Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FLAWIL: Kutter und die Kinder des Krieges

Das Toggenburger Jahrbuch 2018 befindet sich im Druck. Vorgestellt wird die jüngste Ausgabe am Freitag, 15. September. Nicht in den Räumen des Toggenburger Verlags in Schwellbrunn, sondern für einmal in Flawil.
Andrea Häusler
1946 erreichte eine Hilfslieferung der Ostschweizer Grenzlandhilfe die Hafenstadt Friedrichshafen. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)

1946 erreichte eine Hilfslieferung der Ostschweizer Grenzlandhilfe die Hafenstadt Friedrichshafen. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Die Wahl Flawils zum Ort für die Buchvernissage fiel nicht zufällig. Immerhin befassen sich im jüngsten Jahrbuch gleich zwei umfassende Text- und Bildbeiträge mit Personen und Ereignissen aus der Flawiler Geschichte. Urs Schärli, Präsident des Vereins Ortsmuseum Flawil, setzt sich über mehrere Seiten hinweg mit der Forscher- und Familiengeschichte der Ameisen-Koryphäe Heinrich Kutter auseinander. Schon wieder, ist man zu fragen geneigt. Zumal das Ortsmuseum erst im Sommer/Herbst 2015 in einer vielbeachteten Ausstellung an den im Jahre 1990 verstorbenen Flawiler Apotheker und Forscher erinnert hatte. Anton Heer, langjähriges Mitglied des Autorenteams des Toggenburger Jahrbuchs, wiegelt ab, spricht von anderen Zugängen und überraschenden Erkenntnissen in Bezug auf das familiäre Umfeld Kutters. Und er stellt auch jenen Leserinnen und Lesern des Jahrbuches Unbekanntes in Aussicht, welche die Ausstellung zum 25. Todestag Kutters besucht hatten.

Kartoffeln aus Flawil für Wiener Bevölkerung

Dem zweiten Flawiler Thema im Jahrbuch hat sich Heer selber gewidmet. Er gewährt Einblick in die Nachkriegsnot und die ostschweizerische Grenzlandhilfe der Jahre 1945–1947, für die sich – und damit schliesst sich der Kreis der Flawiler Jahrbuchtexte 2018 – auch Heinrich Kutter engagiert hatte.

«Kartoffelsammlungen und Schweizer Kinder» lautet die Überschrift des Beitrags, der sich zwar nicht primär mit der Vorgeschichte der Partnerschaft zwischen Flawil und der Stadt Isny beschäftigt, jedoch von dieser inspiriert ist. Die Städtepartnerschaft jährt sich in diesem Jahr bekanntlich zum zwanzigsten Mal und ist aus dem legendär gewordenen Besuchstag von rund 400 Isnyer Kindern im Oktober 1947 entstanden. Wobei die kleinen Gäste aus dem Allgäu weder die ersten in Flawil waren, noch jene, die am längsten blieben. «Bereits ab 1944 vermittelte das Schweizerische Rote Kreuz mehrmonatige Erholungsaufenthalte für Kinder aus Kriegsgebieten. Flawil beherberte zunächst Kinder aus Elsass-Lothringen und Norditalien, später aus Belgien und den Niederlanden», sagt Anton Heer. Zusammenfassend rücken seine Erkenntnisse das heute vorherrschende Geschichtsbild einer abweisenden Schweiz gerade. Während der Aufarbeitung der Geschichte hätten sich Aspekte einer vielfältig helfenden (Ost-)Schweiz herauskristallisiert, betont Heer und verweist, als Beispiel, auf die Belieferung Wiens mit Kartoffeln aus Flawil, Niederbüren und Degersheim. Nachdem es in Vorarlberg zu Versorgungsengpässen gekommen und der Westen Österreichs in Not geraten war.

Briefmarken und ein Coiffeur aus Kirchberg

Nebst den Beiträgen aus Flawil vereinigt das Toggenburger Jahrbuch 13 weitere «Geschichten» aus Toggenburger Gemeinden. Illustrierte Texte, die dem Konzept des Buches entsprechend nicht nur Rückschau haltend sind, sondern «nach allen Seiten blickend, alles aufnehmend, was festgehalten und dargestellt zu werden verdient, seien es aktuelle oder historische Gegenstände, künstlerische oder gesellschaftliche Themen, spektakuläre Ereignisse oder scheinbare Nebensächlichkeiten».

Weitere thematische Schwerpunkte bilden die Toggenburger Herrschaft während des Mittelalters in Graubünden, ein Vergleich der Hausorgelbauer Heinrich Ammann und Melchior Grob, ein Blick in die Welt der Toggenburger Briefmarken und ein Porträt des Kirchberger Coiffeurs, Chronisten und Sammlers Richard Wagner.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.