Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FLAWIL: Gesüsstes Risiko

Regale voller Schokolade und anderer süsser Verlockungen reihen sich in den Läden. Die Auswahl wird immer grösser, zugleich werden die Ideen verrückter. Innovation betreibt die Schokoladefabrik Maestrani aber nicht nur zum Spass.
Jonas Manser
Maestranis Minor ist nicht mehr von der Schokoladenlandschaft wegzudenken. Trotzdem muss es sich immer wieder neu erfinden. (Bild: PD)

Maestranis Minor ist nicht mehr von der Schokoladenlandschaft wegzudenken. Trotzdem muss es sich immer wieder neu erfinden. (Bild: PD)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Goldene Eintrittskarten braucht man keine, um die Schokolade­fabrik von Maestrani zu besuchen – Karten für den Rundgang im «Chocolarium» sind direkt an der Kasse zu kaufen. Interaktiv und mit viel Witz zeigt das von Aquillino Maestrani im Jahr 1852 gegründete Unternehmen, wie sie ihre schweizweit beliebte Schokolade herstellt. Das originale «Minor» ist vielen Schokoladeliebhabern seit ihrer Kindheit bekannt. Doch wie entstehen eigentlich neue Kreationen bei der Maestrani Schweizer Schokoladen AG, wie das Unternehmen seit 1912 heisst?

Markus Wilda, Leiter Marketing, und Sebastian Osl, Leiter Qualitätssicherung sowie Forschung und Entwicklung, unterteilen Innovation in verschiedene Bereiche: «Es gibt vom Markt ­getriebene Innovationen, wo die Marketingabteilung federführend ist, und von der Entwicklung vorgeschlagene Innovationen», erklärt Wilda. Es gebe zum Beispiel sogenannte Verpackungsinnovationen, womit veraltete Designs aufgefrischt werden und bestehende Produkte neu verpackt werden. Bei einer Rezeptinnovation hingegen werde eine neue Sorte Schokolade entwickelt. Weiter wird zwischen einer neuen Sorte innerhalb einer bestehenden Linie und einem ­komplett neuen Produktkonzept unterschieden. Die Letztere ist zeitlich und technisch am aufwendigsten, da sie technologische Innovationen beinhalten kann. Investitionen in neue Maschinen werden notwendig. Produkte werden auch an verschiedene Verkaufsformate angepasst. Je nachdem, ob die Schokolade an Flughafen-Shops, Tankstellen oder im Detailhandel in den Regalen steht, wird die Verpackung anders gestaltet. Für Impulskäufe an Tankstellen gibt es einzelne «Prügeli» und keine grossen Verpackungen, weil dies zu viel wäre, um den kleinen Hunger auf Schokolade zu stillen.

Die gespaltene neue Kreation

«Split» heisst nicht nur das ­Eichhörnchen-Maskottchen von ­Maestrani, sondern auch ihr neuer Schoggi-Riegel. Das Ziel der neuen Schokoladenkreation sei die Verjüngung der Marke Minor, um neue Zielgruppen anzusprechen und die Marke aktuell zu halten, sagt Wilda. «Dazu haben wir Ideen von überall hergeholt: Kunden, Lieferanten, Produktion, Engineering, Marketing und Verkauf.» Zu den Kriterien, ­welche die neuen Kreationen erfüllen müssen, gehörten unter anderem natürliche Zutaten, ­ 25 Prozent Haselnussanteil, kein Fremdfett sowie keine neuen Allergene, erklärt Osl. Aus 30 zusammengetragenen Konzepten wurden schliesslich zwei für den Betriebstest auserkoren. Es folgten interne Degustationen und Konsumententests. «Wir brauchten für den Entwicklungsprozess, von der Idee bis hin zum fertigen Produkt, gut ein Jahr. Das ist äusserst schnell», sagt Osl. Je komplexer die Innovation, desto länger dauere es. In der Regel werde mit zwei bis drei Jahren Ent­wicklungszeit gerechnet. Werden neue Zutaten verwendet, führe man zum Beispiel auch Lagertests durch, um die angegebene Mindesthaltbarkeit zu sichern.

Tonangebend ist die Marketingabteilung, welche «Forderungen» an die betroffenen Abteilungen weiterleitet. Diese formulieren ihre Perspektiven und geben Rückmeldung an das Marketing. Danach entscheidet die Chef-Etage, was unternommen wird. Kleine und mittelgrosse Unternehmen (KMU) hätten nur beschränkte Ressourcen für Innovation, welche stets mit einem gewissen Risiko behaftet seien. Trotzdem sei Innovation auch als relevanter Umsatztreiber unerlässlich, sagt Wilda. Jahrzehntelange Erfahrung reduziere das Risiko jedoch, sind sich Wilda und Osl einig. Man entwickle Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten, gute Produkte herzustellen. 75 Prozent aller neuen Produkte auf dem Markt verschwinden innerhalb eines Jahres, besagt eine Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen aus dem Jahre 2014. Auch Maestrani kreierte Produkte, die am Markt nicht bestehen konnten. «Die Fair-Trade-Praline hat überhaupt nicht funktioniert», sagt Wilda. «Innovationsmanagement ist eben keine exakte Wissenschaft. Manchmal ist es schwer abzuschätzen, wie sich ein Produkt verkauft.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.