Förderpreis für Telefon-Helpline

GANTERSCHWIL. Der Ganterschwiler Biobauer Werner Ammann wurde für seine Verdienste in der Nutztier-Komplementärmedizin mit dem Alis-Förderpreis ausgezeichnet. Die Jury betont die Signalwirkung seines Projekts einer telefonischen Helpline.

Peter Küpfer
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Bioproduzent Werner Ammann, die treibende Kraft im preisgekrönten Projekt «Kometian». (Bild: Peter Küpfer)

Bioproduzent Werner Ammann, die treibende Kraft im preisgekrönten Projekt «Kometian». (Bild: Peter Küpfer)

GANTERSCHWIL. Dem Ganterschwiler Biobauern Werner Ammann wurde kürzlich der Alis-Förderpreis des Vereins der ehemaligen Studierenden der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften Zollikofen (Hafl) zuerkannt. Der Preisträger wurde damit für seine Verdienste im Projekt «Kometian» (Komplementärmedizinisches Tierheilangebot) ausgezeichnet. Ammann hatte dieses vor drei Jahren in Zusammenarbeit mit einem Team ins Leben gerufen. Am Anfang stand die Idee, interessierten Produzenten ein kompetentes Anrufsystem zur Verfügung zu stellen, das den Notfall-Besuch des Tierarztes ersetzen oder verzögern könnte.

Eine Idee bricht sich Bahn

Bio-Suisse-Produzent Werner Ammann interessiert sich schon lange für Komplementärmedizin. Wirksame Alternativen zur Antibiotika-Abgabe, die mit Wartefristen bei der Milch- und Fleischvermarktung verknüpft ist, kommen bei Produzenten und Konsumenten gut an. Sein Interesse an der Komplementärmedizin, auch im Veterinärbereich, stieg mit jedem Erfolgserlebnis. Selbststudium, Kurse und Weiterbildungen erweiterten sein Wissen. So liess ihn die Idee einer Helpline für Nutztierhalter, die rund um die Uhr besetzt ist, nicht mehr los. Über sein inzwischen grosses Kontaktnetz, aber auch durch gezielte Aufrufe, gelang es ihm zusammen mit Andreas Schmidt, Tierarzt in Sirnach, kompetente Beraterinnen und Berater für das Projekt zu gewinnen. Auch bei den Produzenten schlug die Idee ein. Viele waren bereit, für eine Anmeldung als Nutzer auch einen bescheidenen Erstbeitrag zu bezahlen und dann noch einmal für die Inanspruchnahme des Telefons. Die Idee «Helpline Komplementärmedizin» nahm Form an.

Erfolgsquote rund 55 Prozent

Seit nunmehr über zwei Jahren steht der telefonische Beratungsdienst «Kometian». Er wird durch den andauernden Einsatz von einem guten Dutzend ausgebildeter Tierärztinnen und Tierärzten mit Zusatzausbildung in Komplementärmedizin (Homöopathie) und diplomierten Tierheilpraktikerinnen und -praktikern gewährleistet. Aktuell stehen nach Auskunft von Werner Amman fünf Tierärzte und neun Tierheilpraktiker am anderen Ende der Leitung für Auskünfte bereit. Zwei von ihnen übernehmen immer für eine Woche den Dienst, wobei sie ihre Einsatzzeiten unter sich aufteilen. Die Hotline steht sonntags und werktags rund um die Uhr zur Verfügung und ist immer personell besetzt. Inzwischen nehmen an die 200 Produzenten aus 16 Kantonen der Schweiz die Hotline in Anspruch. Davon machen den Hauptanteil Milchviehhalter, Mutterkuhhalter, Schweinezüchter aus, aber auch Mäster, Schaf-, Ziegen- und Pferdehalter sind beteiligt. Die Interessenten stammen zu ca. 60 Prozent aus Biobetrieben, zu 40 Prozent aus ÖLN-Betrieben. Die Beratenden dokumentieren jeden Fall nach einem vorgegebenen Raster, die Daten werden zentral gespeichert und stehen somit für fachliche Auswertungen zur Verfügung Die Erfolgsquote liege, nach nun zwei Jahren, bei 55 Prozent (Heilung oder mindestens Besserung), sagt Ammann. Vergleichszahlen stünden nicht zur Verfügung, da traditionell arbeitende Tierärzte in der Regel keine Erfolgsstatistik führten.

«Gewaltige Arbeit»

Die Jury, die den diesjährigen Preis verlieh, betonte die Signalwirkung des Projekts «Kometian». Die Idee sei innovativ, so die Jury, und treffe eine Marktlücke. Dies zeige der Sachverhalt, dass sich die Anzahl der angeschlossenen Betriebe innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt habe. 400 Fallüberprüfungen hätten gezeigt, dass die Kundenzufriedenheit in 97 Prozent der Fälle gut bis sehr gut war. Positiv wertete die Jury auch den Umstand, dass «Kometian» eine seriöse Qualitätssicherung betreibe. Zu jedem Fall gebe es eine Dokumentation. Die Jury anerkannte «die gewaltige Arbeit, die das Projektteam geleistet hat». Sie beendet ihre Würdigung mit dem Wunsch, dass sich bald noch mehr Betriebe dem Projekt anschliessen und «die Diskussion über den Einsatz von alternativen Methoden in der Nutztierhaltung gefördert wird».

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