FLAWIL: Plötzlich Sieger

Der Gewinner des Fotowettbewerbs «Stadtoasen» der Kantonalen Denkmalpflege kommt aus Flawil. Franz Wismer hatte die Jury mit einer Aufnahme des Portals der Wiler St. Nikolaus-Kirche überzeugt.

Andrea Häusler
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Das preisgekrönte Foto. Das reich bemalte Eingangsportal der Kirche St. Nikolaus in Wil bescherte Franz Wismer Ehre und ein Preisgeld. (Bild: Franz Wismer)

Das preisgekrönte Foto. Das reich bemalte Eingangsportal der Kirche St. Nikolaus in Wil bescherte Franz Wismer Ehre und ein Preisgeld. (Bild: Franz Wismer)

«Ich weiss eigentlich nicht, was an diesem Foto so besonders ist», sagt Franz Wismer und doppelt nach: «Meine Frau fragte mich gar, wo der Zusammenhang bestehe zwischen einer Stadtoase und einer Kirchentür.» Ungeachtet dessen ist die Entstehungsgeschichte des Bildes speziell. Deren Ursprung liegt zwei Jahre zurück. Der heute 71-Jährige hatte an der Medienschule in St. Gallen journalistische Grundkenntnisse erworben und anschliessend ein Kurzpraktikum bei der Wiler Zeitung angetreten. Zu seinen ersten Aufgaben habe ein Rundgang durch die Stadt Wil gezählt, erinnert sich Wismer. «Die Kirche St. Nikolaus hat mir einfach gefallen, und so sind die Fotos entstanden.»

Dass die Aufnahmen die Zeit überdauert haben, ist hingegen alles andere als selbstverständlich. «Nach einem Sturz mit offenem Laptop und dem Entsetzen über den geborstenen Bildschirm glaubte ich die Bilder verloren.» Es gelang ihm, die Dateien zu retten. Drei Fotos vom damaligen Stadtrundgang habe er für den Wettbewerb der Kantonalen Denkmalpflege eingereicht. Am letzten Tag, wie er schmunzelnd sagt. Dies, nachdem der Versuch, das Portal in noch besserer Qualität neuerlich zu fotografieren, an der laufenden Kirchenrenovation gescheitert war. «Mein Ziel war ein Platz unter den besten 50 – damit eines meiner Bilder ins Taschenbuch Eingang findet, in dem die fotografischen Eindrücke der kantonalen Stadtoasen zusammengefasst wurden.

200 Fotos aus dem ganzen Kanton

Die Bekanntgabe der Sieger erlebte Franz Wismer am Freitag schreibend. Als Korrespondent eines lokalen Online-Mediums hatte er über den Kickoff-Anlass zu den Europäischen Tagen des Denkmals im Hof zu Wil zu berichten. «Verschiedene Referenten sprachen über <Stadtgrün> und <Aussenräume der Altstadt>, erzählt Wismer. Schliesslich seien dann die Gewinner des Fotowettbewerbs «Stadtoasen» bekanntgegeben worden. 200 Bilder hatte die St.Galler Bevölkerung in den Monaten Juni und Juli zur Prämierung eingereicht.

«Ich notierte den Namen des Drittplazierten, des Zweitplazierten und setzte den Stift für jenen des Siegers an: der fiel mir dann fast aus der Hand.» Im Nachhinein ist dem Flawiler das Ganze fast ein bisschen peinlich: «Ich hätte gern einige Worte gesagt, mich wenigstens anständig bedankt – aber ich war so perplex, verstand nur <Bahnhof>.» Fotografieren gehört zu Wismers Hobbies – seit seinem 12. Lebensjahr, als er mit einer einfachen Agfa-Lochkamera erste Bilder auf Film gebannt hatte. Später, in den 60er-Jahren, sagt er, habe er Super-8-Filme gedreht, dabei auch das bildliche Sehen gelernt.

500 Franken als Siegerprämie

Nie hatte Franz Wismer mit seinen Aufnahmen an einem Wettbewerb teilgenommen – bis zum Frühling dieses Jahres. «Im April gewann ich – nach einer Publikation im Gemeindeblatt <Flade> – einen Flade. Für den zweiten Wettbewerbserfolg gibt es nun Bares: 500 Franken. Was Franz Wismer mit dem Geld anfangen will, weiss er noch nicht. Eine neue Kamera kaufen? «Das habe ich zuvor schon getan», sagt er.