FLAWIL: Wirtepaar verkauft das Inventar

Am 17. September ist «Ustrinkete» in der Pizzeria Sardegna – ehemals Hotel Bahnhof und Post – in Flawil. Dann werden die Türen des Gasthauses mit langer Tradition und spannender Geschichte für immer geschlossen. Das Gebäude wird im Oktober abgebrochen.

Zita Meienhofer
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Während 14 Jahren wirteten Giuliano und Ines Marzoli in der Pizzeria Sardegna in Flawil. (Bilder: Zita Meienhofer)

Während 14 Jahren wirteten Giuliano und Ines Marzoli in der Pizzeria Sardegna in Flawil. (Bilder: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Mit blauer Farbe hat es Ines Marzoli auf eine Blechtafel geschrieben: «Inventar zu verkaufen». Denn nun ist es so weit. Ihr Restaurant in Flawil, die Pizzeria Sardegna, die während Jahrzehnten das Hotel Bahnhof und Post war, wird abgebrochen werden. Am 17. September laden Ines und Giuliano Marzoli zur «Ustrinkete». Seit 2011 ist dem Wirtepaar bekannt, dass das jetzige Restaurant dem Projekt «Neues Wohnen in der Alten Post» weichen muss. Die Stiftung Wohn- und Pflegeheim Flawil (WHP) hat die Liegenschaft Ende 2013 von den damaligen Besitzern Kurt Hättenschwiler und Josef Süess gekauft. Nun liegen alle Bewilligungen vor, der Abbruch und anschliessende Neubau kann beginnen.

Er war in der Küche, sie sorgte für das Wohl der Gäste

«Wir bedauern, dass wir unsere Pizzeria schliessen müssen», sagt Ines Marzoli, «aber wir haben es ja schon lange gewusst.» Ines und Giuliano Marzoli haben vor 14 Jahren die Pizzeria Sardegna übernommen. Ihr Mann habe öfters ihrem Vorgänger geholfen. Dieser habe dann das Angebot für die Übernahme gemacht. Ines wie auch Giuliano Marzoli waren bereits im Gastgewerbe tätig, im «Pinocchio» in Oberuzwil, davor in Amriswil und im Tessin. Ende der 1970er- Jahre kam das Paar in die Schweiz. Der gebürtige Italiener stammt aus dem Piemont, sie ist in Madrid aufgewachsen.

«Wir hätten nie gedacht, dass wir das Restaurant so lange führen werden», sagt Ines Marzoli. Sie hätten viel Schönes, aber auch weniger Schönes erlebt. Während ihr Mann in der Küche tätig war, sorgte Ines Marzoli für das Wohl der Gäste. «Ich werde sie vermissen», sagt sie. Sie hätten viele Stammgäste gehabt, Leute, die jeden Tag gekommen seien, um etwas zu trinken. «Aber auch die Vereine gingen bei uns ein und aus.» Der Saal in der ersten Etage wurde rege benutzt, vom Schachclub, für Bankette oder Vereinssitzungen.

Inventar soll bis Mitte September verkauft sein

Ende September müssen Marzolis ihr Restaurant geräumt haben. Bis dann, so hoffen sie, werden sie das Inventar vollständig verkauft haben. Bislang sind nur die Tische und Stühle nicht mehr zu haben. Lampen, Tischtücher, Gläser, Teller, Besteck, Tischläufer, Dekorationsgegenstände, Vorhänge und etliche Küchengeräte (Steamer, Geschirrspüler, Bain-Marie) können noch gekauft werden. «Wer Interesse hat, soll doch einfach vorbeikommen und fragen», sagt Ines Marzoli. Künftig benötigen sie keine Gegenstände mehr für ein Restaurant, da sie keinen anderen Betrieb übernehmen werden. Was das Wirtepaar nach der Zeit in der Pizzeria Sardegna tun wird, ist noch offen. «Ich werde sicher wieder etwas im Gastgewerbe finden», sagt Ines Marzoli, und Giuliano werde bald pensioniert. Der Selbstständigkeit trauert die Wirtin nach. Es sei zwar streng, aber schön gewesen, sein eigener Herr und Meister zu sein. Dann kommt bei der in Oberuzwil wohnhaften Wirtin Wehmut auf: «Die letzten Wochen werden nicht einfach sein. Aber wir haben es ja schon lange gewusst.»

Hinweis

Die schönste Zeit, die wir hatten, feiern wir am Sonntag, 17. September, ab 17 Uhr mit einer «Ustrinkete». Mit diesem Satz laden Ines und Giuliano Marzoli ihre Gäste zum letzten Mal ein.