Förderer wechselt den Standort

Rolf Alther engagiert sich wie kein Zweiter für die Beziehungen zwischen der Schweiz und Albanien. Doch vor allem von den wirtschaftlichen Bemühungen erhofft er sich noch mehr Erfolg. Deshalb wandert der Münchwiler nun aus.

Silvan Meile
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Sofije Simoni und Rolf Alther betrachten zu Hause in Münchwilen das Buch «Albaner in der Schweiz». (Bild: Silvan Meile)

Sofije Simoni und Rolf Alther betrachten zu Hause in Münchwilen das Buch «Albaner in der Schweiz». (Bild: Silvan Meile)

MÜNCHWILEN. Auf Rolf Althers Salontisch liegt ein Buch, in dem er selber vorkommt. Persönlichkeiten, die sich für Land und Leute Albaniens verdient gemacht haben, sind in diesem porträtiert. Auch der Münchwiler ist in Text und Bild vorgestellt, mitten unter albanischen Auswanderern. Er wird in dieser umfangreichen Publikation für sein Engagement als Standortförderer in einem Land geehrt, das er vor zehn Jahren noch kaum kannte.

Doch heute macht sich Alther als Bindeglied zwischen schweizerischen und albanischen Anliegen und Wünschen stark – auf wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Ebene. Vor sechs Jahren gründete er dafür die Gesellschaft Schweiz-Albanien. Der Ostschweizer setzt sich aktiv für Beziehungen zwischen den beiden Ländern ein. Dadurch ist er ein häufiger Gast an der Adria. Elfmal flog Alther im vergangenen Jahr nach Albanien und knüpfte dort Kontakte oder pflegte solche.

Brachliegendes Potenzial

Der 71jährige Rolf Alther ist nach seiner Pensionierung ein Unternehmer geblieben. Als Alther 2007 eher zufällig nach Albanien reiste, sollte dieses Land ihn fesseln. Er sah eine unverbaute Küste und schöne Berge. Und er traf auf offene und freundliche Menschen. Der Unternehmer aus der Schweiz entdeckte gleichzeitig auch brachliegendes Wirtschaftspotenzial, das auf Investoren zu warten scheint.

Zurück in der Schweiz gründete Rolf Alther die Gesellschaft Schweiz-Albanien, um dieses Potenzial auszunützen. Im Büro seiner Münchwiler Wohnung stehen mittlerweile Dutzende von Ordnern voller Unterlagen über Albanien. Heute kennen ihn die Albaner in der Schweiz, bis zum Botschafter.

Doch mit der Idee der Gesellschaft Schweiz-Albanien läuft es auf der geschäftlichen Ebene nicht reibungslos. Die albanische Wirtschaft konnte Alther von der Schweiz aus noch nicht entscheidend ankurbeln. Er fand bisher noch keine Investoren für Projekte im kleinen Land an der Adria. Alther spricht einige Probleme direkt an: unklare Besitzverhältnisse aufgrund fehlender Grundbücher, veraltete Infrastrukturen, unerschlossener Tourismus, unproduktive Landwirtschaft, Mentalitätsunterschiede im Land mit der jahrzehntelangen kommunistischen Vergangenheit, Korruption und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Italien, wo die Hälfte aller Exporte hingeht.

Der Pensionär gibt aber nicht auf. «Albanien ist wirtschaftlich trotzdem hochinteressant», sagt er. Und er sieht auch Licht am Horizont. «Der Ruf Albaniens hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert», freut er sich. Dies sieht er auch als ein Verdienst seiner Bemühungen. «Es kommt nun langsam in die Gänge», sagt er zuversichtlich. Wenn er heute in der Schweiz mit Geschäftsleuten über mögliche Investitionen in Albanien spreche, höre man ihm freundlich zu und zeige Interesse. «Früher hiess es: Sind Sie verrückt?», erzählt der Pensionär.

Ein konsequenter Schritt

Noch immer zeige sich aber ein deutlicher Mentalitätsunterschied. Schweizer Investoren verlangen Rechtssicherheit und wollen fertige Businesspläne sehen, bevor sie ins Geschäft kommen. «In Albanien geht alles etwas länger», erklärt Alther. Nur schon etwa das Anfordern einer Offerte verlange mehrmaliges Nachfragen. Doch Alther glaubt weiterhin an die Idee, das wirtschaftliche Potenzial des Landes besser zu erschliessen.

Um seine Bemühungen entscheidend voranzutreiben, geht Rolf Alther nun einen konsequenten Schritt und verlegt seinen Wohnsitz von Münchwilen nach Albanien. «Das ist nötig», sagt er. Sonst würden die Bemühungen nicht weiter vorankommen. Die aufgebauten Beziehungen verlangen noch intensivere Pflege. Deshalb wohnt er ab August in Albanien, an der Adriaküste, behält aber seine Wohnung in Münchwilen.

Alther wird von seiner frisch angetrauten Frau begleitet, einer Schweizerin mit kosovarischen Wurzeln. Durch sein Engagement und seine Begeisterung für Albanien lernte Alther sie am Unabhängigkeitstag des Kosovos in Wil kennen. Heute ist sie seine Ehefrau und Dolmetscherin. Auch wenn die grossen wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen noch ausbleiben, so hat Rolf Alther durch die Begeisterung für Albanien viel Respekt verdient und dabei sogar auch seine Liebe gefunden.

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