FLAWIL: Verbindender Spieleabend

Von wegen «es wird nur noch am Computer gespielt»: Bei ihrer schon zwölften Durchführung war der Flawiler Spielenacht am Samstag ein Erfolg beschieden. Rund 600 Spielbegeisterte jeden Alters füllten den Lindensaal und konnten gar nicht mit Spielen aufhören.

Christof Lampart
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Spielen, so lange die Konzentration reicht: An der Flawiler Spielenacht konnte dieses menschliche Bedürfnis ausgelebt werden. (Bild: Christof Lampart)

Spielen, so lange die Konzentration reicht: An der Flawiler Spielenacht konnte dieses menschliche Bedürfnis ausgelebt werden. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

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Das Brettspiel boomt. Wer am Samstagabend im Flawiler Lindensaal aufkreuzte, konnte zu keinem anderen Schluss kommen. Hunderte von ganz kleinen bis ganz grossen Spielern füllten die Tische zeitweise bis auf den letzten Platz, spielten Karten aus, würfelten um die Wette oder versuchten Plättchen möglichst geschickt anzulegen, um am Ende die Nase vorn zu haben.

Konnte zuerst noch ausgesucht werden, welches Spiel man sich von den ebenso gut geschulten wie freundlichen Ludothekarinnen erklären lassen wollte, so musste man alsbald dort Platz nehmen, wo noch ein Stuhl frei war oder jemand gesucht wurde. «Machsch au emol mit?» Bei dieser oft gehörten Frage wurde deutlich: Spieler duzen sich prinzipiell. Und so landeten die Anwesenden durchaus einmal bei einer Runde «Floh am Po» (ab vier Jahre), bevor sie sich wieder Strategischerem wie «Magic Maze» zuwandten. Dies ist ein Spiel, bei dem unter Zeitdruck gemeinsam eine Horde von Helden durch ein Kaufhaus zum Ausgang gesteuert werden muss, ohne allerdings miteinander sprechen zu dürfen. Wer die glänzenden Kinderaugen sah, wenn gleich zwei weitere Flöhe wieder auf den eigenen Hund rüberhüpften – das erhöhte die Zugweite –, der spielte die Runde umso lieber mit. Selbst wenn einem selbst am Ende sein ganzes strategisches Denken nichts half.

Gemeinderat mit wenig Glück und viel Eifer

Auch der Flawiler Gemeinderat Eddie Frei liess sich nicht zweimal bitten und begab sich in «Costa Rica» in den Urwald auf die Suche nach seltenen Tieren. Letzteres zwar mit wenig Glück, dafür aber mit umso grösserem Eifer. «Das Spielen gehörte in meiner Familie schon immer irgendwie dazu. Ich finde es toll, wie engagiert die Ludothek Flawil diese Spielnacht Jahr für Jahr auf die Beine stellt und wesentlich dazu beiträgt, dass das Kulturgut ein Stück weit den Stellenwert erhält, welches ihm gebührt.» Ganz ähnlich sah es auch Klemens Gächter, ein selbst ernannter Vielspieler aus St. Gallen. Er sagte: «Man merkt halt schon, dass wir in der Ostschweiz eine starke Spieltradition haben. Das liegt sicherlich auch daran, dass es neben den Spielnächten in Flawil und St. Gallen auch das Spielfest in Wil gibt. Dazu kommen zahlreiche Ludotheken und die Spieleclubs in St. Gallen und Wil. In einem solchen Umfeld gedeihen nun einmal Spielernaturen. Und so ist es für mich auch zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass ich die Flawiler Spielnacht nach Möglichkeit Jahr für Jahr besuche.»

Die Chefin der Ludothek Flawil, Gabi Hochreutener, konnte schon vor dem Ende des Anlasses zufrieden eine erste Bilanz ziehen: «Hier ist alles voll, dort oben auf der Bühne auch und dort hinten spielen sie nonstop das Rollenspiel ‹Die Werwölfe im Düsterwald›.» Gar nicht düster sind die Aussichten für das Flawiler Spielfest des kommenden Jahres.