FLAWIL: Trouvaillen aus Omas Nähkiste

Knapp 500 Strumpfkugeln und Stopfeier hat Angelika Heer bisher gesammelt . Einen Teil ihrer Exponate zeigt sie nun, eingebettet in allerlei weitere Trouvaillen aus dem Nähkästchen, im Flawiler Ortsmuseum.

Andrea Häusler
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Angelika Heer mag auch die ganz schlichten, schmucklosen Stumpfkugeln, jene mit der rauhen Oberfläche und den sichtbaren Einstichen: «Diese bergen eine Geschichte», sagt sie. (Bilder: Andrea Häusler)

Angelika Heer mag auch die ganz schlichten, schmucklosen Stumpfkugeln, jene mit der rauhen Oberfläche und den sichtbaren Einstichen: «Diese bergen eine Geschichte», sagt sie. (Bilder: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Sie sind rund, oval, pilz- oder kegelförmig, kunstvoll aus verschiedenen Holzarten gedrechselt, ­bemalt oder filigran beschriftet. Was einst in Nähtischen und -kisten versteckt das triste Dasein eines Gebrauchsgegenstands fristete, hat nun im Flawiler Ortsmuseum eine Plattform bekommen. In Drahtröhren aufgehängt, in kleine und grössere Körbe gebeigt oder säuberlich in verglasten Vitrinen zur Schau gestellt, lassen die Strumpfkugeln und Stopfeier Kindheitserinnerungen aufkommen. Bilder aus einer Zeit, in der die Löcher in den ­Socken noch gestopft, geplatzte Nähte säuberlich geschlossen und Löcher vernäht worden sind.

Zum Sammeln hat Angelika Heer mehr zufällig gefunden. Als Mädchen habe sie aus der Haushaltauflösung einer Grosstante zwei Strumpfkugeln bekommen. «Sie waren ein Andenken, mehr nicht», erinnert sie sich. Viele Jahre später habe sie dann in einem Brockenhaus ein vergleichbares, altes Exemplar entdeckt und dieses gekauft. Der Grundstein für ihre Sammelleidenschaft war gelegt.

Ausstellregale und geplatzte Vasen

Fortan erweiterte sie ihren Bestand sukzessive. Wann immer sie irgendwo eine Strumpfkugel sichtete, machte sie sich diese zu eigen. Ihre Faszination für das hölzernen Stopfzubehör blieb ihrem Umfeld nicht verborgen. Immer wieder habe sie auch Strumpfkugeln geschenkt bekommen, sagt Angelika Heer.

Ausstellregale seien gebaut worden, hätten sich gefüllt und weitere nötig gemacht. Schliesslich sei die Sammlung so gross ­geworden, dass sie die Kugeln in Glasvasen gefüllt habe. Eine dekorative Idee, aber keine praxistaugliche. «Bereits drei sind in der Zwischenzeit zu Bruch gegangen», sagt sie. «Bei starker Sonneneinstrahlung dehnt sich das Holz aus, und das Glas birst.» Plexiglas, sagt sie, wäre wohl ein adäquater Ersatz.

Faszination fürs Nähen ist geblieben

Neben den Strumpfkugeln zeigt Angelika Heer auch reich verzierte und geschnitzte Nadelköcher, Nadelkissen, Nadelschatullen und Fingerhüte. Alles kleine Schätze, die sie über die Jahre gesammelt hat. «Nähsachen haben mich schon als Kind fasziniert», sagt sie. «Die Nähkiste meiner Mutter barg ein Sammelsurium von Zubehör, das reizvoller war als jedes Spielzeug. Die Passion ist geblieben. Angelika Heers grosses Hobby ist das Nähen. Ihre Quilts hat sie schon in einer Ausstellung im Wohn- und Pflegeheim gezeigt. Die neuen Kreationen hängen nun zwischen Vitrinen und Strumpfkugelkörben im Ortsmuseum.

Die Frage, ob ihre Sammlung mit inzwischen fast 500 Teilen komplett ist, beantwortet sie mit einem Lachen. «Ich kann nach wie vor nicht widerstehen. Entdecke ich in einem Brocki eine, muss ich sie haben.» Manchmal, da finden die Strumpfkugeln aber auch ganz von selbst zu ihr. Gestern beispielsweise, bei der Ausstellungseröffnung. «Zwei Stück habe ich geschenkt bekommen. Die Frauen fanden, dass sie bei mir am richtigen Ort sind.»

Die Ausstellung ist am übernächsten Sonntag, 15. Oktober, 14 bis 17 Uhr, nochmals geöffnet.

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