region Wil im Kanton St. Gallen hinter dem Rheintal auf dem zweiten Rang. Gute Werte erziele die Region aber auch bei der Bevölkerungsentwicklung, den Bauinvestitionen, der Wanderungsbilanz und bei der tiefen Arbeitslosenquote.

Von einer Rezession aufgrund des SNB-Entscheids vom 15. Januar sei der Kanton St. Gallen deutlich entfernt, wenngleich eine Abkühlung zu erwarten sei. Mehr Sorgen bereite jedoch, dass wegen des starken Frankens vermehrt Investitionsentscheidungen gegen den Standort Schweiz gefällt würden, sagte Würth.

Wettbewerbsfähigkeit erhalten

«Viele haben sich auf den Mindestkurs verlassen. Im nachhinein betrachtet war das wohl ein Fehlschluss», räumte AGV-Präsident Joachim Zappe ein. Der Schock sitze heute weniger tief, doch werde der starke Franken seine Spuren hinterlassen. Deshalb sei es wichtig, dass die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit ins Zentrum gerückt werde. Als Möglichkeiten sieht er insbesondere Innovation, Automatisierung und Produktivitätssteigerungen.

Jäger löst Zappe ab

Im Rahmen des üblichen Zweijahresturnus legte Joachim Zappe sein Amt als Präsident nieder. Zu seinem Nachfolger wählte die Versammlung im Hof zu Wil den Wiler Unternehmer Bruno Jäger, unter anderem Geschäftsführer von Liga und Larag. Wie die beiden bekannt- gaben, lehnt der Vorstand des AGV die am 14. Juni zur Abstimmung gelangende Erbschaftssteuer-Initiative mit aller Deutlichkeit ab (siehe Box).

Fast 8000 Arbeitsplätze

Der AGV ist ein Zusammenschluss von Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen der Region Wil. Er engagiert sich für die Erhaltung bestehender und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Verein zählt 92 Mitglieder mit gegen 8000 Arbeitsplätzen. Neu eingetreten sind die iNet Global AG, Clientis Bank Toggenburg und Dfmedia AG, ausgetreten sind Wil Tourismus, Steeltec AG und Publicitas.

Regierungsrat Würth: «Wil hat Grund zur Zuversicht.»

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