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FLAWIL: Naturstrom für 120 Haushalte

Das Kleinkraftwasserwerk Buchholz, unterhalb der Burgruine Helfenberg an der Glatt gelegen, produziert seit zehn Jahren Strom. Im November 2006 ging es nach einer Totalsanierung der Staumauer ans Netz.
Johannes Rutz
Der verlandete Weiher hinter der Staumauer ist heute eine Auenlandschaft von nationaler Bedeutung. (Bilder: Johannes Rutz)

Der verlandete Weiher hinter der Staumauer ist heute eine Auenlandschaft von nationaler Bedeutung. (Bilder: Johannes Rutz)

Johannes Rutz

redaktion@wilerzeitung.ch

Betreiber der Anlage ist die Glattstrom-Buchholz AG mit Beteiligung der auf Kleinkraftwerke spezialisierten Firma Entegra Wasserkraft AG, St. Gallen. Rückblickend auf die ersten zehn Betriebsjahre freut sich Geschäftsführer Ivo Scherrer über den ­erfolgreichen Start: «Trotz anfänglichem Widerstand konnte das Kleinkraftwerk umgebaut und in Betrieb genommen werden. Nebst der umweltfreundlichen Produktion von Strom für rund 120 Haushalte konnte die Auenlandschaft hinter der Staumauer, die ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung und auch ein Biber-Habitat ist, erhalten werden.»

Stauanlage ursprünglich für eine Mühle gebaut

Das Kleinkraftwerk Buchholz hat eine lange Geschichte. Der Müller Victor Eberle baute 1892 eine Stauanlage, um seine Mühle, die in der Nähe der heutigen SBB-Brücke stand, mittels einer 700 Meter langen Druckleitung mit Wasserkraft zu versorgen. Hinter der Staumauer entstand ein Weiher, der sogenannte «Eberle-Weiher». Wegen eines Brandes war es aber bereits 1919 mit der Mühle vorbei. Während 87 Jahren wurde kein Strom mehr produziert, der Weiher verlandete und die nicht mehr gewartete Staumauer wurde immer mehr zum Problem. Abbrechen oder Sanieren, das war die Frage.

Die Entegra Wasserkraft AG formulierte eine Projektidee für den Erhalt der Stauanlage und eine gleichzeitige Nutzung der Wasserkraft. Da der Weiher nicht mehr existierte, kam nur ein Laufkraftwerk in Frage. Die Leistung des Kraftwerks hängt von der Wassermenge und der Fallhöhe ab. Da die Fallhöhe sich nicht ändert, variiert die Leistung in Abhängigkeit vom jeweiligen Abfluss der Glatt.

Gleich in mehrfacher Hinsicht hatte die Sanierung Pilotcharakter. Zum einen wurden zwei einfach regulierte Propellerturbinen eingesetzt, welche nach Modellversuchen an der Universität Stuttgart in Indonesien gefertigt wurden. Zum anderen wurde erstmals in der Schweiz eine Fischschleuse eingesetzt. Diese hat sich in qualitativer Hinsicht bewährt. Erstmals wurde auch eine neuartige Hochwasserentlastung in die Staumauer eingebaut. Es handelt sich um eine zentrale Kaskadenschussrinne, womit auf den Ausbau des Tosbeckens verzichtet werden konnte. Die Anlage wird von Betriebswart Jakob Looser umsichtig betreut.

Zugesicherte KEV-Beiträge bis ins Jahr 2031

«Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre erzielten wir jährlich 530000 kWh», sagt Ivo Scherrer zur Stromproduktion. «Das ist ein guter Wert. Das anfänglich prognostizierte Ziel von 680000 kWh war zu optimistisch.» Nach wie vor ein Problem seien die Zuflüsse aus dem Wis­senbach, die seit dem sehr trockenen Jahr 2003 auf weniger als 50 Prozent des langjährigen Mittels zurückgegangen seien.

Entscheidend für die Finanzierung ist die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes. Dem Kleinkraftwasserwerk Buchholz wurde diese für 25 Jahre zugesichert, also bis 2031. Die KEV ist produktionsabhängig: je mehr produziert wird, desto kleiner fällt sie aus. 2016 bekam die Glattstrom Buchholz AG für 569325 verkaufte Kilowattstunden einen Betrag von 141277 Franken, was einem durchschnittlichen kWh-Tarif von 24,8 Rappen entspricht. Die KEV sei bedeutend für die Rentabilität des Unternehmens, betont Scherrer. «Mit dieser garantierten Entschädigung können die Betriebskosten gedeckt und die betriebswirtschaftlich notwendigen Abschreibungen während der KEV-Dauer getätigt werden. Dies ist wichtig im Hinblick auf den Fortbestand der Anlage bis zum Ende der Konzessionsdauer.»

Bald werden Reinvestitionen nötig

Mit Blick in die Zukunft sieht Ivo Scherrer grosse Herausforderungen. Bald werden Reinvestitionen nötig, zum Beispiel der Ersatz der Steuerung, allenfalls der Einbau einer Stauklappe für das Geschiebe und das Erstellen eines Notfallkonzeptes. Anspruchsvoll sind immer neue staatliche Vorschriften. Neu wird die Reaktivierung des Geschiebehaushaltes gefordert. Unterhalb der Staumauer Buchholz gibt es keine Geschiebezufuhr, weil es im verlandeten Weiher zurückbehalten wird. Es besteht nach Ansicht des Amtes für Umwelt und Energie ein ausgeprägtes Geschiebedefizit. Nach Meinung der Experten würde eine Reaktivierung des Geschiebehaushaltes eine Aufwertung der Morphologie der Glatt bedeuten (Bildung neuer Kiesbänke etc.).

Weil die Geschiebefront sich jedoch auch ohne Massnahmen bereits auf weniger als 100 Meter vor der Stauanlage angenähert hat, sollte gemäss den Verantwortlichen des Kleinkraftwerkes abgewartet werden, bis das Geschiebe auf natürliche Weise die Staumauer passierte. Dies umso mehr, da der Einbau einer Stauklappe die natürliche Auendynamik und damit den Lebensraum der Amphibien beeinflussen könnte.

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