Forensik
Pflegende sind keine Sicherheitskräfte: Warum die Forensikstation Wil fünf Millionen Franken teuer wird

20,4 statt 12,9 Millionen oder 14,15 statt 9,1 Millionen Franken zulasten des Kantons. Mehrkosten im Bereich der Sicherheit verteuern den geplanten Neubau der forensisch-psychiatrischen Klinikstation auf dem Areal der Psychiatrischen Klinik in Wil. Nach Kantonsrat entscheidet in der Herbstsession über den Nachtragskredit.

Andrea Häusler
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Der Neubau kommt auf ein 4600 Quadratmeter grosses Grundstück der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wil zu stehen.

Der Neubau kommt auf ein 4600 Quadratmeter grosses Grundstück der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wil zu stehen.

Bild: Hans Suter

Der Kanton beabsichtigt, auf dem Areal der Psychiatrischen Klinik Wil eine geschlossene, forensische Station für 16 psychisch kranke Personen in Haft oder im Massnahmenvollzug zu bauen. Dafür hatte der Kantonsrat im Juni 2018 12,9 Millionen Franken bewilligt. Der Kreditbedarf für den Kanton belief sich, nach Abzug der Bundesbeiträge, auf 9,1 Millionen Franken.

Dass dieser Betrag nicht reichen würde, zeichnete sich bereits bei der Ausarbeitung des Wettbewerbsprogramms im Jahr 2019 ab. Die nötigen Anpassungen des Betriebskonzepts im Sicherheitsbereich und die daraus resultierenden Mehrkosten sollten mit der Konkretisierung des Siegerprojekts des Zürcher Architekturbüro Schmid Ziörjen eruiert werden. Damals ging man von einem tiefen einstelligen Millionenbetrag aus. Jetzt ist klar, mit welchen Mehrinvestitionen zu rechnen ist: 5,05 Millionen Franken.

Neu belaufen sich die Kosten für das Bauvorhaben auf brutto 20,4 Millionen Franken. Nach Abzug eines Bundesbeitrags von 6,25 Millionen resultiert für den Kanton ein Kreditbedarf von 14,15 Millionen Franken.

Räume für Sicherheitspersonal

Hauptgrund für die Mehrkosten von über einem Drittel des bewilligten Investitionsvolumens ist der nachträglich festgestellte grössere Raumbedarf. Kantonsbaumeister Michael Fischer sagt:

«Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass die Sicherheit durch das Pflegepersonal gewährleistet werden kann. Dem ist aber nicht so.»

Externes Sicherheitspersonal brauche Platz, der nun zusätzlich zum Raumangebot des Wettbewerbsprojekts integriert werden müsse. Fischer spricht von einer Erweiterung der bisherigen Nutzfläche von 1300 Quadratmetern um rund 250 Quadratmeter.

Längere Nutzungsdauer dank Massivbau

Die Mehrinvestition, über die der Kantonsrat in der Septembersession entscheidet, wirkt sich auch auf die Nutzungsdauer des Objekts aus. Statt 20 Jahre soll diese nun 55 Jahre betragen. Es habe sich gezeigt, sagt Michael Fischer, dass die anfänglich vorgesehene Moldularbauweise nicht sinnvoll ist. Alternativ habe man sich für einen (teilweise in Holz erstellten) Massivbau entschieden.

Äusserlich wird sich am Projekt des Architekturbüros Schmid Ziörjen nichts ändern, die Anpassungen erfolgen im Innern.

Äusserlich wird sich am Projekt des Architekturbüros Schmid Ziörjen nichts ändern, die Anpassungen erfolgen im Innern.

Visualisierung: PD

Äusserlich werden sich die Änderungen nicht auf den Neubau auswirken. Die Anpassungen erfolgten innerhalb des Baukörpers.

Die Mehrkosten sind erheblich. Michael Fischer weiss das, relativiert aber: «Es gibt bislang kaum Referenzobjekte für einen solchen Bau im Kanton, es fehlt die Erfahrung.» Entsprechend anspruchsvoll sei die Kostenberechnung gewesen.

Baubeginn im nächsten Jahr

Stimmt der Kantonsrat dem Nachtragskredit zu, ist der Baubeginn 2022 vorgesehen. Ab 2024 sollen dann im zweigeschossigen Neubau 16 Patienten- und drei Intensivbetten sowie Aufenthalts-, Therapie- und Beschäftigungsräume für inhaftierte psychisch kranke Personen zur Verfügung stehen. Solche Plätze gibt es im Kanton St. Gallen bisher nicht. Betroffene müssen ausserkantonal oder, entgegen den fachlichen Anforderungen, in Gefängnissen untergebracht werden.