Folk – zurück zum Ursprung

Obschon man ihn beim Hören sofort erkennt, ist er dennoch nicht allzu populär in der Schweiz: Der Irish Folk. Einer, der sich allerdings viel damit beschäftigt, ist Simon Christ aus Uzwil.

Carmen Ferri
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Simon Christ spielt auf seiner Bodhrán. (Bild: cf.)

Simon Christ spielt auf seiner Bodhrán. (Bild: cf.)

uzwil. Simon Christ ist 21 Jahre alt und besucht die letzte Klasse der Fachmittelschule (FMS) in St. Gallen. Den grössten Teil seiner Freizeit widmet er der Musik: Er gibt Musikunterricht, spielt in der Metallband blood runs deep und beherrscht mehrere Instrumente. Dabei spielt er nicht nur Schlagzeug und Gitarre, er beherrscht auch solche Instrumente, welche in der Schweiz nicht oder nur wenig bekannt sind: Die sogenannte Tin Whistle und die Bodhrán. Doch zurück zum Anfang.

Erste Versuche scheitern

Wie viele Kinder lernt Simon Christ zuerst Blockflöte. Doch damals hielt sich seine Begeisterung für Musik eher in Grenzen. «Meine Eltern mussten mich praktisch dazu <zwingen>, ein Instrument zu erlernen», lacht Christ.

Nachdem seine ersten Versuche an der Blockflöte scheiterten, versuchte er sich in der dritten Klasse als Saxophonspieler. Da ihm dieses Blasinstrument allerdings auch nicht lag, entschied er sich mit dem Schlagzeugspielen anzufangen. «Dieses Mal wusste ich, dass das mein Instrument ist», berichtet Christ. Seine aufgeflammte Leidenschaft teilten allerdings nicht alle, besonders einige Nachbarn störten sich an der Geräuschkulisse, welche durch die Wände drang. «Deswegen musste ich mit dem Schlagzeug schliesslich in den Keller ziehen», schmunzelt Christ. Von seinem Vater bekommt er dann zu seinem 17. oder 18. Geburtstag – genau kann er sich nicht mehr erinnern – eine selbstgebaute Gitarre.

Begegnung mit dem Irish Folk

In der Kantonsschule kommt er erstmals in Berührung mit dem Irish Folk. «Ein Kollege von mir war ein grosser Fan dieser Musik. Als er dann eines Tages seine Tin Whistle aus der Tasche zog und mir darauf vorspielte, war ich hin und weg und dachte mir: <Das will ich auch können!>»

Und so bringt sich der Uzwiler mit Hilfe seines Kollegen und der von Büchern die ersten Handgriffe auf der Tin Whistle bei, eine Metallflöte, welche vielfach im Irish Folk eingesetzt wird.

Aufenthalt in Irland

Im vergangenen Sommer reist Simon Chris für drei Wochen nach Irland. «Da ich im Rahmen meiner Ausbildung an der FMS einen zweiwöchigen Sprachaufenthalt in Irland absolvieren musste, entschied ich mich, gleich noch eine Woche anzuhängen, um auch das Leben ausserhalb Dublins kennenzulernen», so Christ. Dort lernt er bekannte irische Musiker kennen, welche ihm wertvolle Ratschläge für das Spielen auf der Tin Whistle geben. «Natürlich hat es mich gekränkt, als die gemeint haben, dass ich noch nicht das <Feeling> hätte, aber so war ich nur noch motivierter, mich anzustrengen», erzählt Christ.

Eigene CD aufgenommen

Zurück in der Schweiz fesselt ihn die irische Musik mehr denn je und er beschliesst gemeinsam mit Freunden im Rahmen seiner FMS-Arbeit eine CD mit drei irischen Stücken aufzunehmen. «Ich muss zugeben, dass ich ziemlich stolz auf unser Werk bin», gesteht Christ, «und finde, dass die CD wirklich gut gelungen ist.»

Nebst der Tin Whistle beginnt der 21-Jährige auch Bodhrán zu spielen, eine seitliche Rahmentrommel, welche ebenfalls im Irish Folk gespielt wird.

«Musik ist, abzuschalten»

Das Spiel auf der Tin Whistle beherrscht er mittlerweile sehr gut, und es gelingt einem fast nicht, die Füsse stillzuhalten, als er eine kleine Kostprobe liefert. Dasselbe Szenario wiederholt sich, als Christ die Bodhrán zur Hand nimmt und gekonnt die hölzernen Schläger über die Trommel fliegen lässt.

Am Irish Folk faszinieren ihn vor allem die ursprünglichen und traditionellen Melodien, die zwar stets die gleichen sind, jedoch beliebig arrangiert und aneinander gereiht werden können. Für ihn bedeutet Musik, abzuschalten «und einfach zu vergessen, was mich gerade stresst.»