Fliegende Stämme, schwebende Äste: Uzwiler Unternehmerfamilie Bühler lässt Bäume für 60'000 Franken fällen

Der Waldpark der Familie Bühler im Sonnenhügel gilt als wertvolle grüne Lunge und qualitativer Lebensraum für Wildpflanzen und Tiere. Zur Verjüngung des Bestandes wurden am Dienstag 120 Bäume geschlagen und mit dem Helikopter abtransportiert.

Andrea Häusler
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Die Spezialisten der Rotex Helicopter AG schätzen das Gewicht der zu transportierenden Stämme: Zwei Tonnen dürfen sie wiegen, mehr nicht. (Bild: Andrea Häusler)

Die Spezialisten der Rotex Helicopter AG schätzen das Gewicht der zu transportierenden Stämme: Zwei Tonnen dürfen sie wiegen, mehr nicht. (Bild: Andrea Häusler)

Der Helikopter Kaman, Typ K-Max, mit Doppelrotor der Rotex Helicopter AG, schwebt – von einigen Tankstopps abgesehen – unentwegt über dem Waldpark in Uzwils Dorfzentrum. Präzise und in ständigem Funkkontakt mit dem «Bodenpersonal» dirigiert der Pilot das Stahlseil mit dem Haken zu den vier unter den Bäumen oder an den Stämmen wartenden Holzfällerteams. Sobald der Haken mit dem Seil am Baum vertäut ist, wird der Stamm mit der Motorsäge durchtrennt. Das Seil strafft sich, der Helikopter senkt die Nase, hebt den Baum an und fliegt ihn zum Sammelplatz, wo die Stämme mit einem Holzkran für die Weiterverarbeitung gestapelt werden.

Unwesentlich teurer als ein Holzschlag mit Kran

Der Holzschlag, ein Pflegeschlag, der mehr Licht auf den Waldboden bringen und eine Verjüngung des Parks bringen soll, wirkt spektakulär. Bereits am Vormittag hatten sich immer wieder Interessierte eingefunden, um das Schauspiel von der Strasse aus zu verfolgen oder filmisch auf dem Handy festzuhalten. Für Revierförster Bruno Cozzio, der die von der Rotex Helicopter AG in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Uzwil sowie dem Oberuzwiler Forstunternehmer Hans Osterwalder ausgeführten Arbeiten koordiniert hatte, ist der Holzschlag aus der Luft eine Premiere. Abklärungen hätten ergeben, dass das Fällen der rund 120 Bäume mit einem Kran unwesentlich günstiger gewesen wäre, sagt er. Ausserdem sei der Holzschlag mit dem Helicopter schonender, die Aufräumarbeiten rascher erledigt. Kostspielig ist das Ganze dennoch. Obwohl der K-Max mit 300 Litern Kerosin pro Stunde auskommt und – dank einer Nutzlast von 2722 Kilogramm (bei einem Eigengewicht von 2,3 Tonnen) – effizient ist.

Zwischen 50'000 und 60'000 Franken dürfte die «sanfte Verjüngungskur» des Waldes die Eigentümerschaft kosten

Das geschlagene Holz wird verkauft: je nach Qualität als Energieholz (Schnitzel) oder als Bauholz. Einige wenige Laubholzstämme würden, laut Cozzio, für den Möbelbau zurückgelegt.

Gabriel Richner, Projektleiter Nordostschweiz der Rotex Helicopter AG, und Revierförster Bruno Cozzio (rechts). (Bild: Andrea Häusler)

Gabriel Richner, Projektleiter Nordostschweiz der Rotex Helicopter AG, und Revierförster Bruno Cozzio (rechts). (Bild: Andrea Häusler)

Borkenkäfer forderte weitere Bäume

Ursprünglich waren auf dem Grundstück 111 Bäume zur Fällung bestimmt worden. Dass es mehr geworden sind, ist dem Borkenkäfer geschuldet. Bereits im August habe man seinetwegen zehn Bäume entfernt. Gestern wurden acht weitere vom Käfer befallene Bäume eliminiert. Der Wald verträgt die Auslichtung problemlos. Nach wie vor stünden hier mehrere tausend kleinere und einige hundert grosse Bäume, betont Cozzio.