Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FLAWIL: Vorurteile halten sich hartnäckig im Kopf

Was ist Diskriminierung und wie äussert sie sich im eigenen Alltag? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Bildungsabend, zu dem der «b’treff Flawil» am Mittwoch eingeladen hatte. Rund 25 Personen liessen sich von den Referaten und den Workshops inspirieren.
Christof Lampart
Felix Baumgartner von der Fachstelle Integration der Region Wil machte deutlich, dass Zuschreibungen zu Personen nicht wertneutral, sondern stets mit Gefühlen verbunden sind. (Bild: Christof Lampart)

Felix Baumgartner von der Fachstelle Integration der Region Wil machte deutlich, dass Zuschreibungen zu Personen nicht wertneutral, sondern stets mit Gefühlen verbunden sind. (Bild: Christof Lampart)

In einem sind sich wohl alle einig: Niemand wird gerne diskriminiert. «Quer durch alle sozialen Milieus wird Diskriminierung als ungerecht und verwerflich aufgefasst, da sie gesellschaftlichen Werten wie Chancengleichheit entgegensteht», erläuterte Felix Baumgartner von der Fachstelle Integration der Region Wil im evangelischen Kirchgemeindehaus. Auch legte er dar, dass Zuschreibungen zu Personen nicht wertneutral und immer mit Gefühlen verbunden sind. Und genau diese Bewertung von Menschen aufgrund von zugeschriebenen oder tatsächlichen Merkmalen bilde die Voraussetzung für Diskriminierung. Das alleinige «Zuordnen» in eine der «Schubladen im Kopf» sei zwar ein «alltäglicher Ablauf und noch keine Diskriminierung». Es komme jedoch darauf an, was man aus dieser Schubladisierung im Alltag mache.

Mehr als nur ein Merkmal beurteilen

Oder anders gesagt: Es sei normal, dass man einer Gruppe (z. B. Alter, Religion, sexuelle Vorlieben, Verein etc.) angehöre und dadurch andere, die dies nicht täten, davon ausschliesse, sagte Baumgartner. Es könne jedoch nicht angehen, dass man andere Menschen aufgrund der Nichtzugehörigkeit zur eigenen Gruppe als minderwertig herabsetze. «Das heisst nicht, dass man sich nicht mit einem Muslim über Themen streiten und andere Verhaltensweisen richtig finden darf. Aber es bedeutet, dass man Menschen nicht aufgrund eines Merkmals – zum Beispiel des Tragens des Kopftuches – beurteilen sollte, sondern dies erst tun sollte, wenn man Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen nebeneinanderstellen kann, die man mit diesem Menschen gemacht hat», so Baumgartner.

Lieber eine Ausnahme machen

Im Zusammenhang mit dem latenten Diskriminierungsvorwurf komme erschwerend hinzu, dass gerade Personen in schwierigen Lebenssituationen oft vom Gefühl beherrscht würden, dass sich die Diskriminierungsdiskussion vor allem auf Randgruppen beschränke, die eigentlichen Probleme und Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft, wie wachsende Armut oder die Benachteiligung von sozial Schwachen, jedoch ausser Acht gelassen würden. Selbst Minderheiten sind nicht davor gefeit, andere zu diskriminieren. Marlen Rutz Cerna vom Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung im kantonalen Amt für Soziales verdeutlichte, dass heute kaum mehr rassistische Motive oder Argumente für eine Diskriminierung gebraucht würden. Vielmehr berufe man sich auf kulturelle Differenzen. Diese würden in der Regel auch dann aufrechterhalten, wenn man jemanden treffe, der nicht dem Schema entspricht.

Eine Muslima, die Alkohol trinkt

«Die Menschen halten gerne an Diskriminierungen fest. Wenn sie eine kopftuchtragende Muslima kennen lernen, die liberal denkt, einen deutschen Freund hat und auch ab und zu Alkohol trinkt, dann denkt man: die ist eine Ausnahme. Und man macht für jede weitere solche Person auch im Kopf eine Ausnahme, statt das Bild, das man sich von der Gruppe ‹Muslima mit Kopftuch› gemacht hat, zu überdenken», verwies Rutz Cerna auf die Hartnäckigkeit, mit der sich Vorurteile und die sich daraus ergebenden Diskriminierungen im Bewusstsein halten können.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.