Fotografierte Lebensgeschichten

Paul Joos aus Wil hat in einer Langzeitreportage Menschen im Bündner Bergdorf Valendas mit der Kamera begleitet. Nun präsentiert er seine feinfühligen Schwarz-Weiss-Fotografien im Alterszentrum Sonnenhof.

Maya Heizmann
Drucken
Teilen

Philipp Wieland, ehemaliger Landwirt, Jäger und Briefträger, sitzt majestätisch wie auf einem Thron im bequemen Sessel vor seinem Haus. Er ist am Radiohören. Als «König von Brün» bezeichnet ihn Fotograf Paul Joos in seinem Bild.

Wertvolles Zeitdokument

Insgesamt wohnen rund 300 Menschen in der Gemeinde. Die fünf Fraktionen befinden sich in der Höhe zwischen 800 und 1500 Meter über Meer. Für die Verwirklichung seines Fotoprojekts musste Paul Joos erst das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen. Mit Gesprächen hat er sich respektvoll an die Personen herangetastet. Dank seiner zurückhaltenden und freundlichen Art hat er jedoch schnell gute Verbindungen zu den Menschen in Valendas knüpfen können. Mit viel Geduld hat er während zweier Jahre ein wertvolles Zeitdokument geschaffen. Darüber ist er sehr glücklich. Heute kennen ihn alle Dörfler und begrüssen ihn freundlich: «Paul, der Fotograf ist wieder da.»

Der Mensch im Mittelpunkt

Paul Joos stellt in seinen Fotografien die Menschen und ihr Leben in den Mittelpunkt. So hat er viele Stunden und Tage im Bergdorf verbracht, konnte ohne Zeitdruck die Personen porträtieren, wie Nina Wieland, Mutter von neun Kindern, die gerne «Plätzlidecken» näht, oder die Lehrerin mit ihrer munteren Kindergartenschar, die Leiterin des kreativen Seniorenturnens, die Pferdezüchter mit ihren Vollblutarabern, die Köchin des Mittagstisches für Schüler aus dem Safiental bis zum Wirt, dem Goldschmied, dem Bauern und vielen mehr. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und mit den ausführlichen Bildlegenden erfährt der Betrachter noch mehr über die einzelnen Personen.

Gut besuchte Vernissage

An der Vernissage vom vergangenen Freitag waren die über hundert Besucher fasziniert von der überraschenden Vielfalt des Lebens im Bergdorf. Die Schwarz-Weiss-Aufnahmen werden durch das Weglassen der Farbe in ihrer Aussagekraft zusätzlich verstärkt. «Die Ausstellung bildet einen schönen Auftakt zum 25-Jahr-Jubiläum des Alterszentrums», freute sich Heimleiter Alois Rosenast. Das fotografische Zeitdokument gebe gute Einblicke in den schönsten «Flecken» im Bündnerland, erklärte Benedikt Bühler, Gemeindepräsident von Valendas. «Die Arbeit im Bergdorf hat mir sehr viel Freude gemacht», sagte der Fotograf. Es haben sich Freundschaften gebildet, und er fühlt sich mit den Menschen in dieser Bergregion verbunden. «Ich werde mit den Leuten weiterhin in Kontakt bleiben.»

Die Ausstellung «Valendas – Menschen im Bergdorf» mit Schwarz-Weiss-Fotografien von Paul Joos dauert bis zum 1. Mai. Öffnungszeiten: täglich von 9–11 Uhr sowie 14–17 Uhr.

Aktuelle Nachrichten