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FLAWIL: Nie eine Bewerbung geschrieben

Höhere Verdienst- oder Karrierechancen, kürzere Wege, bessere Vereinbarkeit mit der Familie oder ein netterer Chef: Es gibt viele Gründe für einen Jobwechsel. Nicht für Beat Hirt. Er ist «seiner» Firma 45 Jahre lang treu geblieben.
Andrea Häusler
Am Gründonnerstag wird Beat Hirt seinen Arbeitsplatz räumen: nach 45 Berufsjahren im selben Unternehmen. (Bild: Andrea Häusler)

Am Gründonnerstag wird Beat Hirt seinen Arbeitsplatz räumen: nach 45 Berufsjahren im selben Unternehmen. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Noch 27 Arbeitstage, dann ist Schluss. Am Gründonnerstag wird Beat Hirt letztmals an seinem Arbeitsplatz in der Werkhalle der Büchler Reinli + Spitzli AG anzutreffen sein, letztmals nach fast 45 Jahren. Über seine Pensionierung und das Leben danach mag der gelernte Mechaniker keine grossen Worte verlieren. Obwohl er sich über die Zukunft als Pensionär sehr wohl Gedanken gemacht hat. Velotouren mit seiner Frau könnte er sich vorstellen, die eine oder andere Ferienreise auch. «Dinge, die ich heute mache, wenn ich Zeit habe und künftig tun kann, wenn ich will», sagt er. Langweilig wird es dem dreifachen Grossvater ohnehin nicht. Seit dreissig Jahren ist Beat Hirt rund um sein Zuhause als Abwart tätig. Die Aufgabe möchte er nicht aufgeben.

All die Pläne sind im Kopf gereift, jedoch nicht im Herzen angekommen. Jenes schlägt nach wie vor für das Unternehmen, in das der Bauernbub aus Mogelsberg im Jahr 1973 fast ein bisschen zufällig eingetreten ist. «Ich machte bei Gustav Schmid in Necker eine Lehre als Mechaniker», erzählt Beat Hirt. Da habe ihn ein Kollege aus dem Turnverein Mogelsberg auf die freie Stelle bei der René Büchler AG in Flawil aufmerksam gemacht. Der Betrieb war damals schon an der Wilerstrasse domiziliert, allerdings verborgen hinter einer vorgelagerten Autogarage.

Der Kontakt sei rasch zu Stande gekommen und bereits zwei Tage später habe er die Firma besichtigen können. «Es war im Januar und am 9. April hatte ich meinen ersten Arbeitstag», erinnert sich Hirt und schiebt schmunzelnd nach: «Ich habe in meinem ganzen Leben nie eine Bewerbung geschrieben.»

«Ich stehe jeden Morgen gern auf»

Beat Hirts Berufsjahre waren bewegte. Nicht nur wegen der technischen und technologischen Entwicklungen, die ihn immer wieder aufs Neue forderten, aber auch förderten. Anfänglich, sagt er rückblickend, habe es noch keine computergesteuerte Maschinen gegeben. Sämtliche Fertigungsvorgänge seien manuell «geordert» worden. Gern erinnert er sich an die erste CNC-gesteuerte Maschine, die 1977 in Betrieb genommen wurde. Zunächst sei sie – ohne PC notabene – von einem älteren Mitarbeiter programmiert worden. Dann habe er diese Aufgabe übernehmen dürfen: «Das war eine riesige Motivation.» Schwergefallen ist ihm das Schritthalten mit der Zeit nie: «Man ist in die wechselnden Herausforderungen immer wieder hineingewachsen.»

Nebst den mannigfaltigen organisatorischen und technologischen Veränderungen war Hirts Berufsleben von mehreren Firmenverkäufen und Restrukturierungen begleitet. Ob Büchler, Blaser, Geberit oder Scherrer, Hirt hat unter all seinen Arbeitgebern gern gearbeitet. Die Wechsel habe man an der Basis auch nicht wirklich gespürt, sagt er. Immer schon sei viel gearbeitet worden, wobei der Termindruck in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

Am Ende seines Erwerbslebens resümiert Beat Hirt: «Ich hätte nie in einem anderen Beruf arbeiten wollen. Noch heute stehe ich jeden Morgen gern auf.»

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