FLAWIL/BANGKOK: Die Selfmade-Bäckerin

Jacqueline Baumann hat einst in Flawil eine Lehre als Kauffrau bei der Flawa abgeschlossen. Heute bringt die 39-Jährige Asiaten in Bangkok das Backen bei.

Yves Weibel
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Das Ehepaar repräsentiert die Schweiz in der Schule ihrer Kinder. (Bild: Jacqueline Baumann)

Das Ehepaar repräsentiert die Schweiz in der Schule ihrer Kinder. (Bild: Jacqueline Baumann)

Yves Weibel

yves.weibel@wilerzeitung.ch

Jacqueline Baumann alias Jackybakes ist gebürtige Flawilerin. Ebenfalls ist sie Bürgerin der kleinen Schweizer Gemeinde. Nur ihr Wohnort liegt ein bisschen weiter im Osten. Sie hat die Schule in Flawil besucht und eine Lehre zur Kauffrau bei der Flawa absolviert. Heute lebt die 39-Jährige in Bangkok.

«Es war geplant, mit einem Kind für ein Jahr im Ausland zu leben. Mittlerweile sind es drei Kinder und neun Jahre», sagt Jacqueline Baumann lächelnd. Die dreifache Mutter lebt mit ihrer Familie seit sechs Jahren in Thailand. In einem Einfamilienhaus in Bangkok hat sich die Familie niedergelassen. Eine kleine, eigene Backstube hat sie sich in ihrem Heim eingerichtet. «Zu Hause arbeite ich und gebe auch meine Kurse», sagt Baumann. Sie habe alles, was sie brauche: einen Garten mit Hühnern, Hasen und zwei Hunden. Aber auch mit verschiedensten Fruchtbäumen, von Bananen bis zu Mangos.

Auch wenn sie in Thailand eine neue Heimat gefunden hat, folgt sie einigen in der Schweiz erlernten Gepflogenheiten noch immer. «Bei uns gibt es jeden Sonntag Zopf», erzählt sie. Ebenfalls rede sie mit ihren Kindern immer schweizerdeutsch. Mit der alten Heimat tritt sie viel in Kontakt. So verfolgt sie, gemeinsam mit anderen Auslandschweizern, die Politik und Medienwelt in der Schweiz. Sie rege sich zwar manchmal auf, aber alles müsse man mit Humor sehen. «Deshalb wetten wir manchmal vor Wahlen auf deren Ausgang.» Bei den anderen Auswanderern ist sie ein gern gesehener Gast, da alle ihre Backkünste lieben.

Im Oberstufenzentrum Flawil erlernt

Der Grund für die Flawilerin, überhaupt mit dem Backen anzufangen, war simpel. Sie stellte sich die Frage, was sie wohl am meisten vermissen würde. Brot war ihre Antwort. «Wir waren sicher, dass wir in Asien kein gutes Brot finden würden», erzählt die 39-Jährige. Per Zufall stiess sie auf ein Inserat in der Zeitung. In diesem bot der Verband Schweizer Bäuerinnen einen Kurs für das Backen an. «Der Kurs fand im Oberstufenzentrum in Flawil satt. Ich war mit Abstand die Jüngste. Aber es hat mir viel Freude bereitet», erinnert sich Jacqueline Baumann.

In der ersten Zeit ihres Lebens im Ausland geriet das Gelernte wieder in Vergessenheit. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie sich eine Torte kaufte, die sie jedoch geschmacklich enttäuschte. Die Ostschweizerin war sich sicher, dass sie die Torte hätte besser machen können. «Eigentlich habe ich aus Trotz mit dem Backen begonnen», sagt sie lachend. Heute schreibt sie selbst Rezepte, gibt Kurse und backt natürlich immer noch.

In ihren Kursen, die sie in der eigenen kleinen Backstube durchführt, lehrt sie anderen das Backen. Die Selfmade-Bäckerin gibt weiter, auf was sie selbst achtet: «Ich backe nur mit qualitativ guten Lebensmitteln.» Da sie sich vor allem auf den Geschmack konzentriere, sei es wichtig, dass nur gute Produkte verarbeitet würden. «Ich bin aus der Schweiz einen solchen Standard gewohnt.» Deshalb kaufe sie, wenn möglich, Schweizer Produkte. Die Qualität der Schokolade beispielsweise sei in Thailand sehr hoch. Da Linth und Frey dort eine Produktionsstätte betreiben. «Doch leider gibt es keine Munz-Schokolade», bedauert die Ostschweizerin.

Tipps und Tricks über Facebook

Auf Facebook hat Jacqueline Baumann, alias Jackybakes, fast 42000 Likes, und auf Instagram folgen ihr 1000 Personen. Die Selfmade-Bäckerin aus der Ostschweiz hat in den sozialen Medien eine Präsenz, wie sich das so mancher Hipster wünschen würde. Die Auslandschweizerin schreibt neben ihren Kursen noch Rezepte und für Magazine.

Wie sie sich auf Instagram selbst beschreibt: «Bäckerin, Autorin, Macherin, Lehrerin, Reisende, Gärtnerin, Künstlerin, um als Mutter fit zu bleiben.» Auf diesen Plattformen zeigt sie ihre Werke, gibt Tipps und einen Einblick in das Leben einer Gebäckkünstlerin. Auf die Frage, ob sie ein Kochbuch schreiben wird, antwortet sie, sie habe sich zwar alle ihre Rezepte aufgeschrieben, aber in nächster Zeit komme sicher kein Buch von ihr auf den Markt.

Mehr von Jackybakes:

www.facebook.com/Jackybakes1www.instagram.com/jackybakes