Flawil bewilligt Kindergarten-Sanierung, lehnt aber den Verkauf der Liegenschaft St. Gallerstrasse 62 ab

Flawils Stimmberechtigte haben an der Bürgerversammlung vom Dienstag das Budget 2021 genehmigt und der Sanierung des Kindergartens Wisental zugestimmt. Keine Mehrheit fand hingegen der beantragte Verkauf der Liegenschaft an der St. Gallerstrasse 62.

Andrea Häusler
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171 Stimmberechtigte oder 2,8 Prozent beteiligten sich an der Bürgerversammlung vom Dienstagabend im Flawiler Lindensaal.

171 Stimmberechtigte oder 2,8 Prozent beteiligten sich an der Bürgerversammlung vom Dienstagabend im Flawiler Lindensaal.

Bild: Andrea Häusler

Das Budget 2021 ist in trockenen Tüchern. Dieses rechnet bei Einnahmen und Ausgaben von je rund 57 Millionen Franken mit einem Defizit von 152200 Franken, was knapp einem Steuerprozent entspricht. Wie vom Gemeinderat beantragt, bleibt der Steuerfuss bei 133 Prozent, der Grundsteuersatz bei 0,8 Promille. Selbstverständlich ist die mehrheitliche Zustimmung der Bürgerversammlung allerdings nicht. Wobei am Dienstag insbesondere der Steuerfuss zu reden gab. «Angesichts der Millionen-Überschüsse aus den Vorjahren, der 2,75 Millionen Franken schweren Steuerausgleichsreserve sowie der Tatsache, dass Flawil schuldenfrei ist, wäre eine Steuerfusssenkung auf 128 Prozent verkraftbar, votierte Otto Frei. Sein Antrag fand zwar viel Zustimmung, aber keine Mehrheit.

Liegenschaftenstrategie gefordert

Unattraktiv war das Kaufangebot für die Liegenschaft an der St. Gallerstrasse 62 nicht. 3,12 Mio. Franken hatte die Aventas AG aus Herisau für das früher von der Spitex und weiterhin von «Buecherwäldli»-Wohngruppen belegte Objekt geboten – bei einem Verkehrswert von 2,57 Mio. Franken. Die langfristig gesicherten Mieterträge (150000 Franken/Jahr) waren nur ein Argument gegen den Verkauf. Mehrfach wurde votiert, die Räume könnten – entgegen der Aussage des Gemeinderats – sehr wohl von öffentlichem Nutzen sein. Kritisiert wurde schliesslich auch das Fehlen «einer schlüssigen Liegenschaftenstrategie» – einer Übersicht über den Zustand, die Lage, die Unterhalts- und fälligen Investitionskosten aller Gemeindebauten. Die Abstimmung zeigte ein klares Resultat: Die 171 Stimmberechtigten (2,8 Prozent) schickten die Vorlage bachab.

Mit Herzblut Ja zum Kindergarten

Mit Herzblut Ja zum Kindergarten 1,98 Mio. Franken soll die Sanierung des Kindergartens Wisental kosten. «Fast zwei Millionen für die Erneuerung eines nicht schützenswerten Hauses, für ein Flickwerk voller Kompromisse, wenn für 3,8 Millionen ein Neubau mit gefahrlosem Zugang gebaut werden könnte?», wurde gefragt. Ja, fand die überwiegende Mehrheit der Anwesenden. Den Fortbestand dankt das Gebäude wohl seiner Ausstrahlung und dem emotionalen Wert, das es für viele eingesessene Flawiler hat. Mit Ersterem argumentierte auch der Gemeinderat. «Die Sanierung erfüllt die Bedürfnisse der Lehrpersonen und der Kinder», betonte Gemeindepräsident Elmar Metzer. Zudem sorge das prägnante Haus mit seinem Charme für ein behagliche Wohlfühlatmosphäre.

Drehscheibe Turnhallen-Projekt «Feld»

Die Umfrage drehte sich fast ausschliesslich um den Turnhallenneubau im «Feld», über den im Frühjahr abgestimmt wird. Warum zwei Varianten (Doppel- und Dreifachturnhalle) unterbreitet werde, wenn die Vernehmlassung zum Projekt doch das Bedürfnis nach einer Dreifachhalle ergeben habe, wurde gefragt. Metzger nannte einen der Gründe: Die Kostendifferenz von rund zwei Mio. Franken. Am 8. Dezember jedoch werde die Vorlage nochmals geprüft. Auch unter Einbezug der Kritik eines Bürgers, relevante Anliegen aus der Vernehmlassung seien nicht eingeflossen.

Der Oberklaus der Klausgruppe der Kolpingfamilie Flawil, Albert Tanner, (links von Gemeindepräsident Elmar Metzger) wurde mit dem Flawiler Preis 2020 ausgezeichnet.

Der Oberklaus der Klausgruppe der Kolpingfamilie Flawil, Albert Tanner, (links von Gemeindepräsident Elmar Metzger) wurde mit dem Flawiler Preis 2020 ausgezeichnet.

Und was ist mit dem Input der IG Nachhaltige Zukunft Flawil, die Turnhalle aus Holz zu bauen? Laut Elmar Metzger wird sich der Rat demnächst mit Vertretern der IG treffen.

Flawiler Preis für den örtlichen Oberklaus

Im Anschluss an den offiziellen Teil und die Verabschiedung der scheidenden Behördenmitglieder wurde der Oberklaus der Klausgruppe der Kolpingfamilie Flawil, Albert Tanner, mit dem Flawiler Preis 2020 geehrt. Seit 45 Jahren steht der 74-Jährige nunmehr ehrenamtlich im saisonalen Dienst und organisiert mit Herzblut die lokalen St. Nikolausaktivitäten. Über 100 Einsätze leisten er und sein Team jedes Jahr: Besuche in Familien und Schulen, im Spital und im Wohn- und Pflegeheim. Nun will Albert Tanner aber kürzer treten. Zumindest sagte er dies nach der Preisübergabe. Ob es wohl jemand gehört hat?