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FLAWIL: Tote Vögel in alten Pfeifen

380'000 Franken investiert die Reformierte Kirchgemeinde Flawil in die Renovation ihrer Goll-Orgel. Im Januar wurden die Revisionsarbeiten aufgenommen. Am Mittwoch hatte die Bevölkerung nun Gelegenheit, den Orgelbauern über die Schultern zu schauen.
Andrea Häusler
Tausende Pfeifen und noch mehr Röhrchen mussten und müssen ausgebaut und gereinigt werden. Kirchenpräsidentin Daniela Zillig (Mitte) und Orgelbauer Christian Musch (links) informieren über die Renovation.

Tausende Pfeifen und noch mehr Röhrchen mussten und müssen ausgebaut und gereinigt werden. Kirchenpräsidentin Daniela Zillig (Mitte) und Orgelbauer Christian Musch (links) informieren über die Renovation.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Den Flawilern liegt viel an der raumfüllenden historischen Orgel über dem Altar der reformierten Kirche Feld. Dies zeigte das Interesse am Tag der offenen Baustelle und spiegelt sich im Erfolg der Aktion «Orgelpfeifenpatenschaft», die bisher 66145 Franken eingebracht hat. Zusammen mit den Beiträgen der Denkmalpflege, der Kantonalkirche, von Stiftungen sowie dank der eingegangenen Schenkungen sei die Restaurierung finanziert, freut sich die Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft, Daniela Zillig. Beruhigend, denn bereits seit gut zwei Wochen sind die Fachleute der Firma Goll in Flawil tätig. Die Hauptaufgabe bestehe darin, das Instrument technisch zu überholen, sagt Christian Musch, Orgelbauer und Handwerker in der Denkmalpflege. Dazu gehört die Erneuerung der Ventilmembrane. 2300 Stück sind es – eine für jede Pfeife. Die alten waren aus Ziegenleder. Jetzt sind sie spröde und dünn wie Seidenpapier. «Ein Problem bei einem Instrument, bei dem alles über Wind funktioniert», sagt Musch. Er macht klar, dass eine enorme Zahl von Klein- und Kleinstteilen zu verbauen sei.

Orgel wird wieder tiefer klingen

Die Pfeifen glänzen. Schmutz sieht man nicht auf den ersten Blick, Beulen und Dellen auch nicht. Der Schein trügt. «Wir haben Unmengen von Dreck, gar tote Vögel herausgeholt», sagt Christian Musch. Nächste Woche würden nun die grossen Pfeifen ausgebaut.

Der «Bauchwehteil» steht den vier bis fünf an der Restaurierung beteiligten Fachleuten von Goll noch bevor: der Spieltisch. Hunderte von Elementen gelte es auszutauschen, macht Musch klar. Ausserdem habe sich an gewissen Stellen das Holz aufgrund von Feuchtigkeit verzogen. «Wie wir dieses Problem lösen, weiss ich auch noch nicht», sagt er.

Den baulich-technischen Herausforderungen folgen später die musikalischen. «Wenn wir alles wieder zusammenkriegen, wird jedes Register neu eingestellt», sagt Christian Musch. Im Mai soll die Orgel schliesslich gestimmt werden. Und sie soll anders klingen, wenn sie künftig den Kirchenraum mit Melodien füllt. Denn irgendwann wurde die Tonhöhe nach oben angepasst. Dem Zeitgeschmack entsprechend in Richtung 440 Hertz. Ziel der Orgelbauer ist es, wieder in den Bereich von 435 Hertz zu kommen und dem Ins-trument so den einstigen Klang zurückzugeben. «Organisten finden vermehrt Gefallen an romantischen Kompositionen», weiss Goll-Geschäftsführer Simon Hebeisen. Eine Trendwende. Denn in den 70er-Jahren sei das «romantische Gesäusel mit acht Füssen» out gewesen, was beinahe zum Rückbau der Flawiler Orgel geführt hätte. Laut Hebeisen ist diese eine Zeugin der Hochblüte der Pneumatik, einer wenige Jahrzehnte kurzen Orgelbauepoche, die 1930 geendet hat.

Wasser sorgte für Orgelklänge

Nicht Bestandteil der Revision ist der 4,5 mal 2,2 Meter grosse Blasbalg im Keller. Hier soll lediglich das Leder aufgearbeitet werden. Der Balg ist Ersatz für den einstigen Wasserbetrieb. Das ursprüngliche elektrifizierte Gebläse musste während der Predigt ausgeschaltet werden. Das Signal zum Auf- und Zudrehen des Wasserhahns erfolgte über einen in den Orgeltisch integrierten Mechanismus, der im Keller ein Glöckchen erklingen liess.

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