Flawilerin unterstützt Lakota

Die Flawilerin Saphira Iroegbu-Cecchel hat im Pine Ridge Indianerreservat in South Dakota, USA, ein Gemüsegartenprojekt ins Leben gerufen. Nun stehen neue Projekte an, die Touristen ins Land der Sioux bringen sollen.

Melanie Graf
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Flawil/USA. Das Leben im Pine Ridge Reservat ist verheerend. Der Alltag wird bestimmt durch Armut, Alkohol und Drogen. 85 Prozent der im Reservat lebenden Lakotas sind arbeitslos, es fehlt ihnen an Perspektiven und Geld. Viele Häuser sind nicht erschlossen, Strom und fliessendes Wasser haben die wenigsten.

Hilfsprojekt begonnen

Saphira Iroegbu-Cecchel war vor vier Jahren als Touristin im Indianerland, seither reist sie jährlich ins Reservat, an den Hauptort Pine Ridge, zur Familie Yellowbull und zu Naomi Lasthorse, einer alleinerziehenden Mutter.

Sie rief das Hilfsprojekt «Keya» ins Leben und arbeitet seit Kurzem mit «Tokahe», einem schweizerischen Verein von Freunden der nordamerikanischen Ureinwohner, zusammen. Vor zwei Jahren verwirklichte sie auf dem Grundstück der zwölfköpfigen Familie Yellowbull ein Gartenprojekt, mit dem Ziel, einer ganzen Gemeinschaft Arbeit und das geerntete Gemüse verteilen zu können. Doch dieses Ziel machten in diesem Sommer Schwärme von Heuschrecken zunichte. Saphira Iroegbu-Cecchel bedauert dies, aber aufgeben komme für sie nicht in Frage.

«Wir müssen halt wieder von vorne beginnen.»

Bed & Breakfast

Der Sommer ist vorbei, die Neuaussaat im Garten kann bis zum nächsten Frühling warten. Der Winter steht vor der Türe. Andere Jahreszeit, andere Schwierigkeiten. Im Reservat fehlt es an Holz und Gas, und vor allem das Geld dafür. «Der letzte Winter war sehr hart für die Familien. Die Menschen waren zum Teil wochenlang eingeschneit, ohne Heizmaterial oder Lebensmittel.

Ohne Vorwarnungen fegten Blizzarde über Süd Dakota hinweg und die Strassen, auch ausserhalb des Reservats, waren tagelang gesperrt», beschreibt Saphira Iroegbu-Cecchel den Winter bei den Lakotas. Mit dem Verein «Tokahe» zusammen, sammelt die initiative Frau nun Spendengelder, um den Familien Propangas kaufen zu können. Im Reservat gibt es nichts, womit sich eine indianische Familie ihren Lebensunterhalt verdienen könnte.

Um die Haushaltskasse der Familie Yellowbull aufzubessern, verkauft Saphira Iroegbu-Cecchel in der Schweiz indianisches Kunsthandwerk wie beispielsweise perlenbestickte Medizinbeutel, Schlüsselanhänger oder Schmuck. Dieses Kunsthandwerk wird von Naomi Lasthorse und von Familienmitgliedern der Familie Yellowbull gefertigt. «Mit dem Geld will die Familie eines ihrer Häuser für Touristen renovieren. Geplant ist ein Bed & Breakfast-Angebot», sagt sie.

Potenzial und Idee seien da, meint sie und nennt Ausritte zu Pferd, Kurse für Trommelbau, Kunsthandwerk und Übernachtungsabenteuer im Tipi.

Saphira Iroegbu-Cecchel will die Familie beim Aufbau des Tourismusangebots unterstützen und übernehme die Reiseorganisation für die Touristen, welche aus der Schweiz nach Pine Ridge reisen.

Fass ohne Boden

Dass sich die Projekte mit Tropfen auf einen heissen Stein oder einem Fass ohne Boden vergleichen lassen, ist sich Saphira Iroegbu-Cecchel durchaus bewusst. Und es gibt Momente, wo sie einen Punkt oder ein Hindernis erreicht, bei welchem sie nicht mehr weiter kommt. «Da gibt es nur eines», sagt die 30-Jährige, «dann muss man halt andere Wege suchen.» Ans Aufhören denkt sie nicht einmal. Die Indianer würden ja eine Veränderung wollen, sagt Saphira Iroegbu-Cecchel und fügt hinzu: «Darum helfe ich den Lakotas und mache einfach weiter.» www.keya.ch