FLAWIL: Seit über 150 Jahren unberührt

Anfang Oktober wurde mit dem Abbruch des ehemaligen Hotels Post und Bahnhof begonnen. Was passiert mit der Erde unter diesem Objekt, die über 15 Jahrzehnte hinweg nie berührt worden war?

Zita Meienhofer
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Das ehemalige Hotel Post und Bahnhof, das über 150 Jahre im Zentrum von Flawil stand, verschwindet allmählich. (Bild: Zita Meienhofer)

Das ehemalige Hotel Post und Bahnhof, das über 150 Jahre im Zentrum von Flawil stand, verschwindet allmählich. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Ein besonderer Geruch steigt jenen in die Nase, die sich zurzeit in der Nähe des ehemaligen Hotels Post und Bahnhof in Flawil aufhalten. Es riecht muffig, nach Altem, nach Vergangenheit. Die Holzkonstruktion des Hotels von Flawil, in dem einst ein- und ausging, wer Rang und Namen hatte, diese Holzkonstruktion gibt ab, was sie während über 150 Jahren aufgesaugt hatte: Moder und Staub. Bald ist diese einst ehrwürdige Baute vollständig aus dem Ortsbild verschwunden, ist auch der Geruch weg. Zurzeit werden die letzten Abbrucharbeiten vorgenommen, und die Materialien in die bereitgestellten Mulden gebracht. Bald fahren auf dem Areal vis-à-vis des Bahnhofs die Bagger für den Neubau auf.

Augenmerk auf Entsorgung und Verkehrssicherheit

Eine kurze Zeit zwischen Abbruch und Neubau steht das Areal unbebaut da, ermöglicht sich der Zugriff zum Boden darunter, der seit über 150 Jahren unberührt da liegt. Gibt es da etwas zu beachten? Muss auf dieses Land ein besonderes Augenmerk gelegt werden? René Bruderer, Leiter Bau und Infrastruktur der Gemeinde Flawil, weist lediglich darauf hin, dass für die Abbrucharbeiten ein Entsorgungskonzept verlangt worden sei. Zudem erklärt er, dass die Abbrucharbeiten kontrolliert werden: «Da die Zuständigkeit bei der Gemeinde liegt, verfolgen wir die Arbeiten aufmerksam, überprüfen regelmässig die Verkehrssicherheit auf den umliegenden Strassen, und achten auf die korrekte Entsorgung der Materialien.»

Der Boden unter dem Objekt ist demnach nicht von Interesse, wenn er nicht bereits eine Besonderheit aufweist. Das bestätigt auch Regula Steinhauser-Zimmermann, stellvertretende Leiterin der Kantonsarchäologie. Die verantwortlichen Archäologen überprüfen nur den Boden und die Arbeiten jener Orte, die als schützenswerte archäologische Fundstellen im Kanton aufgelistet sind. In der Gemeinde Flawil sind das die Burg in Burgau, die St.Johannes-Baptist-Kirche in Oberglatt und die St.Laurentius-Kirche in Flawil. Letztlich weist sie darauf hin, dass bei Funden die Arbeiten sofort eingestellt, und eine Meldung an die Kantonsarchäologie gemacht werden müssten.

Allein das Alter macht ein Objekt nicht «verdächtig»

Marco Paganoni, Kommunikationsverantwortlicher des Amts für Umwelt und Energie, erklärt, dass Abbruchobjekte und deren Umgebung nicht allein durch das Alter als «verdächtig» betrachtet würden. Beim Amt für Umwelt und Energie wird deshalb nicht vorbeugend interveniert, sondern nur dann, wenn das Objekt im Kataster der belasteten Standorte eingetragen ist. Sei das nicht der Fall, – das sagt auch Marco Paganoni – dann sei man auf die Aufmerksamkeit des Baggerführers und der am Ort arbeitenden Personen angewiesen.