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Flawil: Wo gehört das kleine Mädchen nur hin? Hündin Sari löst das Rätsel

Wie Caroline Fuchs’ Hündin Sari ein dreijähriges Kind in spezieller Situation nach Hause begleitet. Und wie sehr Menschen und Tier aufeinander eingehen können.
Zita Meienhofer
«Eine Erziehung ohne Liebe funktioniert nicht», sagt Caroline Fuchs und meint damit auch die Erziehung ihrer Hündin Sari. (Bilder: Zita Meienhofer)

«Eine Erziehung ohne Liebe funktioniert nicht», sagt Caroline Fuchs und meint damit auch die Erziehung ihrer Hündin Sari. (Bilder: Zita Meienhofer)

Mit einem Hund verband sie nichts. Als Kind hatte sie eine Katze – bis sie allergisch reagierte. Doch vor etwa neuneinhalb Jahren veränderte Sari, eine Flat-Coated-Retriever-Hündin, das Leben von Caroline Fuchs, die damals noch in Herisau wohnte. Caroline Fuchs suchte die Kleinanzeigewand im Säntispark auf, mit dem Gedanken, vielleicht etwas Tolles zu entdecken. An einen Hund dachte sie überhaupt nicht.

Doch, dann war da die Anzeige mit Fotos von Sari und ihren sieben Geschwistern. «Ich habe grad die ganze Karte mitgenommen», sagt sie heute und lacht. Sie setzte sich mit den Besitzern – es waren keine Züchter – in Verbindung, organisierte alles Nötige und durfte Sari nach einigen Wochen zu ihr nach Hause holen.

Seither erlebt Caroline Fuchs, die nun in Flawil wohnt – wo sie auch aufgewachsen ist – immer wieder spezielle Situationen zwischen Mensch und Tier, Situationen, die sich nicht in Worte fassen lassen. Das empfindet Caroline Fuchs auch damals, am 2. Juni, als ihre Hündin einen speziellen Einsatz leistet.

Das Schreiben der Kantonspolizei weist auf den Einsatz hin.

Das Schreiben der Kantonspolizei weist auf den Einsatz hin.

Ein dreijähriges Mädchen steht am Strassenrand an der Wilerstrasse in Flawil, in der einen Hand eine Schoppenflasche in der anderen ein Plüschtier. Weit und breit keine Menschenseele in der Nähe. Caroline Fuchs, die mit Familie und Hündin von einem Besuch nach Hause fährt, fällt das kleine Mädchen auf. Sie hält an, erkundigt sich nach dem Wohnort des Mädchens, nach seinem Namen. Sie bekommt keine Antwort. Auch auf weitere Fragen bleibt das Kind stumm.

Caroline Fuchs schaltet die Polizei ein. Auch diese erhält vom Mädchen keine Antwort. Nachdem auch verschiedene Passanten, die eine andere Sprache sprechen als Deutsch, versuchen mit ihr zu kommunizieren, bleibt das Kind stumm. Eine Stunde war mittlerweile vergangen, niemand schien das Kind zu vermissen. Die Polizisten beschlossen das Mädchen aufs Revier mitzunehmen. Erst dann zeigte es eine erste Regung: Es wehrte sich.

Hündin Sari kann das Eis nach zehn Minuten brechen

«Wollen wir es mit unserer Hündin, die eine Ausbildung zum Therapiehund absolviert hat, probieren?», fragt Caroline Fuchs die Polizisten. Diese bejahen, haben aber ihre Vorbehalte. Vorerst weicht das Mädchen vor der schwarzen Hündin zurück, was das Tier bemerkt und sich vom Kind entfernt auf den Boden legt. «Nach etwa zehn Minuten wird der Hund spannend für das Kind», sagt Caroline Fuchs, «sie sucht den Kontakt zur Hündin». Die Hundehalterin fragt das Mädchen, ob es Sari sein Zuhause zeigen wolle und gibt ihr die Leine.

«Das sind Momente, die sehr schwierig mit Worten zu beschreiben sind.»

Das Mädchen nimmt die Leine, läuft los und führt den Hund auf direktem Weg zu ihrem Wohnort, mehrere hundert Meter weit entfernt. Zu Hause wurde das Mädchen noch nicht vermisst, da die Eltern der Ansicht waren, dass es sich mit ihren Geschwistern und den Kindern ihres Besuchs auf dem nahen Spielplatz aufhalte, in der Obhut dieser Kinder sei. Sie waren deshalb ganz erstaunt, als ihr Tochter, begleitet von Hund, Polizei und Passanten nach Hause kam. Und, das Mädchen verstand zwar Deutsch, kommunizierte mit ihren Eltern und Geschwistern jedoch in einer anderen Sprache.

Zwei- bis dreimal im Monat im Einsatz

Dass Sari zu jener Hündin geworden ist, die sie heute ist, dafür ist hauptsächlich ihr Charakter verantwortlich, das ist sich Caroline Fuchs bewusst. Sie weiss aber auch, dass noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle spielen: die Welpenaufzuchtzeit, die Hundeschule und die Halterfamilie. Für Caroline Fuchs der wichtigste Punkt ihrer Arbeit: $

«Eine Erziehung ohne Liebe funktioniert nicht.»

Die Freude, mit dem Hund zu arbeiten, das Verhalten von Sari bei einer Person mit einem epileptischen Anfall, sowie der Zufall führten dazu, dass Caroline Fuchs an der Animalia – der Tiermesse in St.Gallen – auf einen Stand des Vereins Therapiehunde Schweiz stiess. Sie wusste: «Das ist es.» Es folgte der Eignungstest und dann die halbjährige Ausbildung mit Abschlussprüfung.

Seit sechs Jahren ist die Flawilerin und ihre Hündin ehrenamtlich im Einsatz. Hinzu kam vor einigen Jahren die Tätigkeit bei den Sternentaler-Fellnasen. Für diese Organisation ist das Team bei Familien mit behinderten oder kranken Kindern im Einsatz. «Eine wunderbare Herzens-Arbeit», sagt Caroline Fuchs, «die jedoch nicht zu unterschätzen ist.» Ihre Freizeitbeschäftigung beruflich auszuüben, ist nicht möglich. Ein Einsatz zerre an der Energie der Hündin, diese brauche ihre Regenerationszeit. Höchstens zwei- bis dreimal pro Monat sind Caroline Fuchs und Sari im Einsatz.

Sari ist Vorbild für Patenhund

Ab Januar wird ein weiterer Hund bei Caroline Fuchs, ihrem Partner und ihrem 13-jährigen Sohn ein Zuhause haben. Von der Blindenführhunde-Schule Allschwil erhält sie einen Patenhund. Diesen sozialisiert sie und ihre Familie während eineinhalb Jahren für seine zukünftige Aufgabe. Anschliessend geht er wieder nach Allschwil und kommt nach seiner Ausbildung als Führhund zu einer sehbeinträchtigen Person. Der Zeitpunkt für dieses intensive Engagement passe zur derzeitigen Familiensituation, sagt die Spielwarenverkäuferin, die Teilzeit arbeitet. Sie ist sich sicher, dass Sari eine wertvolle Vorbildfunktion für den Welpen übernimmt, was für die künftige Arbeit des Patenhundes von grosser Bedeutung ist – steht dieser ja dann auch im Dienste eines Menschen.

Hinweis: Mehr Infos unter sternentaler.ch und www.therapiehunde.ch

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