Flawiler Kirchenführung will Pfarrhäuser verkaufen, betont aber: «Wir verscherbeln nicht unser Tafelsilber»

Die Vorsteherschaft der reformierten Kirchgemeinde Flawil will sich von zwei Pfarrhäusern trennen und an der Landbergstrasse ein Wohnhaus erstellen. Das letzte Wort hat jedoch die Kirchbürgerversammlung.

Andrea Häusler
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Das Pfarrhaus an der Alpsteinstrasse soll erst nach der Pensionierung des evangelischen Pfarrers veräussert werden.

Das Pfarrhaus an der Alpsteinstrasse soll erst nach der Pensionierung des evangelischen Pfarrers veräussert werden.

Bilder: Andrea Häusler

Die reformierte Kirchgemeinde Flawil hat im Rahmen des Entwicklungsprojekts «Generationenkirche» ihren Immobilienbestand überprüft, die künftigen räumlichen Bedürfnisse erhoben und auf dieser Basis eine Liegenschaftenstrategie entworfen. Das Ergebnis zielt auf eine Reduktion des Immobilienbestands und eine Arrondierung der Liegenschaften am zentralen Ort «Kirche Feld». Das heisst: Die beiden peripher gelegenen Pfarrhäuser an der Rosenhügelstrasse 7, beziehungsweise der Alpsteinstrasse 6 sollen zu marktüblichen Preisen verkauft werden. Wobei für die Liegenschaft auf dem Rosenhügel baldmöglichst, für jene an der Alpsteinstrasse nach der Pensionierung von Pfarrer Mark Hampton – also frühestens in vier Jahren – eine Käuferschaft gesucht werden soll.

Vorprojekt «Umgestaltung der Kirche Feld»

Die Kirchenvorsteherschaft erwartet aus dem Verkauf einen Erlös von 1,5 beziehungsweise 0,9 Millionen Franken. Zusammen mit den 1,4 Millionen Franken aus dem Baufonds stünden damit liquide Mittel im Betrag von 3,8 Millionen Franken für «die Stärkung der Kirchgemeinde im Zentrum» zur Verfügung, wie die Behörde in ihrem Gutachten zur Liegenschaftenstrategie zuhanden der Kirchbürgerschaft schreibt. Einen Kapitalzuwachs von einer weiteren Million wird aus einer Bausteuer von zwei Prozent über die nächsten zehn Jahre erwartet.

In ihrer Botschaft betont die Behörde explizit, dass der Verkauf der Pfarrhäuser kein «Verscherbeln des Tafelsilbers» sei, sondern die Möglichkeit eröffne, Investitionen zu tätigen, die «der Weiterentwicklung der Kirchgemeinde dienen». Gemeint ist damit unter anderem die Umgestaltung der Kirche Feld, die «den Wandel in die heutige Zeit bezüglich der Nutzung, Einrichtung und Atmosphäre nicht vollzogen hat», wie die Kirchenvorsteherschaft schreibt. Daneben steht hier eine energetische Sanierung an. Für ein Vorprojekt wurde im Budget 2020 ein Betrag von 75000 Franken eingestellt.

Gleichzeitig plant Evangelisch-Flawil den Bau einer «niederschwelligen Begegnungsplattform», wobei die Standortfrage noch nicht abschliessend geklärt ist. Für die Realisierung der Kirchenneugestaltung und der Begegnungsplattform wird mit Investitionskosten von rund 5 Millionen Franken gerechnet.

Für die Liegenschaft an den Rosenhügelstrasse soll möglichst zeitnah eine Käuferschaft gefunden werden.

Für die Liegenschaft an den Rosenhügelstrasse soll möglichst zeitnah eine Käuferschaft gefunden werden.

Im Zusammenhang mit der neuen Begegnungsplattform soll auch die Zukunft des Raumangebots im Kirchgemeindezentrum überprüft werden. Zumal es jenen Räumen an «atmosphärischer Qualität» und der Eignung für die Nutzung durch Kinder/Jugendliche fehle. Die Kirchenbehörde ist sich bewusst, dass der Betrieb der «Plattform» laufende Kosten verursachen wird. «Hier sind Finanzierungsideen gefragt», schreibt sie.

Neubau an der Landbergstrasse

Erträge zur Deckung der Betriebskosten der Kirchgemeinde erwartet die Vorsteherschaft vom geplanten Neubau eines Mehrfamilienhauses auf der Parzelle Nr. 1110 an der Landbergstrasse. Die Liegenschaft ist derzeit vermietet, wobei die Scheune dem Mieter gehört. Ein Verkauf dieses Objekts kommt für die Kirchenbehörde deshalb nicht in Frage, weil dieses – im Gegensatz zu den Pfarrhäusern – zur Stärkung des Areals Feld genutzt werden kann.

Vorgesehen ist ein «multifunktionales Gebäude, das als Wohnraum genutzt werden kann, aber auch andere, der Kirchgemeinde dienende Räume zulässt. Dieses Jahr soll ein Architekturbüro den Auftrag erhalten, ein Vorprojekt zu erarbeiten. Die Kosten dafür sind im Budget enthalten und belaufen sich auf 57500 Franken. Die Kirchenvorsteherschaft geht aktuell von Baukosten von rund 2,5 Millionen Franken aus.

Die Kirchbürgerversammlung findet am Mittwoch, 25. März, 19.30 Uhr, im Zwinglisaal des Kirchgemeindezentrums statt. Vorgemeinde ist gleichenorts am Dienstag, 17. März, 19.30 Uhr.