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FLAWIL: Knallhart und bitterböse

Aus dem Familienalltag gegriffene Situationskomik und ein omnipräsenter roter Faden haben in der Spurbar zum selbstkritischen Schmunzeln angeregt. Christoph Simon nimmt hauptsächlich sich selber auf den Arm.
Christine Gregorin
Auf den ersten Blick wirkt Christoph Simon schüchtern und etwas zerstreut. Nach spätestens fünf Minuten tanzt seine spitze Zunge indes gnadenlos ehrlich auf einem aus reichlich schwarzem Humor gewobenen Teppich. (Bild: Christine Gregorin)

Auf den ersten Blick wirkt Christoph Simon schüchtern und etwas zerstreut. Nach spätestens fünf Minuten tanzt seine spitze Zunge indes gnadenlos ehrlich auf einem aus reichlich schwarzem Humor gewobenen Teppich. (Bild: Christine Gregorin)

Christine Gregorin

redaktion@wilerzeitung.ch

Der mit dezentem Karomuster versehene Anzug und das weisse Hemd plus Krawatte vermitteln zunächst einen schüchternen bis unscheinbaren ersten Eindruck. Christoph Simons hellblaue Augen bilden einen auffallenden Farbtupfer, und das verwuschelte Haar lässt die Manier eines zerstreuten Professors vermuten. Die Monotonie seiner Stimme wird durch den lieblich urchigen, berndeutschen Dialekt gleichzeitig unterstrichen und mehr als wettgemacht.

Gnadenlos ehrlich, knallhart direkt und bitterböse zelebriert seine spitze Zunge im krassen Gegensatz dazu pechschwarzen Humor: Ungewohnt feine, leise Töne, die eher den Intellekt zum selbstkritischen Schmunzeln anregen als zum Schenkelklopfen verleiten.

Wohltuende Selbstironie

Christoph Simons Liebe zum Poetry Slam blitzt konsequent auf. Anstelle von ansonsten in der Comedyszene weitverbreiteten, völlig überzeichneten Fiktivem, punkten banale Fakten aus dem Familienalltag, wie sie wohl sämtliche im Publikum Anwesenden selbst schon hautnah miterlebt haben. Wohltuende Selbstironie, die unerwartete Haken schlägt und dank sporadisch wiederkehrender Analogien den roten Faden letztlich zu einem unterhaltsamen Ganzen verwoben hat. Warum liegen meine Cowboystiefel auf einem Lastwagen, der Richtung Holland unterwegs ist? Wer erbt eigentlich meine Cumuluspunkte? Warum kann ich mit der Dentalhygienikerin nicht einfach Zahnseide häkeln? Wieso sind die grauen Haare an meinen Schläfen plötzlich violett? Weswegen heissen alle meine Mitbewohner Fredy? Fragen über Fragen, die am Freitagabend eine nach der anderen im Saal des Pfarreizentrums St. Laurentius gestellt und nur zum Teil abschliessend beantwortet werden. Ruhe sei eine gute Zeit, um laut zu werden, meint Christoph Simon. Und auch, dass seine Kinder – zehn, acht und fünf Jahre alt – hypothetisch als potenzielle Nierenspender gesehen werden können. Überhaupt hätten all seine männlichen Vorfahren Kinder bekommen, ohne dies wissentlich zu wollen.

Dementsprechend wertet er das Kinderkriegen als vermeintliche Erbkrankheit. Vielleicht bezeichnet er sie deshalb folglich als «meine Brut» und deren Mutter, die in einem separaten Haushalt lebt, als «meine Gefährtin».Nachdem seine eigene Mutter mit Hilfe einer Nachbarin mit Scheidungshintergrund endlich auf den Geschmack gekommen ist, zieht «ein Fremder, den ich viel zu gut kenne», sprich sein Vater, bei ihm ein – versprochen nur vorübergehend. Prompt wird das Thema «wie werde ich einen zu nahen Verwandten los?» bald aktuell.

Sekundenkleber als Wiedergutmacher

Obwohl er für sich selber gerne zweite Chancen einfordert, ist Christoph Simon nicht oder bloss sehr selten gewillt, anderen eine solche zu gewähren. Kein Wunder, lautete seine persönliche Reparaturstrategie doch anschreien, draufhauen und Sekundenkleber.

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