FLAWIL: Onlineshop zum Geburtstag

Der Grundstein der Firma Heiz & Co. liegt im Oberdorf. 1877 wurde dort das gleichnamige Eisenwarengeschäft eröffnet. Heute, drei Generationen später, macht Urs Heiz sein Unternehmen fit für die Zukunft.

Andrea Häusler
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Das Spielwarengeschäft von einst. Im Kinderstuhl vorne rechts: Der heutige Inhaber Urs Heiz, hinten links seine Schwester.

Das Spielwarengeschäft von einst. Im Kinderstuhl vorne rechts: Der heutige Inhaber Urs Heiz, hinten links seine Schwester.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Landwirtschaftliche Geräte, Eisenwaren, Haushaltsartikel und schliesslich Spielzeug: Heiz & Co. verkaufte in den vergangenen 140 Jahren alles. Geblieben sind die Baby- und Spielwarenartikel. Die besorgten hier schon die Urgrossmütter der heutigen Kleinkinder und da kauft auch die junge Elterngeneration. Dennoch sagt Urs Heiz, Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens: «Die Zeit ist schwierig, der Wettbewerb hart.» Den Umsatz zu halten, sei eine Herausforderung. Zwar sei die Konkurrenz durch den internationalen Onlinehandel in der Schweiz noch weniger spürbar als beispielsweise in Deutschland, doch werde dies in naher Zukunft ändern. Eine Entwicklung, der Urs Heiz mit gemischten Gefühlen entgegenblickt. «Ich bin kein Computermensch, schätze den Kontakt mit Menschen, die Beratung von Angesicht zu Angesicht», sagt er ohne zu verschweigen, dass auch der Umgang mit Kundinnen und Kunden bisweilen anspruchsvoll sei. Früher, sagt er, habe sich die Kundschaft beraten lassen, dem Fachpersonal vertraut, sich entschieden und gekauft», sagt er. Heute seien Kaufinteressierte vermehrt «Google»-informiert: über die Artikel und die Online-Bestprices. «Es kommt gar vor, dass unsere Beratung beansprucht wird, dann die Stichcodes auf den Verpackungen fotografiert werden, um die Ware anderswo zu bestellen», sagt Heiz und ergänzt emotionslos: «Das ist halt einfach so.»

Wenn Expansison, dann regional

Trotz alledem könnte er sich eine Zukunft als «nur Onlinehändler» nicht vorstellen. «Wenn Wachstum, dann läge mir die Eröffnung einer weiteren Filiale doch eher näher», sagt er. Den Entscheid, im März 2015 nach Wattwil zu expandieren hat er jedenfalls nicht bereut. Auch die Konzeptänderung habe sich bewährt, sagt Urs Heiz. Vom Verkauf der sogennanten Erstausstattung habe man sich – nicht zuletzt aufgrund der begrenzten räumlichen Möglichkeiten – verabschiedet und stattdessen auf ein Sortiment gesetzt, das die Eltern dann anspricht, wenn das Kind geboren ist. Positiv seien zudem die Synergien, die sich mit dem zweiten Standort ergeben hätten. Heiz beschäftigt in Wattwil übrigens eine Vollzeitangestellte, drei Teilzeitmitarbeitende und eine Lernende.

Online mit rund 60000 Artikeln

Dennoch kann und will sich auch Urs Heiz der digitalen Zukunft nicht verschliessen. Vedes, die Fachhandelsorganisation für Spiel und Freizeit in Europa, biete eine Onlineshop-Lösung an, der sich die Händler anschliessen können. Das Angebot hat Urs Heiz aufgrund des professionellen Auftritts, der oganisatorischen Abläufe und des vergleichsweise bescheidenen personellen Aufwandes überzeugt. Bis Ende Oktober soll der Shop aufgeschaltet sein: «Rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft», wie Heiz betont. Das Angebot wird rund 60000 Artikel umfassen. Ein beträchtlicher Teil der online reservierten bzw. gekauften Artikel werde wohl im Laden abgeholt, glaubt er und beruft sich dabei auf Erfahrungen von Branchenkollegen. Wobei auch der Versand aufgrund der Nähe zur Post kein Problem sei.

Heiz & Co im Wandel der Zeit

Bei der Firmengründung vor 140 Jahren war die Welt noch überschaubarer. Urs Heiz schlägt zwei Alben auf, in denen sein Vater die Firmengeschichte, aber auch die Dorfentwicklung dokumentiert hat: Alte Postkarten, Zeitungsausschnitte, Inserate, Rechnungen, Bewilligungsschreiben und Grundbuchauszüge füllen die Seiten. Heiz & Co hat sich im Gleichschritt mit der Zeit entwickelt: in Bezug auf die Verkaufslokalitäten wie auch auf das Sortiment. Zu den Eisenwaren und landwirtschaftlichen Geräten hatten sich mit dem Umzug von der Enzenbühlstrasse 2 an die Bahnhofstrasse 27 zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Haushaltsartikel gesellt, Anfang der 1970er-Jahre – unter der Ägide von Urs Heiz’ Vater – dann eben auch Spielwaren. «Nach dem Umzug in den Neubau «Bahnhofstrasse 25» im Jahr 1994 wurde die Verkaufsfläche gedrittelt», erinnert sich Urs Heiz: In Bereiche für Eisenwaren, Haushaltsartikel und Spielwaren. Wobei sich der Haushalt am wenigsten lang gehalten habe. Die Eisenwaren wurden schliesslich an Mitbewerber Markus Kleger verkauft: Aus Rentabilitätsgründen und, weil Baby- und Handwerkszubehör nicht zueinander passten, wie Urs Heiz rückblickend begründet.