FLAWILER: Wirri Witz vo de Erika

Zwei Sachen braucht ein Hit zwingend: einen englischen Text und eine verzerrte Gitarre. Dachte die Kofferband früher auch. Nun beweist sie das Gegenteil. Am Samstag hatte die fünfköpfige Comedy-Pop-Rock-Band im Flawiler Gupfenquartier ein Heimspiel.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Brachten mit «Da schiss Navi da» ihr Publikum in Weihnachtsstimmung: die Flawiler Kofferband mit Sängerin Laura Strasser. (Bild: Michael Hug)

Brachten mit «Da schiss Navi da» ihr Publikum in Weihnachtsstimmung: die Flawiler Kofferband mit Sängerin Laura Strasser. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

Witze über Blondinen, Mantas, Jugos, Tamilen – das ist die Stärke von Erika: «Wirri Witz vo de Erika – das isch die, wo jedi Poänte verhaut!» Im Original geht der Songtext natürlich ganz anders. «We’re the kids in America» lautet der Refrain da, gesungen hat es vor langer Zeit (1981) Kim Wilde (blond), und es gereichte ihr zum Weltmillionenhit. Und nun Laura: «Wirri Witz vo de Erika». Eine kreative Verballhornung, die kaum ein Welthit wird. Sie stammt aus der Feder von Tobias Fischer, Flawiler, Schnitzelbänkler und Improvisationsschauspieler, hauptberuflich als Redaktor beim nationalen Radio tätig.

Internationale Hits originell verulken

Diesem «Tobi» Fischer (Multitalent) hat das alles nicht gereicht, also gründete er vor einiger Zeit eine Band mit, die «Kofferband» alias «Kofferbande». Nach dem einen und anderen Auftritt in der lokalen Gastro- und Kulturszene scheinen die fünf Band(en)mitglieder nun ihren Stil gefunden zu haben. Internationale Hits einigermassen intelligent verulken heisst die selbstgestellte Aufgabe. Auf die nette Weise, logisch, man will ja niemandem zu nahe treten, nicht einem Bono oder gar einem John Lennon (selig). Oder eben Pink. Die wirren Witze von Erika sind ein Beispiel für die Schaffenskraft von Tobias Fischer (Cajon), Roger Wallier (Handorgel), Gregor Fäh (Gitarren), Daniel Pataky (Bass) und seit kurzem Laura Strasser (Gesang), die für Stefanie Heer (schwanger) eingesprungen ist. Am Samstag gab die Kofferband in ihrer neuen Besetzung, in ihrem neuen Setting (akustisch) und mit neuen Texten ein Konzert im (neuen) Atelier Siegen­thaler im Flawiler Gupfenquartier. Alles neu macht der Februar im kleinen Kreis, nur etwa 40 Zuschauende hatten Platz. Die Aktivmitglieder des Kulturvereins Touch kochten und servierten einen Znacht (vege­tarisch) und zu viele Desserts. «Mailand mue brännä» (Original: «Baila Morena»/Zucchero), «Bananä werdet nass» («?»/?), «Scharfi Peperoni» («Sergeant Pepper»/Lennon/McCartney) oder «Du Aff häsch da klaut» («Get off of my Cloud»/Jagger/Richards).

«Moni, de Wii bringsch du»

Das gab zu lachen, das war ja klar. Manche(r) im Publikum fühlte sich herausgefordert, zu erraten, welcher Song hinter den Songs steckt. So einfach war das nicht. Auch den musikalisch Beflissenen fiel manches Original nicht ein, und wenn auch ebendieses mal ein Welthit war. Zum Beispiel der Refrain «Moni, de Wii bringsch du» («Only to be with You»/U2). Doch dann fiel das Raten plötzlich leichter. Noch keine zwei Monate ist’s her, dass man sich beim Singen/Summen von gängigen Weihnachtsliedern ertappte. Dem Thema widmete sich die Kofferband in einem Medley. Aus «Jingle Bells» machte Tobi Fischer «Schimmel-Chäs», aus dem Jahrhuntertdelirium «Last Christmas» wurde «Chäs isst mä», ganz vom Weg ab kam man dann mit «Da schiss Navi da», dessen Original unschwer zu erkennen ist. Wer’s nicht herausgefunden hatte, dem blieb ja noch der ganze Sonntagnachmittag zum Nachdenken.