Ein kleines Flawiler Start-up mit grossem Potenzial: SoFlow in der Welt der E-Mobilität

E-Mobilität liegt im Trend. Ein Flawiler Start-up hat sich auf die Herstellung von E-Produkten spezialisiert. Und das erfolgreich: Jüngst durfte dieses eine Auszeichnung, den sogenannten «Startfeld Diamant», entgegennehmen.

Marco Enzler
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Mitgründer und Geschäftsführer Manuel Hug präsentiert ein von SoFlow entwickeltes E-Trottinett. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Mitgründer und Geschäftsführer Manuel Hug präsentiert ein von SoFlow entwickeltes E-Trottinett. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

«Dass wir aus der Region Unterstützung erhalten, freut uns sehr», sagt Manuel Hug, Geschäftsführer und Mitgründer von SoFlow. Das Start-up mit Sitz in Flawil hat sich auf elektrische Individualfahrzeuge spezialisiert. Nebst E-Trottinetts produzieren sie Artikel wie elektrische Skateboards oder E-Mopeds.

Nun gewann SoFlow anlässlich der achten Durchführung des «Startfeld Diamanten» den ersten Preis. Die mit 30000 Franken dotierte Auszeichnung wird jährlich von der Stiftung Startfeld an besonders innovative Jungunternehmen vergeben. Laut Manuel Hug kann SoFlow nebst dem Preisgeld, welches vollumfänglich reinvestiert wird, von einem Darlehen in der Höhe von 300000 Franken sowie von viel Experten-Know-how profitieren.

Miteinander statt gegeneinander

Es ist das erklärte Ziel des Unternehmens, den letzten Abschnitt eines Wegs von A nach B angenehmer zu gestalten. Anstatt mühsam einen Parkplatz suchen zu müssen, könne man bequem ausserhalb der Stadt parkieren und mit seinem SoFlow-Gerät an das gewünschte Ziel fahren, sagt Hug. «Es geht uns nicht darum, andere Verkehrsmittel zu konkurrenzieren. Unsere Produkte sollen eine Ergänzung zum Stadtverkehr darstellen», so der CEO. «Wir möchten nicht nur den Hype mitmachen, sondern uns langfristig im Markt etablieren.»

Deshalb verkauft SoFlow ihre Produkte sowohl direkt an Kunden als auch über Grosshändler. Ein eigenes Sharing-Modell (siehe Box) sei dagegen nicht geplant. Manuel Hug sieht die Firma in diesem Bereich künftig eher in der Rolle des Zulieferers. So würden Produkte und Ersatzteile produziert, die Wartung und Bewirtschaftung der Flotte jedoch ausgelagert.

Ökologisch und ökonomisch wirtschaften

Die Herstellung der Produkte findet aktuell in China statt. «Eine Produktion in Europa wäre ökologischer und ökonomischer Unsinn, da die meisten benötigten Ressourcen aus Asien stammen», sagt Hug. Viele Produkte würden in China lokal weiterverarbeitet, zudem könnte man auch preislich nicht mithalten, würde die Produktion beispielsweise in der Schweiz stattfinden. Zum ökologischen Umgang mit Ressourcen gehört auch der Umgang mit den Batterien. «Alle neuen Modelle bauen wir so, dass die Batterie schnell ausgetauscht werden kann», sagt Hug. Ist diese am Ende ihrer Lebenszeit angelangt, müsse nicht das ganze Produkt entsorgt werden.

Finanziell sei SoFlow solide aufgestellt, sagt der Geschäftsführer. Da das Start-up bereits seit dem ersten Tag rentabel war, befindet sich das Unternehmen in einer komfortablen Lage. Hug sagt:

«Es geht bei uns nicht mehr ums kurzfristige Überleben. Längerfristig müssen wir aber wachsen, um nicht von grossen Anbietern überrollt zu werden.»

Deswegen werde zurzeit viel Geld in die Forschung und Entwicklung investiert. Vergangenes Jahr hatte sich SoFlow mittels Crowdinvesting bereits Fremdkapital von 850000 Franken beschafft. Die Unternehmer sind sich bewusst, dass es um viel fremdes Geld geht, aber: «Wir betreiben kein Investorenmarketing und wir erzählen keine Märchen. Unsere Investoren wissen, was wir tun, und kennen das Risiko.» Deswegen sei man auch stolz, dass die Investoren dem Unternehmen so viel Vertrauen entgegenbrächten, sagt Hug. Trotzdem: Das Restrisiko ist nicht unerheblich. «Unsere beiden grössten Risiken sind, dass wir entweder unsere Rolle im Markt nicht finden oder von grösseren Anbietern aus dem Markt verdrängt werden.»

Attraktive Partnerschaft mit BMW

Einen weiteren Schritt, um dies zu verhindern, hat SoFlow mit einer Partnerschaft mit BMW getan. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen zurzeit den «Personal Mover», ein E-Gerät, das den sicheren Transport von Personal und Kleinstwaren innerhalb eines grossen Unternehmens erleichtern soll. Viel mehr darf Manuel Hug dazu zwar noch nicht verraten, die Begeisterung ist ihm jedoch anzuhören: «Während BMW von unserer Expertise im Bereich der Elektromobilität profitieren kann, dürfen wir deren Lizenzen nutzen.»

Sharing-Modell

Das Prinzip des Sharing-Modells ist simpel. Über eine App kann man auf seinem Smartphone die Standorte der einsatzbereiten Geräte des Anbieters seines Vertrauens abrufen. Wenn man ein verfügbares Gerät, beispielsweise ein E-Trottinett, gefunden hat, kann man dieses – üblicherweise mittels QR-Code – freischalten. Hat man sein Ziel erreicht, stellt man das Gefährt einfach wieder ab. Abgerechnet wird nach der Fahrt direkt über besagte App.

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