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FLAWIL: Flawil droht ein kalter Sommer

Der Böögg schien einen Pakt mit dem Feuer geschlossen zu haben: Die Flammen wollten und wollten nicht lodern. Schenkt man dem Volksmund Glauben, steht Flawil somit ein schlechter Sommer bevor.
Andrea Häusler
Nur zaghaft griffen die Flammen nach dem Holz: dem Böögg war ein langes Leben beschieden. (Bild: Andrea Häusler)

Nur zaghaft griffen die Flammen nach dem Holz: dem Böögg war ein langes Leben beschieden. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Eigentlich müsste er längst ausgestorben sein, der Funkensonntags. Nicht primär deshalb, weil die Höhenfeuer am Sonntag nach Aschermittwoch keine speziell schweizerische Fasnachtssitte sind. Sondern weil bereits vor 120 Jahren ein sukzessiver Rückgang der nachfasnächtlichen Brauchtumspflege beobachtet worden ist. Dies belegen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1897, die der Schweizer Volkskundler Eduard Hoffmann-Krayer unter dem Titel «Die Fasnachtsbräuche der Schweiz» publiziert hatte und die von der ETH-Bibliothek in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden. «Eine genaue Verbreitungsstatistik für die Schweiz liegt bis jetzt nicht vor; doch ist anzunehmen, dass die Höhenfeuer in der Frühjahrszeit ehedem eine grössere Ausdehnung hatten als heutzutage und dass die Schuld an der Reduktion die vielfachen obrigkeitlichen Verbote tragen. Nach unsern bisherigen Erkundigungen haben sich die Fastnachtsfeuer gegenwärtig nur noch in den Kantonen Aargau, Appenzell, Basel, Bern, St. Gallen, Glarus, Graubünden, Luzern, Solothurn, Tessin, Thurgau und Zürich erhalten und auch hier oft nur bezirks- oder thalschaftenweise», fasst Hoffmann-Krayer die Bedeutung der Tradition in seiner Zeit zusammen.

Trotz Abdeckung viel Wasser aufgenommen

Die Flawiler Ortsbürger haben die Funkentradition vor rund 25 Jahren auf der Weidegg wieder aufleben lassen, um den Standort – nach einmaligem Unterbruch – 2015 auf den Landberg zu verlegen. Nachdem die bauliche Entwicklung im Weidegg-Quartier das Abbrennen eines Höhenfeuers verunmöglicht hatte. Der Funkensonntag ist kein Anlass, der die Massen anzieht. Dennoch pilgert alljährlich eine ansehnliche Gruppe Flawilerinnen und Flawiler – viele mit Kind und Kegel – auf die Anhöhe beim Hof der Familie Stüdli. Diese gewährt nicht nur Gastrecht auf ihrem Land, sondern baut stets auch den Funken auf: mit eigenem Holz. Dieses hatte heuer ordentlich Wasser gezogen. Der Regen und Schnee der vergangenen Tage hatten Latten und Reisig durchfeuchtet. Obwohl der Funken abgedeckt worden sei, wie Roman Stüdli betonte.

Die Wyssbach-Geischter gaben alles, um die vor dem Funken und an den Verpflegungsständen wartenden Gäste mit guggenmässig guten Tönen bei Laune und in Bewegung zu halten.

Flammen mit Laubbläser angetrieben

Bloss das Feuer liess sich nicht mitreissen. Verhalten glimmten die entzündeten Späne vor sich hin, erloschen, flammten wieder auf. Nach einer Dreiviertelstunde fuhren die Stüdlis schliesslich schwereres Geschütz auf: einen Laubbläser. Und tatsächlich begannen die Flammen zu züngeln, die Funken zu stieben. Während einzelne Schaulustige bereits den Heimweg antraten. Der Sommer war zu jenem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr zu retten. Zu lange hatte der wiederum von Kindern der Heilpädagogischen Schule Flawil gefertigte Böögg mit hoch erhobenem, intaktem Kopf den Flammen standgehalten.

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