FLAWIL: Mehr als ein durchgeknallter Flug um den Globus

In 12 Tagen die Welt umrunden, 55 Stunden im Flugzeug und 25 Stunden in Wartehallen verbringen. Wer tut sich das an? Michael Hug, Journalist und Autor aus Degersheim. Morgen ist er Gast im «Kulturpunkt» Flawil.

Andrea Häusler
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Das Projekt «aroundtheworld« ist alles andere als eine gewöhnliche Reise um die Welt. Solche hat es bereits gegeben, ungewöhnliche auch. Und es ist, wie der Degersheimer Autor und Reisejournalist Michael Hug selber sagt «viel mehr ein etwas durchgeknallter Flug um den Globus». Von Degersheim nach Degersheim – hintenrum. Von Zürich über Kiev, Bangkok, Kuala Lumpur, Sydney, Honolulu, New York, Toronto, Ponta Delgada und Lissabon zurück nach Zürich. In 12 Tagen rund um die Kugel, davon 55 Stunden in der Holzklasse von zehn Flugzeugen. Zehn Städte, zehn Zwischenlandungen, fünf Übernachtungen auf 30000 Fuss, sechs Hotelübernachtungen, 2 Äquatorüberflüge, 41200 Kilometer in der Luft.

Michael Hug, für die meisten Touristen ist der Flug ein notwendiges Übel, der Preis für schöne Ferien. Warum tut man sich eine solche Reise freiwillig an?

Wenn man etwas wissen will, muss man was tun dafür. In diesem Sinne habe ich mir das nicht «angetan», sondern meine Neugierde befriedigt. Es nahm mich wunder, ob das geht, in welcher Zeit, was das kostet, und was man dabei erlebt. Und man erlebt natürlich schon etwas, ich könnte problemlos drei Stunden ohne Unterbruch davon erzählen und es würde nie langweilig.

Und, was hat es gekostet?

1248 Franken.

Fliegen ist billig geworden. Diese Feststellung hätte sich auch einfacher untermauern lassen. Die meisten Flugtarife sind im Internet abrufbar.

Die Preise, die die Gesellschaften oder die Suchmaschinen angeben, sind oft Lockvogelpreise, zum Teil nur zu bestimmten Gelegenheiten gültig, oder unvollständig, da immer noch das Eine oder Andere dazukommt. Ein Beispiel ist die Kreditkartengebühr. Die erscheint oft erst beim zweitletzten Schritt der Online-Buchung. Solche Fallen und Fälleli gibt es einige und man sieht – oder spürt – sie erst, wenn man die Buchung abschliesst und also fliegt. Der von mir ermittelte Preis schliesst darum nur die Kosten für das Ticket ein, da kommt noch einiges dazu, zum Beispiel Sitzplatz-Reservation, Bordunterhaltung, Rotwein oder Mahlzeiten, und die Schlaftabletten...

Keine Lust gehabt, die Weltreise mit Aufenthalten zu unterbrechen, die «bereisten» Länder kennenzu- lernen?

Sagen Sie einem Marathonläufer, er solle sich doch die Schönheiten am Weg ansehen. Es ging mir ja nicht um das Kennenlernen der Länder, sondern um den Trip. Ich wollte den Trip erleben – der Weg war das Ziel. Die Orte kann ich noch bei anderer Gelegenheit besuchen oder ich habe ich schon besucht.

1248 Franken sind für Flugtickets um die Welt nicht viel. Für einen 12-tägigen Stresstrip aber schon. Haben Sie dem Geld nie nachgetrauert??

Es war überhaupt kein Stress. Die Umsteigezeiten habe ich grosszügig berechnet, ich musste nie rennen. Die Fluggesellschaften sind nicht derart zuverlässig, dass man mit minimalsten Umsteigezeiten planen kann. Aber das weiss man ja, zwei Stunden braucht es immer, man könnte auch in einer Kontrolle hängen bleiben oder man muss den Flughafen wechseln. Solche Unwägbarkeiten muss man einplanen. Das Geld sehe ich als Investition zur Recherche.

Was ist Ihnen von der Reise oder dem «Projekt» persönlich geblieben?

Überraschende Geschichten und die Einsicht, dass man, wenn man um die Welt fliegt, nicht einen Tag älter ist als die Hiergebliebenen, obwohl man ständig der Zeit vorausfliegt.

Was sollen die Zuhörerinnen und Zuhörer im Kulturpunkt mitnehmen?

Dass man es nicht unbedingt nachmachen muss. Man soll aber auch sehen, dass die Fliegerei nicht per se zu verdammen ist. Nach dem Vortrag möchte ich mit dem Publikum über den Sinn und Unsinn des Fliegens diskutieren.

Fliessen die gemachten Erfahrungen in ein Buch ein?

Ja, sie bilden voraussichtlich die Leitgeschichte im sechsten Buch, das dann vermutlich «Rockaroundtheworld» heissen wird. Zuerst, also nächstes Jahr, kommt erst mal «Sakartwelo», meine Erlebnisse in Georgien und Indien.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Hinweis

«In 12 Tagen um die Welt für 1250 Franken» - Vortrag und Diskussion von und mit Michael Hug, Donnerstag, 30. November, 20.30 Uhr, Kulturpunkt Flawil.