Flawil
Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen über seine Arbeit: «Die Schnelligkeit der Informationen ist wichtiger geworden als die Qualität»

Der Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen sprach am Freitag am Martini-Forum in Flawil darüber, wie Videos oder soziale Medien die Kommunikation verändert haben.

Josef Bischof
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Hanspeter Krüsi arbeitet schon viele Jahre als Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei.

Hanspeter Krüsi arbeitet schon viele Jahre als Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei.

Bild: Josef Bischof

In der Information sei Schnelligkeit wichtiger geworden als Qualität, sagte Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, am Martini-Forum vom Freitag. Auf Einladung des Jungunternehmerzentrums haben sich am Freitagmorgen rund 80 Personen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im Lindensaal in Flawil eingefunden. Nach dem gemeinsamen Frühstück standen Ausführungen von Hanspeter Krüsi im Mittelpunkt. Kaum einer kennt «Kommunikation als Gratwanderung» – so der Titel des Referats – besser als er. Krüsi hat jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet.

Aurelio Zaccari, Gemeindepräsident von Waldkirch und Präsident des Trägervereins, begrüsste zum 17. Forum. Im letzten Jahr waren das Forum und das 20-Jahr-Jubiläum der Jungunternehmerzentren den Corona-Einschränkungen zum Opfer gefallen.

Kommunikator im «Schaufenster»

Mit Hanspeter Krüsi war sozusagen das «Aushängeschild der Kantonspolizei» als Referent engagiert worden. Der Mediensprecher ist recht häufig im Fernsehen zu sehen. Krüsi ist sich bewusst, dass er mit seinen Auftritten und Aussagen wesentlich das Bild prägt, welches die Öffentlichkeit von der Polizei hat. Es war deshalb aufschlussreich zu erfahren, nach welchen Grundsätzen die Polizei ihre Öffentlichkeitsarbeit ausrichtet.

Die Medienlandschaft habe sich seit der Jahrtausendwende grundlegend verändert. Dafür verantwortlich seien die sozialen Medien. «Heute ist nicht mehr ‹Halifax›», stellte Krüsi fest. Damit erinnerte er an die grösste Flugzeugkatastrophe der Swissair im Jahr 1998. Vor gut 20 Jahren habe es noch genügt, dass die Sprecherin der Swissair, Beatrice Tschanz, jeweils dann vor die Medien getreten sei, wenn etwas Neues zu verkünden gewesen sei.

Digitalisierung schafft neue Situation

Im Zeitalter der digitalen Medien werde nicht mehr geduldig auf neue Nachrichten gewartet. Zum einen verfüge fast jedermann über ein elektronisches Gerät, mit dem Fotos und Videos aufgenommen werden könnten. Über soziale Medien vernetzt, liessen sich Text- und Bildbotschaften auch ohne Zeitverzögerung beliebig verbreiten.

Medien, vor allem Boulevardmedien, warteten bei speziellen Ereignissen nicht mehr auf offizielle Verlautbarungen. Zum Teil würden sie ihnen durch Leser in Erwartung eines Honorars zugeschickt. In konkreten Fällen gingen sie aber auch selber auf das Publikum zu. Krüsi sagte:

«Dabei steht nicht mehr die Qualität der Information im Zentrum. Entscheidend ist die Schnelligkeit.»

Durch eine reisserische Vermutung lasse sich die Brisanz und damit der Beachtungsgrad einer Nachricht noch erhöhen. Sehr schwierig sei es, Unzutreffendes im Anschluss zu korrigieren, und fast unmöglich, es wieder aus der Welt zu schaffen.

Kommunikation als Kunst

Die Annahme, Kommunikation könne man intuitiv, sei ein Trugschluss. Gemäss Krüsi verlangt die heutige Situation von jedem Unternehmen, sich auf die Kommunikation in schwierigen Situationen vorzubereiten. In jedem Fall gelte:

«Wer nichts sagt, gibt die Kommunikation aus der Hand.»

Anfragen erachtet Krüsi für jedes Unternehmen als Chance. Dabei sei es nicht nötig, in jedem Fall alles zu sagen. Aber alles, was gesagt werde, müsse wahr sein. Die Auskunftsperson müsse nicht unbedingt der Chef sein. Sie müsse aber über vollständige Kenntnisse zum Vorfall verfügen und über eine Strategie zur Auskunftserteilung verfügen. Kommunikation, so Krüsi abschliessend, könne und müsse vorbereitet und geübt werden.

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