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Ein Graben geht durch Flawil

Die Sanierung des Entwässerungssystems Töbeli ist ein kompliziertes Vorhaben. Die Arbeiten sind auf Kurs.
Tobias Söldi
René Bruderer (links) und Adrian Baumgartner vor der Schneise für den Doppelstockkanal. (Bilder: Tobias Söldi)

René Bruderer (links) und Adrian Baumgartner vor der Schneise für den Doppelstockkanal. (Bilder: Tobias Söldi)

Eine Schneise zieht sich durch Flawil, fast fünf Meter tief und drei Meter breit. Sie bahnt sich ihren Weg von der St.Gallerstrasse zum Regenbecken Töbeli, schlängelt sich auf einer Länge von 135 Metern zwischen den Wohnhäusern und den Gebäuden der Resta AG hindurch. An den engsten Stellen bietet der Streifen zwischen den Häusern und der «Schlucht» gerade mal ein, zwei Personen Platz. Schwindelfreiheit ist von Vorteil, wenn man über die provisorischen Brücken und Stege entlang der Schneise läuft.

«Die engen Platzverhältnisse stellen in der Tat eine grosse Herausforderung dar.»

Das sagt Adrian Baumgartner von der Gruner Wepf AG aus Degersheim. Der Bauingenieur leitet die Sanierung des Entwässerungssystems Töbeli – ein «Generationenprojekt», wie es die Gemeinde Flawil gerne nennt. Die Bürgerinnen und Bürger haben knapp zehn Millionen Franken gesprochen, um das veraltete und schlecht funktionierende Entwässerungssystem zu sanieren.

Zwei begehbare Kanäle im Untergrund

In diese Furche wird demnächst ein sogenannter Doppelstockkanal eingebaut, ein massiver, rechteckiger Betonblock, durch den zwei separate, übereinandergelegte Kanäle führen werden. Durch den oberen wird der Dorfbach fliessen, durch den unteren das Abwasser. Gestern Montag haben die Arbeiten dazu begonnen. Die beiden Kanäle werden so gross, dass man sich sogar darin bewegen kann: Sie sind 1 Meter 50 beziehungsweise 1 Meter 70 hoch. «Dass sie begehbar sind, ist auch wertvoll für den Unterhalt», erklärt Baumgartner.

Blick in die Schneise, rechts die Resta AG.

Blick in die Schneise, rechts die Resta AG.

Aktuell fliessen Mischwasser und Dorfbach etwas weiter nördlich unter den Wohnhäusern hindurch zum Töbeli. Es besteht Handlungsbedarf: «Das Ende der Lebensdauer des Mischwasserkanals ist absehbar. Er wurde in den 60er-Jahren gebaut», erklärt Baumgartner. In diesem Kanal fliesst der Dorfbach durch ein Rohr mit einem Durchmesser von lediglich 35 Zentimetern – was besonders bei starken Regenfällen zu wenig ist. «Dann läuft das Bachwasser in den Mischwasserkanal über und das saubere Wasser wird verschmutzt», sagt Baumgartner.

Ein besonderes Vorhaben für die Region

Mit dem geplanten Doppelstockkanal können gleich zwei Fliegen auf einen Streich geschlagen werden. Statt die Grube über dem neuen Mischwasserkanal einfach mit Erde zu füllen, wie es das Projekt ursprünglich vorgesehen hatte, entschied man sich, darauf einen weiteren Kanal für den Dorfbach zu platzieren. Eine innovative Lösung, die Baumgartner etwa aus der Stadt Zürich kennt.

«In der Region ist es aber schon ein besonderes Vorhaben.»

Im Töbeli verzweigt sich dann der Doppelstockkanal. Der Dorfbach vereinigt sich mit dem Goldbach, der vom Westen her ins Töbeli fliesst. Das Schmutzwasser hingegen wird in ein neues, sich im Entstehen befindliches Regenbecken geführt, einem weiteren Element der Sanierung. Noch klafft dafür eine riesige Grube neben den Wohnhäusern.

Links die Grube für das neue Becken, rechts davon erhöht das alte Becken.

Links die Grube für das neue Becken, rechts davon erhöht das alte Becken.

Neues Becken mit mehr Aufnahmekapazität

Das Regenbecken im Töbeli dient als Rückhaltebecken. Es verhindert, dass zu viel Schmutzwasser auf einmal in die Kläranlage Oberglatt fliesst, indem es bei Regen die Wassermenge zurückhält. Ist die Kapazität des Regenbeckens aber erschöpft, etwa bei besonders starkem Regen, wird stark verdünntes Schmutzwasser in den Goldbach entlastet, was zu einer unwesentlich verminderten Wasserqualität führt.

Mit einer Speicherkapazität von lediglich 182 Kubikmeter kommt das alte Becken oft an seine Grenzen. Es wird abgebrochen. Das neue Becken wird satte 900 Kubikmeter Wasser fassen können.

Nach langer Vorbereitung ist die Sanierung auf Kurs

Die Sanierung des Töbeli hat eine lange Geschichte hinter sich. Sie geht fast zehn Jahre zurück: 2010 mussten die Stimmberechtigten sich zum ersten Mal mit dem Thema auseinandersetzen. Sie genehmigten damals einen Baukredit von 7,3 Millionen Franken für die Sanierung des Entwässerungssystems. Doch die Rahmenbedingungen veränderten sich, das Projekt musste angepasst werden. Die Kosten stiegen um 2,22 Millionen Franken, die Bürger genehmigten den Betrag 2017.

Im September 2018 konnte dann endlich mit den Bauarbeiten begonnen werden. Nun, fast ein Jahr nach dem Spatenstich ist man auf Kurs. René Bruderer, Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur, sagt:

«Jetzt lässt sich der Fortschritt fast tagesaktuell benennen. Den schwer kalkulierbaren Teil des Bauprojekts haben wir hinter uns.»

Die Sanierung soll im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein.

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