FLAWIL: Missgeschicke «made in Flawil»

13 Lokale luden am Schmutzigen Donnerstag zur Beizenfasnacht mit Guggenmusik, Schnitzelbank und fasnächtlicher Stimmung. Diese war in den besuchten Lokalen vorhanden, die Fasnachtsliebhaber kamen auf ihre Kosten.
Zita Meienhofer
Die Saitenspringer bringen Stimmung in die Flawiler Lokale. (Bilder: Zita Meienhofer)

Die Saitenspringer bringen Stimmung in die Flawiler Lokale. (Bilder: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Beizenfasnacht in Flawil – das heisst: vor allem Schnitzelbänkler und Guggenmusiken. Die Dekorationen in den Beizen sind eher spärlich, Verkleidete ebenso. Eine Ausnahme bildete die Wunder-Bar des Kulturvereins Touch im alten Feuerwehrdepot am Flawiler Marktplatz. Diese war mottogetreu als Piratenbar eingerichtet und dekoriert worden und auf der grossen weissen Wand waren Zusammenschnitte verschiedener Piratenfilme zu sehen. Die Stimmung allerdings, die war überall ausgelassen und fidel. Der Pegel stieg jeweils noch beim Auftritt der Flawiler Saitenspringer. Dann wurde gesungen, geschunkelt und in die Hände geklatscht.

Die Kunst der Flawiler Schnitzelbänkler

Ruhiger wurde es, wenn die Schnitzelbank-Gruppen die Lokale betraten. Schliesslich wollte gehört werden, was diese zu sagen haben, wie sie die Fehltritte, die lustigen oder peinlichen Vorkommnisse in sehr wenige Worte fassen und mit einer Pointe versehen, die eine verblüffende Wendung gibt. Flawil hat zwei einheimische Schnitzelbank-Gruppen. Da sind die Brääseli, die seit etwa 20 Jahren am Schmutzigen Donnerstag in Flawils Beizen unterwegs sind und fast ausnahmslos über Ereignisse in und um Flawil berichten. Sie haben während des Jahres Augen und Ohren offen gehalten und besondere Vorkommnisse in Reimform aufnotiert, mit Helgen (Plakaten) ausgarniert und zu einer Melodie serviert. Gemeinderat und Politiker kriegten ihr Fett weg, ebenso waren es Privatpersonen – wie Helene Stüdli und Urs Schärli. Sie nahmen es mit Humor, denn sie wissen, dass es eine Ehre ist, Inhalt einer Schnitzelbankstrophe zu sein.

Üsi Gmeind tuet überall Parkplätz vernichte, nur no Pflaschterstei und grüne Chopfsalat. Doch bim Gruner-Wepf goht da mitnichte, denn dä ganzi Platz isch döt privat! Bi dä Planig meh studiere

wör so Stumpfsinn nöd passiere. Niemert weiss, wem do dä Bodä ghört. D’Helene Stüdli tuet am Herbscht- markt flink bediene,

ihre Chunde flott am Öpfel- stand. Sie tuet schwätze und au gern chli karisiere, während s’E-Bike bewacht dä Jahrmarktstand. Es ist würkli chum zum glaube, aber es git so frechi Cheibe,

Chlauet ihres Bike direkt vom Stand.

Dä Urs Schärli mues än Gascht abhole, abgmacht z’Gossau uf äm Bahnhofplatz. Sie stiegt ii, er fahrt ab, dä Verkehr mues rolle,

do merkt er glie, das isch die falschi Chatz. Schnell führt er sie z’rugg zum Bahnhof. Chrüzt es Auto vo dä Migros.

Wer stiegt us? S’isch das verwechslet Girl.

Bekannt, auch ausserhalb Flawil, sind die Alliglattohre, die ebenfalls in der Region und vor allem in der Kantonshauptstadt unterwegs sind. Ihre Verse beinhalten lokale, nationale und internationale Themen. Da sie zu zweit unterwegs sind, haben sie ihre Verse vereinzelt als Dialoge geschrieben – ein witziger Effekt. Sie nehmen unter anderem Flawiler oder Flawiler Ereignisse aufs Korn, ebenso den FC St. Gallen oder die MeToo-Debatte.

Im Feld mönd’s Goll-Orgle saniere.

D’Pfife sind scho am verroschte.

Jetzt sind’s am Pfifespende sueche

zur Deckig vo de hoche Choschte.

Do meldet sich de FC Flowil:

Me wöll die Gool-Orgle grad

poschte.

Dä Mischa i dä «Manechuchi»,

da händ ali wöle gaffe.

Er hät en Megaboom usglöst.

Jede will als Choch go schaffe,

wennt gsesch, dass durend Wi chasch trinke

und entspannt Zigarre paffe.

Mit em Hüppi holt San Galle

jo en Art en Übervater.

Denn holeds au no grad dä Sutter.

Dä SRF-Direktor Matter

seit: «Wenn ihr so wiitertschutted,

gib i eu au no dä Bestatter.»

Mer zwei sind d’Alliglattohre.

Alls seit, mer heget kei Humor – äh!?

A üsem Uftritt s’einzig schöni

seg, dass me üs am Schwanz zieh chöni.

I lide drunder – säg, und du?

Wie got’s der demit? Me too!

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