Flötenbauer aus Leidenschaft

GÄHWIL. Seit er 15 Jahre alt ist, spielt Thomas Fehr Querflöte. Nach dem Musikstudium machte er seine Leidenschaft zum Beruf und wurde Flötenbauer. In seiner Werkstatt in Gähwil baut er jedes einzelne Element der Holzflöten selbst.

Vivien Steiger
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Thomas Fehr prüft, ob die Flöte richtig tönt. Sonst werden die Löcher erneut verändert.

Thomas Fehr prüft, ob die Flöte richtig tönt. Sonst werden die Löcher erneut verändert.

Thomas Fehr baut Flöten. Jegliche Arten von Flöten; Blockflöten, Querflöten, Panflöten. Kleine, grosse, braune, schwarze, hell klingende und tief tönende. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind aus Holz. Hauptsächlich verwendet er Olive, Kirsche, Zwetschge, Palisander, Buchsbaum, Grenadill und Ebenholz. Das teuerste Holz, mit dem Thomas Fehr arbeitet, ist Amboina. Die verschiedenen Hölzer haben unterschiedliche Brauntöne; von ganz hell über rötlich-braun bis schwarz. Die Farben können sich verändern: «Der Buchsbaum hat ein helles Braun, das sich mit der Zeit verfärbt und dunkler wird», sagt der Flötenbauer. «Früher wurden die Flöten manchmal auch eingefärbt, um ein anderes, teureres Holz zu imitieren.»

Zwischen Plastik- und Holzflöten besteht, laut Thoms Fehr, ein klanglicher Unterschied. Auch zwischen den einzelnen Hölzern ist dies feststellbar. «Manche Personen wählen Plastik, weil er pflegeleichter und unempfindlicher ist. Mit Holz muss man sorgfältiger umgehen.» Trotzdem ist er überzeugt: «Holzflöten tönen besser.» Der 63-Jährige arbeitet in seiner Werkstatt in Gähwil. Er sei «erblich vorbelastet», denn sein Vater sei bis zu seinem frühen Tod ebenfalls Flötenbauer gewesen. Dessen Werkstatt befinde sich aber nicht mehr in Familienbesitz. Sprich, die zwei Werkstätten sind nicht identisch.

Den Beruf hat Thomas Fehr autodidaktisch gelernt: In Büchern suchte er die Informationen zusammen und setzte sie praktisch um. «Ich habe mir den Flötenbau selber erarbeitet. Ich bin heute noch am Lernen, habe nie ausgelernt», sagt er. Zuerst hat er damit begonnen, Holzkopfstücke für Querflöten zu bauen. So lernte er weiter und stellte seine erste fertige Flöte her. «Diese Flöte habe ich heute noch.»

Durch seine Leidenschaft – das Flötenspielen – ist er auf den Beruf gekommen und würde ihn heute wieder wählen. «Ich habe damals einfach gemacht, was ich wollte und woran ich Spass hatte.» Vom Flötenbau alleine kann Thomas Fehr nur knapp leben. Deshalb unterrichtet er nebenbei Tango, Flöte und Alexander-Technik. «Wir geraten in ein a-musisches Zeitalter», erklärt er. «Dies bekommt das ganze Musikgebiet zu spüren.»

Geduld und Intuition

Für den Beruf «Flötenbauer» braucht man viel Geduld und Intuition. «Man sollte ein guter Musiker sein und fein arbeiten können», sagt Fehr. Ausserdem müsse man selbst beurteilen können, ob eine Flöte gut ist oder nicht und wann sie fertig ist. Konzentriertes Arbeiten gehört ebenfalls dazu. «Ich habe schon viele Kopfstücke wegwerfen müssen, weil ich unkonzentriert bei der Arbeit war.» Äussere Einflüsse sind dabei entscheidend: «Das Kunsthandwerk hat immer damit zu tun, wie es der kunstschaffenden Person gerade geht.» Das heisst, die Qualität der einzelnen Flöten ist unterschiedlich, wenn Thomas Fehr beispielsweise zu viel oder zu wenig Kaffee getrunken, nichts gegessen oder gerade Flöte gespielt hat.

Das präzise Arbeiten ist die Kunst an der Geschichte des Flötenbaus, erklärt Thomas Fehr. Schwierig sei, die Löcher so zu behandeln, dass die Flöte danach richtig tönt. Für das Intonieren – die acht kleinen Löcher – braucht der Flötenbauer rund zwei bis drei Stunden. Zuerst werden sie maschinell herausgefräst und dann von Hand geschliffen und poliert. Diese Arbeit ist, laut Fehr, ein «Pröbeln», ein «immer und immer wieder Ändern». «Das <Spielbereit-Machen> des Instrumentes ist die grösste Kunst am ganzen Flötenbau», sagt er.

Thomas Fehr arbeitet in seiner Werkstatt mit einer automatischen Drehbank, damit die Arbeit auch genau wird. Aber jedes einzelne Element der Flöte wird von Hand gemacht. Dies ist keine Fliessbandarbeit. «Das Kunsthandwerk ist maschinell nicht möglich», erklärt er. Etwa sechs Stunden benötigt der Flötenbauer, um eine Flöte fertigzustellen. «Eine Flöte hat viele Bestandteile, die man nicht sieht, die aber sehr viel Arbeit geben.»

Jede Flöte ein Unikat

Thomas Fehr baut von der Piccolo bis zur Bassflöte alles. Flöten in verschiedenen Längen und Stimmtönen. «Je länger die Flöte, desto tiefer der Ton», erklärt er. Jede seiner Flöten ist einzigartig, keine ist gleich wie eine andere.

Der Zeitraum, in der eine fertige Flöte entsteht, kann – je nach Holz – mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern. Dies, weil das Holz in jedem Stadium getrocknet werden muss, da sich die Form während des Trocknens immer wieder verändert. Das heisst, nachdem der Holzstamm abgesägt, in Bretter und danach in Kanteln geschnitten worden ist, werden die noch eckigen Holzteile zwischengelagert und getrocknet. Danach werden sie gedreht, damit sie innen und aussen rund werden. So entstehen Rohlinge beziehungsweise Rundlinge.

Der Flötenbauer aus Gähwil verkauft seine Flöten weltweit. Er hat Kunden unter anderem aus aus Deutschland, Österreich, Italien, China und Japan, nicht aber in Gähwil. «Hier hat noch niemand bei mir eine Flöte gekauft», sagt er schmunzelnd. «Meine Instrumente sind und bleiben halt ein Nischenprodukt.»

Vom Baumstamm bis zur fertigen Flöte können Monate bis zu einem Jahr vergehen.

Vom Baumstamm bis zur fertigen Flöte können Monate bis zu einem Jahr vergehen.

Der Flötenbauer stellt Flöten in unterschiedlichsten Farben und Längen her.

Der Flötenbauer stellt Flöten in unterschiedlichsten Farben und Längen her.

Jedes einzelne Element der Flöten wird von Hand gemacht. (Bilder: vs)

Jedes einzelne Element der Flöten wird von Hand gemacht. (Bilder: vs)